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Geldern
Veerter sagen Bauprojekt den Kampf an

Geldern: Veerter sagen Bauprojekt den Kampf an
Wenn es nach der Meinung vieler Anwohner und weiterer Veerter geht, sollte diese Freifläche im besten Fall gar nicht bebaut werden. FOTO: seybert
Geldern. Der Widerstand gegen den Veerter Supermarkt-Standort formiert sich zur "Interessengemeinschaft". Anwohner haben Angst, dass doch noch ein Discounter kommt, die Häuser zu hoch werden, das Projekt auf die Schnelle beschlossen wird. Von Sina Zehrfeld

Die größte Sorge der Anwohner ist, dass Nägel mit Köpfen gemacht werden, bevor eine große öffentliche Diskussion losgeht. Dass die Planung der Investoren in der Politik "durchgewinkt" wird, sagt Jörg Hegmans, Nachbar und Sprecher der sich formierenden "Interessengemeinschaft" der Anlieger. Das Projekt werde mit Macht vorangetrieben: "Das macht uns stutzig. Warum plötzlich diese Eile?"

Bekanntlich sind Anwohner nicht glücklich darüber, dass Investoren an der Ecke Hülspaßweg / Grunewaldstraße, also in der Nähe der Sportanlage, einen Supermarkt bauen wollen. Erste Planungen dazu liegen für den Bebauungsplan "Im Lüssfeld" vor.

"Wir sind nicht gegen einen Supermarkt", betont Jörg Hegmans. "Die Frage ist nur: Macht er an dieser Stelle Sinn?" Nein, beantworten das die Anwohner selbst. Der Autoverkehr würde ungünstig durch die Siedlung geleitet, argumentieren sie: durch den Dorfkern oder vorbei an Kindergarten und Grundschule.

Und es bleibe zu wenig Grün übrig. Das betrifft Hanneke Hellmann, die am Hülspaßweg wohnt, ganz direkt. Das freie Feld vor ihrer Haustür soll nach dem Stand der Dinge zu einem zwölf Meter breiten Streifen eingedampft werden. "Das Kapital regiert die Welt. Der Investor bestimmt das", ärgert sich Hellmann.

Auch sollen in dem Dreieck zwischen Dreihöfeweg und Grunewaldstraße nach der vorläufigen Planung mehrgeschossige Mehrfamilienhäuser entstehen - zu massiv sei das, finden viele Veerter. Und sie fürchten, dass der Supermarkt am Ende eben doch ein Discounter wird. Und, "dass das ein Vorhaben ist, das auf Ausweitung ausgerichtet ist", so Einwohner Franz Kubon. Vielleicht komme auch noch ein Getränkemarkt, vielleicht noch eine Drogerie, und wer weiß was noch.

Die Anwohner schlagen einen anderen Supermarkt-Standort vor: eine Fläche am Dreihöfeweg schräg gegenüber "Baufuchs Vos". Weitere Ideen: ein Kreisverkehr an der Brigittenstraße, und die neuen Wohnhäuser wären niedrigere Einfamilienhäuser. "Wir haben einen Architekten gefunden, der eine Alternativplanung aufstellt", sagt Hanneke Hellmann. Die wolle man der Bevölkerung noch vorstellen: "Wir werden das alles prüfen lassen."

Sämtliche Flächen gehören zu den Ländereien des Lüsshofs am Dreihöfeweg. Natürlich ist es einem Eigentümer überlassen, welches Land er zum Kauf anbietet, und einem Investor, wo er gerne bauen will. Aber die Stadt solle dennoch Einfluss auf die Planungen geltend machen, fordern die Anwohner.

So läuft das aber nicht, hält die Stadt dagegen. Bei einem "vorhabenbezogenen Bebauungsplan" - und darum handelt es sich bei "Im Lüssfeld" - erarbeite der jeweilige Investor die Einzelheiten, teilt sie auf Anfrage der Rheinischen Post mit. Und der habe auch "dafür Sorge zu tragen, dass seine Planungsideen die entsprechende Akzeptanz finden".

Allerdings gebe es in Veert durchaus den Wunsch nach einem Vollversorger. Alternative Standorte dafür seien laut Einzelhandelskonzept nicht vorgesehen. Und nicht zuletzt sei ein Platz in zu großer Nähe von umliegenden Discountern für einen Vollversorger nicht interessant.

Die Verwaltung weiß, dass es für einen Discounter in Veert "offene Ablehnung" gibt - bis hin zur Bitte, die Planung möge insgesamt verhindert werden. Man habe aber nicht die Möglichkeit, das mit Hilfe eines Bebauungsplans durchzusetzen. Man könne lediglich "Flächen für den Einzelhandel" schaffen. Mit welchem Betreiber ein Eigentümer dann einen Pacht- oder Kaufvertrag abschließe, "entzieht sich jeder Einflussmöglichkeit durch das Planungsrecht oder durch die Stadt (Rat und Verwaltung)". Damit erteilt die Verwaltung weiteren Vermutungen eine Absage, die in Veert kursieren. Eigentlich sei ein Vollsortimenter in der angedachten Größe für den Ort nämlich zu groß, heißt es. Deshalb sei eine Idee in die Welt gesetzt worden: Man könne einen Betreiber, der den Zuschlag für den - lukrativen - Standort am Kapuziner-Karree in der Innenstadt haben wollte, dazu bewegen, im Gegenzug auch den - weniger lukrativen - Standort in Veert zu übernehmen. Die Stadt weist dieses Gedankenspiel aber deutlich zurück.

Bevor über das Vorhaben für Veert entschieden wird, muss eine konkrete Planung präsentiert werden. Wann es so weit sei, liege am Investor, teilt die Stadt mit: "Der Verwaltung liegt bisher kein konkreter Zeitplan vor."

Quelle: RP
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