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Wachtendonk
Wachtendonk zieht Lesefreunde an

Wachtendonk: Wachtendonk zieht Lesefreunde an
Stundenlang in Schmökern stöbern: Das macht den Wachtendonker Bücherbummel so beliebt. FOTO: Markus van Offern
Wachtendonk. Viele Besucher beim Bücherbummel im historischen Ortskern der Niersgemeinde. Einige Verkäufer mussten früh aufstehen. Suche nach Urlaubslektüre. Erlöse auch zur Finanzierung von Hilfsprojekten. Von Monika Kriegel

Es hat sich am ganzen Niederrhein herumgesprochen: Der Bücherbummel ist eine Reise wert. Für Britta und Bernd Henn klingelte gestern der Wecker bereits um 4 Uhr, damit das Paar aus Remscheid um 6.45 Uhr den Stand aufbauen konnte. Gegen Mittag zog die Verkäuferin das erste Fazit: "Wir kommen gerne. Wachtendonk ist gemütlich, die Leute sind kauffreudig."

Bücher, durch die immer wieder durchgeblättert wird und die dann zurückgelegt werden, seien an ihrem Stand meist alte Klassiker. "Wir hätten da Jules Verne, alte Ausgabe mit Goldschnitt. Die Leute staunen. Manchmal vergleichen sie es mit ihrer Taschenbuchausgabe zu Hause und wundern sich über den hohen Wert dieses Stücks", erklärt Britta Henn. Auch einzelne Comics gehen für Liebhaberpreise bis zu 40 Euro über den Tisch.

Ein dicker Schinken, den Eva Rietzler und Hedi Grothoff lieber nicht zum dritten Mal verstauen möchten, heißt an ihrem Stand "Gesundheit und Medizin heute", geschätzte fünf Kilogramm schwer. Die Mitarbeiterinnen der Bibliothek an der Liebfrauenschule Mülhausen scherzen schon, sie würden das Lexikon bald mal selbst kaufen, um es nicht wieder schleppen zu müssen. Auch bei den Frauen war Muskelkraft gefragt, als sie mit ausrangierten Büchern, die in der Schulbibliothek selten oder nicht ausgeliehen werden, den Stand befüllten. "Wir sind zum dritten Mal hier", so die Teamleiterin, die gerne auf viele Gleichgesinnte trifft: "Sehr schön: Es wird noch gelesen. Für uns hat sich der Tag gelohnt. Wir haben schon mehr als die Standgebühren raus. Von dem Erlös können wir neue Bücher kaufen."

Zwischen Stadtplänen, Illustrierten, Taschenbüchern, Briefmarkenalben, Hörbüchern, Schallplatten, Kinderspielen, Grußkarten sowie gebundenen Büchern an Ständen von Profi-Trödlern und Laien hatte sich Claudia Schneider mit ihrem Lesegut gesetzt. "Wie einige Stände neben mir verkaufen wir zugunsten der Ghana-Hilfe. Da habe ich antiquarische Bücher, Erbstücke von meinem Vater, auf den Tisch gelegt", beschreibt die Wachtendonkerin ihre Premiere als Verkäuferin. Das Geschäft für antiquarische Literatur gehe allerdings eher schleppend. "Die Kinderklamotten am Ständer haben bis jetzt mehr eingebracht, aber ich sitze hier ja auf der Sonnenseite", tröstet es die Wachtendonkerin, mitten im Geschehen zu sein.

Ilona Jaling und Theo Ortmeier treffen sich eher zufällig in Wachtendonk wieder. Beide Grefrather haben ihre Stofftaschen schon gut gefüllt. Ilona Jaling freut sich auf sechs Krimis für den Campingurlaub. Auch bei ihrem Bekannten aus dem Nachbarort steigt die Urlaubsvorfreude: "Schauen Sie Andrea Camillieri, ein Krimi über einen sizilianischen Kommissar, den lese ich gerne. Der kommt so authentisch rüber." Das dürfte nicht das letzte Stück sein, dass er nach Hause trägt, denn gerade bittet seine Ehefrau ihn euphorisch um Bares, denn auch sie hat etwas nach ihrem Geschmack entdeckt.

Nicht nur für diese Besucher dürfte der Besuch im historischen Ortskern ein Erfolg und kurzweilig werden, auch für die Händler. Deutlich um Gewicht erleichtert, packten sie abends ihren Trödel wieder ein.

Ob sich wohl auch ein Interessent für einen Spargelschälapparat gefunden hat, der zwischen den Büchern platziert war? Falls nicht, die nächste Spargelzeit kommt so sicher wieder, wie viele Niederrheiner ihren nächsten Wachtendonker Bücherbummel im Terminkalender notieren.

Quelle: RP
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