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Geldern
Was tun, wenn der Hund gebissen wird?

Geldern. Das Ordnungsamt kann Bußgelder verhängen und Sanktionen aussprechen, wenn ein Vierbeiner zubeißt. Aber nur dann, wenn die Sachlage klar ist. Ein aktueller Fall in Geldern zeigt, wie schwierig das sein kann. Von Sina Zehrfeld

Der achtjährigen Labrador-Hündin Leevke geht es inzwischen wieder ganz gut. Ihre Wunde verheilt langsam, der Plastik-Trichterkragen um den Hals nervt. Die Halter aber, Christa und Alex Hubers, kommen über ihren Ärger und ihre Enttäuschung über das, was sie erlebt haben, erstmal nicht hinweg.

Es geschah an einem Vormittag Anfang September. Da war Alex Hubers mit dem Fahrrad mit seiner Hündin am Baggerloch "Grenzwasser" unterwegs, direkt an der deutsch-niederländischen Grenze. Viele Hundebesitzer aus der Gegend nutzen den Fleck für Spaziergänge. Er sei an einem anderen Hundehalter und dessen drei großen Jagdhunden vorbeigeradelt, schildert Alex Hubers: "Und da starten die drei auf einmal los und gehen meiner Hündin hinterher." Es kam zu einer kurzen Jagdszene, Hubers brüllte und sprang vom Rad, Leevke rannte, der fremde Halter habe mehrfach nach seinen Tieren gerufen. Der Erfolg: "Zwei Hunde kamen zurück zu ihm, der dritte biss meinen Hund ins hintere rechte Bein", beschreibt Hubers.

Seine Leevke sei durch ein Gatter in den See geflüchtet, während der angreifende Hund zuletzt ebenfalls kehrtgemacht habe. Und als sie zu ihm zurückkam, "da sah ich die klaffende Wunde", so Hubers: "Da war ein richtiges Dreieck aus dem Fell rausgerissen." Etwa fünf mal fünf mal acht Zentimeter groß, dazu ein tiefes Loch - von einem Eckzahn, vermutete die Tierärztin, die Leevke am gleichen Tag noch versorgte.

Was Christa und Alex Hubers nun bei all dem am meisten verärgert: Der Halter der drei Jagdhunde glaubt nicht, dass sein Tier zugebissen hat. Der Mann hat den Vorfall zwar seiner Versicherung gemeldet. Aber er ist doch fest davon überzeugt, dass sein Hund unschuldig ist. Womöglich habe der Labrador sich bei der Flucht am Zaun oder beim Sprung in den See verletzt. Das hat der Mann auch beim Ordnungsamt so zu Protokoll gegeben, wo die Hubers' die Sache angezeigt haben.

Das Ordnungsamt hat einen Veterinär hinzugezogen. Dieser hatte Bilder von Leevkes Verletzung gesehen, konnte aber nicht zweifelsfrei versichern, dass es sich dabei wirklich um eine Bisswunde handelte. So steht erstmal "Aussage gegen Aussage" - wie das endet, ist offen. Das Ordnungsamt will aber weiter versuchen, Aufklärung zu leisten.

Generell ist klar: Hundehalter müssen ihre Tiere jederzeit unter Kontrolle haben, betont die Stadtverwaltung. Auch da, wo keine Leinenpflicht besteht. Die gilt in Geldern nämlich nur in Gegenden mit "zusammenhängender Bebauung", also nicht in Wald und Flur.

Wird nachgewiesen, dass ein Hund gebissen hat, dann kann die Stadt ein Bußgeld verhängen. Sie kann Halter auch zu einer generellen Leinenpflicht verdonnern - bei einem ersten Vorkommnis wird das aber üblicherweise nicht gemacht. Im Extremfall kann sie Personen auch untersagen, Hunde bestimmter Rassen zu halten. So etwas passiert aber nur äußerst selten.

Die Hubers' warten jetzt ab, wie es mit dem Ordnungsamt und auch mit der fremden Versicherung weitergeht. Alex Hubers sagt, er kenne inzwischen mehrere Menschen, die ebenfalls schon brenzlige Situationen mit den beschuldigten Jagdhunden erlebt hätten. Beim Ordnungsamt ist davon aber nichts bekannt.

Quelle: RP
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