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Straelen
Weihnachten 1945: Auf dem Gabentisch lagen weiße Fäustlinge

Straelen. Etwas war vor 70 Jahren genau so wie jetzt. Der Dezember 1945 war im Rheinland mild, verrät die Chronik von EIKE, dem Europäischen Institut für Klima und Energie. Aber es lag viel Schnee. Die weiße Pracht, auf die wir jetzt verzichten müssen.

Hans Rütten erinnert sich daran, wie er als damals Achtjähriger mit seiner Mutter durch den Schnee stiefelte. Damals, in Nieukerk, von der Dennemarkstraße zur nahen St.-Dionysius-Kirche. "Ins kirchliche Leben war ich stark eingebunden, auch, weil ich Messdiener war." Um 4 Uhr morgens ging's zur Christmette am 1. Weihnachtstag. "Damals wurden drei Messen hintereinander gefeiert", erzählt Rütten, der schon lange in Straelen wohnt. Nach der Christmette war Bescherung, bevor es zum zweiten Frühstück beim in der Nachbarschaft wohnenden Onkel ging. "Die Tischdecke wölbte sich über den Geschenken." Selbstgemacht, wie auch die Krippenfiguren, die mit Papier und Pappe gebastelt wurden. "Es gab selbst gebackene Plätzchen und Selbstgestricktes", so Rütten.

Für den Knaben lagen weiße Fäustlinge auf dem Gabentisch. Ein Hinweis auf den Weißen Sonntag 1946, der Tag, an dem Hans zur Erstkommunion ging. Und auch sonst war bei Rüttens Weihnachten 1945 eher auf das nächste Frühjahr ausgerichtet. Nicht zuletzt wegen des Festessens.

"Wir hatten einen kleinen Garten für das Nötigste, für Kartoffeln, Gemüse." Doch sollte etwas Besonderes auf den Tisch, musste bei den Bauern in der Umgebung gebettelt werden. Oder man hatte für Fleisch und Speck etwas Attraktives zum Tauschen. Da hatte eine Ecke in Rüttens Garten etwas zu bieten: Tabak. "Wir haben die Blätter auf dem Söller getrocknet."

(kla)
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