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Geldern
Weg zum Traumberuf: Azubis erzählen

Geldern: Weg zum Traumberuf: Azubis erzählen
Larissa Jatho ist vom Grundschulbereich zur Sparkasse gewechselt. FOTO: van Offern, Markus (mvo)
Geldern. "Die größten Meister sind diejenigen, die nie aufhören, Schüler zu sein", heißt es nach Ignaz Anton Demeter. Wir haben uns beim "Tag der Ausbildung" in Geldern mit Berufsschülern über ihre Bildungswege unterhalten. Von Sina Honnen

Kleve Wie fühlt es sich an, nicht mehr hauptberuflich die Schulbank zu drücken, sondern in der Ausbildung zu sein? Wer könnte das besser beantworten als Azubis selbst. Beim "Tag der Ausbildung" im Gelderner Berufskolleg hatten viele Firmen, die sich da präsentierten, die Azubi-Kollegen im Schlepptau. Die konnten berichten, wie ihr Bewerbungsverfahren ablief, wie ihr Job-Alltag aussieht, was sich in der Berufsschule verändert. Eins haben alle gemeinsam: Sie sind zufrieden mit ihrer Arbeit.

Diana Maes zum Beispiel lässt sich seit einem halben Jahr zur Groß- und Außenhandelskauffrau ausbilden. Die Wahl des Betriebs fiel der 20-Jährigen nicht schwer, schon ihre Cousine hatte positive Erfahrungen mit dem Straelener Gartenbau-Betrieb Landgard gemacht. "Als dann der Anruf kam, dass ich genommen wurde, habe ich schon einen kleinen Freudentanz aufgeführt", erinnert sich Diana. Sie hat schon in verschiedene Bereiche des Unternehmens hineingeschnuppert. In der Personalabteilung kümmert sie sich jetzt um die Organisation von Seminaren für das Personal und ist stolz, dass sie so zur Weiterentwicklung der Firma beitragen kann. Sie möchte sich noch durch weitere Abteilungen testen, um sich nach der Ausbildung in einem speziellen Bereich weiterzubilden und dann "vielleicht mal Abteilungsleiterin werden", aber: "Das steht noch in den Sternen."

Niko Koppers von der Firma Lemken will eine Weiterbildung aufsatteln. FOTO: van Offern, Markus (mvo)

Niko Koppers ist da schon einen Schritt weiter. Direkt nach seinem Realschulabschluss begann er eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei Lemken in Alpen. Heute ist er 19 Jahre alt, im dritten Lehrjahr, und wird dank einer Verkürzung schon in diesem Sommer mit der Ausbildung fertig. Neben zwei Tagen Berufsschule pro Woche ist einmal wöchentlich Werksunterricht im Betrieb. Zehn Wochen vor der Prüfung werden nur noch dem Büffeln für den Abschluss gewidmet. Niko ist sicher: "Das kriegt man hin!" Dann soll aber noch nicht Schluss sein. Er möchte an der Abendschule eine Weiterbildung zum Techniker machen. Wer einen ähnlichen Weg einschlagen möchte, dem rät er, vor allem technisches Verständnis und Spaß an der Arbeit mit Metallen mitzubringen.

Oliver Seifert, Azubi zum Chemikanten, kann da noch eine unverzichtbare Qualität für alle Ausbildungsberufe hinzufügen: "Man braucht Humor! Ohne Humor funktioniert kein Job." Woraufhin seine Kolleginnen lachend einstimmen. Für Chemie habe er sich schon in der Schule interessiert, ein freiwilliges Praktikum als Chemielaborant hat seinen Entschluss nur noch gefestigt, erzählt er. Nach einem Einstellungstest, bei dem es unter anderem um logisches Denken und Mathematik ging, einem praktischen Test und einem persönlichen Gespräch bei "Evonik" hatte er den Ausbildungsplatz in der Tasche.

Diana Maas testet sich durch die Abteilungen im Gartenbaubetrieb. FOTO: van Offern, Markus (mvo)

Mit dem Schritt ins Arbeitsleben hat sich einiges verändert. Die Berufsschule findet in Form von Blockunterricht, also mehrere Wochen am Stück statt, dann arbeitet Oliver wieder im Betrieb. Er weiß, wofür er es tut: "Man verdient sein eigenes Geld, ich habe jetzt mein eigenes Auto", zählt der 21-Jährige zwei Vorteile auf. Nach seiner Ausbildung strebt er aber dennoch ein Studium im gleichen Bereich an.

Joost Tomaszewski hingegen hat der Uni den Rücken gekehrt. Er hat sein Studium der Energie- und Umwelttechnik abgebrochen. Jetzt schätzt er die Vielseitigkeit in der Stadtverwaltung Geldern, wo er Verwaltungsfachangestellter wird. Er ist sich sicher, seinen Traumberuf gefunden zu haben. Natürlich muss er noch seinen Abschluss bewältigen - vier Prüfungen an vier Tagen, da wird man auch mit Mitte 30 noch mal nervös. Wobei Joost sonst viele Vorteile daraus zieht, nicht mehr 16 zu sein: Zielorientierte Teamarbeit, politisches Interesse und ein Faible für Büroarbeit und Genauigkeit zählt er zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine Ausbildung bei der Stadtverwaltung. Und: "Es ist nie zu spät. Man sollte keine Angst vor einem zweiten Weg haben."

FOTO: van Offern, Markus (mvo)

Larissa Jatho hat sich erst in einem sozialen Beruf an der Grundschule ausprobiert und musste feststellen, dass das nicht der richtige Weg für sie ist. Im folgenden Jahr ging sie zur Sparkasse Krefeld. Ein Studium kam trotz Abitur für Larissa erst mal nicht infrage, sie hatte die Nase voll von Theorie und fühlt sich in der Praxis, besonders in der Kundenberatung, sehr wohl. Ihr Alltag hat sich verändert, zum Beispiel durch längere Arbeitszeiten, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Aber Larissa hat an sich gemerkt: Während der Ausbildung wird man viel selbstständiger.

Für alle, die in der Berufsschule Probleme haben, bietet die Agentur für Arbeit Nachhilfe während der Ausbildung. Infos gibt es per E-Mail an Nicole.Steinwartz@internationaler-bund.de.

Quelle: RP
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