| 00.00 Uhr

Geldern
Unglück bei Schwelbrand in Möbellager

Geldern: Unglück bei Schwelbrand in Möbellager
Der offene Aufzugschacht in dem verfallenden Bau hätte zur tödlichen Falle werden können. FOTO: Markus van Offern
Geldern. Ein Albtraum: Bei Löscharbeiten in dem leerstehenden Bau am Holländer See ist ein Feuerwehrmann durch einen Aufzugschacht vom ersten Obergeschoss bis in den Keller gestürzt. Er hat überlebt und erholt sich im Krankenhaus. Von Sina Zehrfeld

Ein Autofahrer bemerkte am Sonntag gegen 19.30 Uhr, dass Qualm aus dem leerstehenden Möbellager drang. Wie sich später herausstellte, hatte sich im Keller ein Schwelbrand entwickelt. Die Löscharbeiten hätten ein Routineeinsatz für die Feuerwehr sein können - doch dann kam es zu einem dramatischen Unglück. Ein 34-jähriger Mann des Löschzugs Geldern stürzte durch einen offenen Aufzugschacht vom ersten Obergeschoss bis hinab in den Keller.

"Die ganze Halle war stark verraucht", schildert Gelderns Feuerwehrchef Johannes Lörcks die Situation in der oberen Etage. Die Sicht war also entsprechend schlecht, als der Feuerwehrmann hinter einer vermeintlichen Säule unvermittelt nicht auf festen Boden trat, sondern in den türlosen, ungesicherten Aufzugschacht hinein.

Der 34-Jährige fiel in die Tiefe, doch er blieb nach dem Sturz bei Bewusstsein. Trotz schwerer Verletzungen konnte er selbst per Funk Hilfe rufen. Seine Kameraden schufen eine Öffnung zum Keller, indem sie von außen mehrere Glasbausteine zerschlugen, und retteten den Verwundeten so ins Freie.

Bedenkt man die Höhe seines Sturzes von rund sieben Metern, hat der Mann offensichtlich großes Glück gehabt. Er befindet sich im Krankenhaus, bis gestern standen noch Untersuchungen aus. "Den Umständen entsprechend geht es ihm gut", sagte Johannes Lörcks deutlich betroffen: "Da hätte alles passieren können, das ist uns allen bewusst." Das Feuer im Möbellager sei kein größeres Problem gewesen. "Aber dieser Vorfall, der steckt uns in den Knochen."

Wie der Schwelbrand entstanden ist, ist noch unklar. Das Gebäude steht vor dem Abriss, um am Standort das neue Feuerwehrhaus für die Löschgruppe Baersdonk zu bauen.

Die Vorbereitungen dafür werden durch das aktuelle Geschehen verzögert. "Wegen dieses Feuers muss erneut ein Gutachter ins Gebäude, da durch solche Brände Schadstoffe freigesetzt werden können, die sich an den Wänden niederschlagen", erläuterte Stadt-Sprecher Herbert van Stephoudt die Lage. Sollte das geschehen sein, dann müsste das belastete Material eigens entfernt und gesondert entsorgt werden.

Die ursprünglich mal angeforderte Untersuchung, die die Bedingungen für den Abriss klären sollte, hätte eigentlich in diesen Tagen fertig werden sollen. Dann hätten die Bagger anrücken können. Nun aber muss der Sachverständige noch mal an die Arbeit. "Dafür rechnen wir mit Mehrkosten von zwei- bis dreitausend Euro", stellt van Stephoudt fest.

Vorläufige Erkenntnisse über die allgemeine Belastung der Immobilie gab es noch nicht. Auch, was noch an Altlasten im Boden schlummern könnte, ist noch nicht weiter geprüft. "Aber es gibt eine allgemeine Vermutung", so van Stephoudt. "Altlasten sind eine Problematik des gesamten Güterbahnhofsgeländes." Dort seien manche Ecken eben mehr, andere weniger betroffen. Wie es um das Möbellager-Gelände steht, bleibt abzuwarten.

Quelle: RP