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Issum
Tristesse statt Karneval

Issum: Tristesse statt Karneval
FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)
Issum. Die Absage in Issum traf einige Teilnehmer erst bei ihrer Aufstellung. Die Entscheidung sorgte für Unverständnis. Von B. Mokwa und L. Küppers

Für einige kam die Absage einfach zu spät. Der fünfjährige Luis steht mit seiner Mutter Melanie Kroppen bereits am Aufstellungsplatz an der Neustraße. 120 Teilnehmer des TV Issum hätten sich dort treffen sollen. "Mama, wann kommt unser Wagen?", will er wissen. Der Wagen wird gar nicht mehr kommen, wird ihm seine Mutter sagen müssen. Aus den Boxen des Reitverein Ziethen dröhnt ein trotziges "Wir lassen uns das Feiern nicht verbieten". Die als Frösche verkleideten Mitglieder sind für viele Kinder der einzige Lichtblick in der schroff abgesagten Karnevalsgeschichte. Bis kurz vor halb drei bleiben die Ziehtener an der Neustraße stehen und verteilen an die wartenden Kinder Süßes. Der Rest soll an die Grundschulen gehen.

Beutelweise Popcorn werfen auch die Angehörigen des Freundeskreises Aengenesch vom Wagen, zumindest auf dem Weg zu ihrer Feierstätte. Stefan Molderings vom Freundeskreis verkündet über das Mikrofon die Veranstaltung Karnevalszug offiziell für beendet. "Zu kurzfristig" nennt er die Entscheidung. "Deadline wäre für mich 12 Uhr gewesen." Michaela Molderings sieht zumindest zuversichtlich in die Zukunft. "Selbst wenn wir ziehen, stehen bei dem Wetter keine Leute am Straßenrand. Dann lieber mit den Sevelenern zusammen ziehen."

Oben: Der Freundeskreis Wiesenweg zieht zurück. An der Gaststätte "Zur Post" (links), sonst Open-Air-Partyzentrum am Rüselsdensdag, ist draußen nicht viel los. Genau wie auf der Neustraße (unten). FOTO: Seybert

Über die Regenempfindlichkeit der Zuschauer gibt es durchaus geteilte Meinungen. Mechthild Cuypers schüttelt den Kopf. "Wenn ich ehrlich bin, in der Haut derjenigen, die das entschieden haben, möchte ich nicht stecken", sagt sie. Die Zuschauer hätten sich doch darauf eingestellt. Tatsächlich haben die meisten Regenschirm oder ein Regencape bei sich. "Es ist nass, aber die Jecken sind ja da", stellt Mirco Lützenkirchen vom Freundeskreis Wiesenweg fest. "Es ist kein Wetter, um den Zug abzusagen. Nee, dafür gibt man sich die Mühe?", fragt er enttäuscht. "Also können wir nach Hause fahren", stellt eine als Raupe Nimmersatt verkleidete Frau ernüchtert fest. Es ist kurz vor 14 Uhr, kaum Regen. Einige bleiben noch zum Feiern oder organisieren private Partys. Die Grundstimmung nach der Absage ist trist, Katerstimmung statt Karnevalsfreuden.

Die Gefühlswelt von Gerd Jungbluth sieht zwei Stunden später auch nicht viel besser aus. Seit dem frühen Morgen hat der Zugleiter des Heimat- und Verkehrsvereins sich mit Bürgermeister, Polizei und Ordnungsamt beraten. "Zuerst haben wir den Zugweg verkürzt, um vor den diversen Unwetterwarnungen fertig zu sein", erklärt der Issumer. Doch das habe angesichts der Prognosen nicht mehr gereicht. "Die Entscheidung zur Absage ist mir sehr, sehr schwer gefallen, zumal viele sehr schöne Wagen mitgezogen wären", sagt Jungbluth frustriert. Doch die Verantwortung war ihm letztendlich zu groß. Dann fügt Jungbluth hinzu: "Wir hätten aber eher absagen sollen."

Alle Hoffnung ist umsonst: Der Wagenengel (mit Weste) braucht den Wagen der Bruderschaft nicht zu schützen. FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)
Quelle: RP
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