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Heimat erleben in Geldern
Einmal im Jahr liegt Mittelerde in Pont

"Tolkien Tag" in Pont
"Tolkien Tag" in Pont FOTO: Gerhardt Seybert
Geldern. Seit 2013 findet der Tolkien-Tag in Pont statt. Die Veranstaltung hat sich einen Namen in der Fantasy-Szene gemacht. Sie wächst jedes Jahr. Nicht zuletzt liegt das an den fleißigen Dorfbewohnern, die alle mit anpacken. Von Bianca Mokwa

Wenn es mehr Besucher als Einwohner in einem Ort gibt, dann muss das schon einen guten Grund haben. Vor allem, wenn die Besucher nicht aussehen wie gewöhnliche Menschen, sondern teilweise Spitzohren oder seltsam anmutende Gewandungen tragen.

Ordnung muss sein: "Haltet Mordor sauber", bittet diese Mülltonne.

2714 Gäste besuchten in diesem Jahr den Tolkien-Tag in Pont. Einmal im Jahr dreht sich alles um die Fantasy-Welt, die der britische Schriftsteller geschaffen hat, dessen Werke "Der Herr der Ringe" und "Der Hobbit" weltbekannt sind. Dann reiten furchterregende Ringgeister auf ihren Pferden, und in der Auenland-Küche werden Trollfinger im Schlafrock zubereitet. Alles ist so authentisch wie möglich.

Seit 2013 verwandelt sich das 2150 Einwohner zählende Dorf in eine Stätte für Fans von Fantasy-Literatur. "Tolkien-Tage finden deutschlandweit statt, aber in Pont ist die größte Veranstaltung, die sich um Tolkiens Bücher dreht", sagt Sebastian Kleinen. Er ist zweiter Vorsitzender der Deutschen Tolkiengesellschaft und durch und durch Ponter. Deswegen habe ihn auch der Videoclip einiger Gäste so amüsiert. Die filmten ihren Weg zu den Ponter Tolkien-Tagen. Die Anfangsszene beginnt mit den Worten: "Wo sind wir denn hier gelandet?" "Es ist schon interessant, wie das Dorf, das ich so gern habe, auf andere wirkt", sagt Kleinen und lacht. Er beschreibt sich selbst als "Dorfkind", und wenn er das sagt, klingt das keinesfalls abschätzig in einer Welt, in der so viele sich als "Weltbürger" verstehen. "Hier kennt jeder jeden und man weiß, woran man ist", nennt Kleinen die Vorzüge seines Heimatortes.

Szenen aus "Der Hobbit - Smaugs Einöde" FOTO: ap, Mark Pokorny

Die wirken sich auch ganz praktisch aus. Wenn die Tolkien-Tage gestemmt werden müssen, dann packen alle mit an, aus den verschiedensten Vereinen und Gruppierungen. Da fast jeder Ponter allerdings in fünf Vereinen tätig ist, sind die Ressourcen irgendwann erschöpft. "In diesem Jahr hatten wir erstmals auch Leute der KKG Geldern mit dabei", sagt Kleinen. Auch die Nachbarschaftshilfe funktioniert in Pont tadellos.

"Das Catering ist komplett in unserer Hand, damit wir familienfreundliche Preise bieten können", erklärt Kleinen das Konzept weiter. Ansonsten kommen die Gäste und Händler aus dem gesamten Bundesgebiet. Da ist zum Beispiel der Süßwarenhändler aus Hannover, der englisches Fudge anbietet oder Mytholon aus Leipzig mit Gewandungen und Schwertern. "Es muss zum Konzept passen", so Kleinen. "Wir wollen kein Trödelmarkt sein und nicht zu sehr Mittelaltermarkt."

Das sagen Fans bei der Hobbit-Premiere in Düsseldorf FOTO: dapd, James Fisher

Für das nächste Jahr haben sich schon ein Korbflechter aus Poelyck und ein Imker aus Hartefeld angemeldet. Die Stände ziehen sich vom Bürgerpark bis zur Dorfwiese. Auch das Haus der Vereine ist belegt und die Räume des Antonius-Kindergartens werden genutzt. Die Veranstaltung wächst von Jahr zu Jahr.

Für 2016 sucht Kleinen deswegen noch einen Raum, in dem Tabletop-Turniere ausgetragen werden können. Dabei werden mit selbst bemalten Spielfiguren regelrechte Schlachten geführt, so wie es in den Herr-der-Ringe-Büchern thematisiert wird. "Da können schnell 20 Spieler zusammen kommen", hält Kleinen vor Augen. Platz sollte also für zehn Tische sein. Der Gasthof "Zum Lünebörger" käme dafür nicht in Frage, da er zu weit weg vom Geschehen läge.

Der "Lünebörger": Noch so ein Beweis für den Zusammenhalt im Dorf. Die Kneipe wird jetzt von den Pontern selbst betrieben, vom Heimat- und Förderverein.

Und wer genau hinschaut, wird in Pont dann doch viel Ähnlichkeit mit der von Tolkien beschriebenen Auenlandschaft erkennen. Zwar fehlen die sanften Hügel, aber das satte Grün und die Idylle erinnern doch sehr an die Heimat der Hobbits. Kein Wunder, dass sie einmal im Jahr in Pont ihr Stelldichein haben. Nicht zu vergessen die Zwerge, Menschen und die Orks. "Die Elben sind scheinbar schüchterner", sagt Kleinen. Die dürfen mal auf der Karte nachschauen, wo Mittelerde am Niederrhein liegt, nämlich in Pont. Anreise erwünscht.

Quelle: RP
 
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