| 00.00 Uhr

Geldern
Viele Zuhörer bei Gelderns "Zauberflöte"

Geldern: Viele Zuhörer bei Gelderns "Zauberflöte"
Schätzungsweise 600 Zuhörer hatten sich an der Bahnhofs-Unterführung versammelt, um Mozart zu hören. FOTO: Markus van Offern
Geldern. Gelungene Premiere für Klassik-Aufführung in der Bahnhofs-Unterführung. Begeistertes Publikum spendet viel Beifall. Von Udo Spelleken

Zu einer "Premiere im doppelten Sinne" begrüßte Bürgermeister Ulrich Janssen ein überraschend großes Publikum am sehr gut geeigneten Aufführungsort an der Unterführung am Bahnhof. Die gemeinnützige Internationale Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation hatte Mozarts "Zauberflöte" als "Oper im Taschenbuchformat" inszeniert. Die Präsentation in dieser ungewöhnlich lockeren Atmosphäre auf hohem künstlerischem Niveau hatte zum Ziel, Publikum zu interessieren, das sonst eher nicht in Opernhäusern und Konzertsälen zu finden ist.

Bereits zwei Stunden vor Beginn hatten sich zu diesem kostenlosen klassischen Konzert im Freien die ersten Besucher eingefunden. Auf den aufgestellten Bierbänken und den Steinstufen breiteten sie ihre Sitzkissen oder Decken aus. Manche hatten sich vom Sperrmüll ein paar alte Stühle mitgebracht. Janssen bedankte sich bei Rainer Niersmann vom städtischen Kulturbüro für die Idee der Einladung. "Ich würde mich freuen, wenn sich dieses Format in Geldern etablieren könnte, etwa als 'Kultur Unterführung' oder 'Theater im Tunnel'", meinte der Bürgermeister. Das Mercator-Ensemble Duisburg als Orchesterquartett und die Sänger Lena-Maria Kramer (Sopran), Désirée Brodka (Sopran und Moderation), Ricardo Marinello (Tenor) und Simon Rudoff (Bass-Bariton) brachten alle wesentlichen Arien und Ensembles der Oper auf die Bühne.

Das ursprünglich dreistündige Werk von 1791 gehört zu den weltweit am häufigsten inszenierten Opern. Die Arien "Der Vogelfänger bin ich ja", "Dies Bildnis ist bezaubernd schön" und die Arie der Königin der Nacht zählen zu den wohl bekanntesten. Die charmante Moderation von Désirée Brodka erklärte die gesamte Handlung und bot Interessantes zum Werk und den handelnden Figuren. "Sie haben schon gemerkt, dass wir die Rolle öfter wechseln?", schmunzelte sie und sorgte zwischendurch für Lacher. Die Königin der Nacht (Lena-Maria Kramer) erhielt für ihre berühmte Arie "Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen" den größten Applaus. Die präzisen Koloraturen, die sie in den Höhen überzeugend darbot, gehörten ohne Zweifel zu den Höhepunkten des Abends. Insgesamt beeindruckte die gesangliche Qualität der vier Sänger. Die Inszenierung unter der Regie von Désirée Brodka wirkte frisch und unterhaltsam in einer beachtenswerten Balance zwischen Volkstheater und Mysterium. Mit viel Applaus wurden die Akteure vom begeisterten Publikum in die Nacht entlassen.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Geldern: Viele Zuhörer bei Gelderns "Zauberflöte"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.