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Geldern
Weiter Flüchtlinge ins alte Finanzamt?

Geldern: Weiter Flüchtlinge ins alte Finanzamt?
Das Ex-Finanzamt liegt günstig mitten in der Stadt, ein paar Meter vom Markt entfernt. FOTO: seybert
Geldern. Der Bau am Mühlenturm ist keine Notunterkunft mehr. Sollte die Stadt das Haus kaufen und weiter für Asylsuchende nutzen? Oder gäbe es bessere Zwecke? Und wohin dann mit den Neuankömmlingen, die jetzt erwartet werden? Von Sina Zehrfeld

260 Plätze für geflüchtete Menschen gab es im ehemaligen Finanzamt am Mühlenturm mitten in der Stadt. 260 Plätze, die bislang komplett auf die Quote angerechnet wurden, die Geldern bei der Unterbringung von Asylsuchenden zu erfüllen hat. Das heißt: Nach derzeitigem Stand der Dinge werden Geldern über kurz oder lang 260 Personen zur längerfristigen Unterbringung zugewiesen.

"In welchen Schritten und wie das passiert, hat man uns noch nicht mitgeteilt", erklärt Stadt-Sprecher Herbert van Stephoudt. "Wir sind dazu in Gesprächen mit der Bezirksregierung." In einem ersten Schritt werden kurzfristig 33 Neuankömmlinge erwartet. Für sie gibt es noch genügend Kapazitäten in den städtischen Unterkünften. Aber danach wird's früher oder später eng.

Es steht der Vorschlag im Raum, dass die Stadt das Ex-Finanzamt erwerben und zur städtischen Flüchtlingseinrichtung ausbauen könnte. Bislang gehört die Immobilie dem Land Nordrhein-Westfalen. Und dieses hat signalisiert, dass die Stadt bei Kaufverhandlungen auf Entgegenkommen hoffen darf, wenn sie den Bau für Flüchtlinge braucht.

Man darf in die Zukunft denken: Bei dem Grundstück handelt es sich um eine "gute Lage" in der City. Wäre es erst einmal im Besitz der Stadt, und sollte eines Tages kein Flüchtlingsheim mehr gebraucht werden, dann besäße man ein Filetstück für die Innenstadtentwicklung. Andererseits: Bis dahin hätte man es nicht gerade mit der viel beschworenen "dezentralen Unterbringung" von Geflüchteten zu tun, also einer Verteilung über die Stadt.

Gelderner Politiker deuten quer durch die Ratsparteien zunächst mal interessiert daran an, dass die Stadt das Gebäude kauft. Was die Nutzung als Flüchtlingsheim betrifft, so ist die Begeisterung mal größer, mal verhaltener.

SPD-Fraktionschef Hejo Eicker verweist auf gute Erfahrungen, die man bisher mit der Notunterkunft gemacht habe. "Das hat gut funktioniert. Von daher kann ich mir vorstellen, dass man die Immobilie - in welchem Umfang auch immer - weiterhin als Unterkunft nutzt", sagt er. Wobei es nach wie vor das Ziel sein solle, diejenigen, die länger in Deutschland bleiben, übers Stadtgebiet zu verteilen.

Auch Norbert Hayduk (Linke) und Markus Peukes (Piraten) stehen so einer Planung zunächst mal prinzipiell positiv gegenüber.

CDU-Fraktionschef Karl-Heinz Lorenz betont hingegen, dass er kein Flüchtlingsheim als Dauerlösung will. "Wir kaufen dieses Objekt sicherlich nicht unter dem Aspekt, längerfristig eine Flüchtlingsunterbringung daraus zu machen", sagt er. "Dafür ist die Stelle zwar geeignet, aber es gibt viele Möglichkeiten der Nutzung, die wir uns da letztlich besser vorstellen können." Bernd Bianchi (Grüne) stößt in das gleiche Horn: Das Haus sei die ideale Lösung in einer Notlage gewesen. "Aber ich denke, dass wir die nächsten Asylbewerber dezentral unterbringen sollten."

Die Quote, die Geldern bei der Unterbringung von Asylsuchenden zu erfüllen hat, ist keine feststehende Größe. Sie wird laufend neu berechnet und richtet sich danach, wie viele Menschen in Deutschland Schutz suchen.

Quelle: RP
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