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Gelderland
Wahlempfehlung von der Kanzel?

Gelderland: Wahlempfehlung von der Kanzel?
Den Gottesdienstbesuchern sagen, wo sie auf dem Wahlzettel ihr Kreuzchen setzen sollen? Das ist in den Kirchen, wie hier in der Heilig-Geist-Kirche Geldern, mittlerweile tabu. Früher war das teilweise anders. FOTO: zel
Gelderland. Gegen die Nennung von Parteinamen im Gottesdienst sprechen sich alle aus. Ein Politiker erzählt, dass er es schon anders erlebt hat. Von Bianca Mokwa

Seine Meinung ist glasklar. "Kirche und Staat sind bei uns getrennt. Deswegen verbitte ich mir eine Empfehlung oder Ablehnung", sagt Nobert Killewald von der SPD mit Blick auf den Wahlsonntag und mögliche Wahlempfehlungen von der Kanzel. "Für uns Politiker gilt, dass wir uns in kirchliche Sachverhalte nicht einmischen." Das erwarte er auch umgekehrt. "Leider habe ich es am unteren linken Niederrhein erlebt, dass Pfarrer und Pastöre eine Wahlempfehlung abgegeben haben. Das geht gar nicht", sagt Killewald.

So ganz ließen sich Politik und Kirche aber nicht ausschließen. "Unabhängig von meiner Meinung ist auch klar, dass der Priester- und Pfarrerberuf selbstverständlich die Vermittlung christlicher Soziallehre umfasst und damit auch in die Politik hineinwirkt", sagt Killewald. "Unpolitisch ist deren Aufgabe nicht. War Christus unpolitisch? Ich glaube nicht. Er ist das beste Beispiel."

"Alles was wir tun, ist politisch. Wir leben in einem Gemeinwesen. Jede Bewegung, die wir tun, hat mit dem anderen zu tun", lautet die Meinung von Johannes Fries, evangelischer Pfarrer in Weeze. "Das wäre ja auch das Letzte, wenn Predigt keine Relevanz mehr hätte", sagt Fries. Am Sonntag, gleichzeitig Wahltag, wird er einen Konfirmationsgottesdienst halten. "Sicher werde ich das Thema Wahl auch in ein, zwei Sätzen ansprechen", sagt Fries. In die Richtung werde es gehen, dass die Jugendlichen mit ihrer Konfirmation vollberechtigte Gemeindemitglieder sind und auch in der Kirche ein Wahlrecht haben. Mehr wird er aber auch nicht sagen.

Eine Wahlempfehlung von der Kanzel? "Nö", sagt Fries. "Ich denke, man hat es mit mündigen Bürgern zu tun. Da braucht man keine Wahlempfehlung zu geben. In der Predigt kommen Dinge zur Sprache, die sich am Wort Gottes orientieren, nicht am Programm der Parteien." Die Zuhörer müssten die Wertungen dann schon selber treffen, wenn es dann tatsächlich um eine Wahlentscheidung gehe, und ob christliche Werte von Parteien mitgetragen werden. Eines macht Fries aber deutlich: "Man kann Leute durchaus an die Möglichkeit erinnern, Politik mitzugestalten." Denn Nichtstun ist für Fries keine Alternative. "Dieser Rückzug in das Private, wenn Leute sagen, ich verabschiede mich von der Politik, ist Selbsttäuschung. So oder so, wer nichts sagt, akzeptiert, was ist."

Dechant Theodor Prießen spricht von dem Menschen als "homo politicus". Jeder Mensch sei ein politischer Mensch. Hirtenworte der Bischöfe, die konkrete Namen nannten, die zu wählen seien, die gebe es heute nicht mehr. "Das war in den 1970er Jahren, da merkte man schon, da wurde klar zur Wahl einer bestimmten Partei aufgerufen." Die Wahl, das sei eine freie Gewissensentscheidung. Von der Kanzel würde er keine Wahlempfehlung geben. In einer Predigt hat er einmal über die Begegnung mit einem AfD-Anhänger erzählt und wie erschrocken er über die Begegnung war. "Das kann ich so erzählen, das ist ein persönliches Erlebnis", sagt Prießen.

Andreas Poorten, katholischer Pfarrer in St. Antonius Kevelaer, setzt sehr auf Zurückhaltung. Er hat noch nie eine Wahlempfehlung ausgesprochen. "Auch wenn es in Gesprächen um die bereits gewesenen Wahlen in Frankreich oder Schleswig-Holstein ging, halte er sich immer zurück, sagt der Geistliche.

Soll ein Pastor Stellung zu einer Partei beziehen? "Nein", sagt dazu Margret Voßeler von der CDU. "Ich finde, ein Pastor kann sagen, dass wir Verantwortung haben und wählen gehen sollen, dass wir uns einbringen sollen für unsere Gemeinschaft und was das Zusammenleben angeht. Das finde ich in Ordnung." Mehr aber auch nicht.

Der evangelische Pfarrer Ralf Streppel aus Geldern spricht sich auch gegen eine Wahlempfehlung aus. "Weil jemand ein C im Namen hat, muss er nicht christlicher sein, oder weil der andere kein C hat im Parteinamen, muss die Partei nicht unchristlicher sein." Er spricht lieber von Wahlprüfsteinen. Zu prüfen sei, ob das, was in der Bibel steht, auch ernst genommen und umgesetzt wird. "Wir müssen die Schwächeren im Blick haben, und es geht um den Erhalt des Friedens, auch des sozialen", nennt Streppel als Beispiel. Prüfsteine heißt, Mitdenken ist also erforderlich.

Quelle: RP
 
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