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Straelen
Wenig Offenheit hinter Glas
Straelen: Wenig Offenheit hinter Glas
Noch den alten Namen NBV/UGA trug die LandGard, als sie im Januar 2006 ihr neues Verwaltungsgebäude in Herongen bezog. FOTO: RPO
Straelen. Nach der Kastanienburg-Pleite droht LandGard bei den Erweiterungsplänen seines Standorts Lüllingen die nächste Misstrauens-Debatte. Der rustikale Kommunikations-Stil könnte Bürger und Politik erneut verprellen. Von Ulli Tückmantel

GELDERN/HERONGEN Einen Mangel an Offenheit vermag Willi Fitzen hinter der Glasfassade seiner Konzernzentrale nicht zu erkennen. Na gut, LandGard sei wohl „kein kommunal-regionales Unternehmen“ mehr, aber seinen Eigentümern und genossenschaftlichen Gremien gegenüber doch immer offen. In der Welt, die noch nicht hinter Glas liegt, löst dagegen manchmal schon allein die schiere Größe der Pläne des 1,2-Milliarden-Umsatz-Konzerns Bauchschmerzen aus und wird als undurchsichtig empfunden.

So groß wie der Dorfkern

Am Standort Lüllingen plant LandGard auf einer landwirtschaftlichen Fläche eine Erweiterung seiner Pflanzenvermarktung, die so groß ist wie der ganze Dorfkern. Was das für die Verkehrsbelastung oder für das Ortsbild des kleinsten Gelderner Ortsteils bedeutet, können die Ratsfraktionen derzeit nur raten.

„Ich halte mich da jeweils an den örtlichen Bürgermeister“, sagt Fitzen. Blöd nur, wenn der Bürgermeister nicht spurt, oder die Bevölkerung sich einer eigenen Meinung erdreistet. In der Nähe von Hamburg wehrt sich ein 314-Einwohner-Dorf gegen die Errichtung eines Mammut-Logistikstandorts, an dem LandGard mitbauen will.

Manchmal betätigt sich dafür aber ja auch ein Minister als Erntehelfer, wie jüngst beim „Tomaten-Vertrag“. Fünf Millionen Euro steckt das Kieler Wirtschaftsministerium in Rohrleitungen, mit denen die Abwärme einer Shell-Raffinerie zu einem LandGard-Gewächshauspark in der schleswig-holsteinischen Pampa gepumpt werden soll. 2010 sollen 20 Hektar unter Glas sein, der Kieler Wirtschaftsminister Dietrich Austermann träumt als Fernziel von der „größten Unterglasproduktion Deutschlands“.

Die hatte LandGard zwar in Kastienburg vorgesehen, will aber auch im niederrheinischen Grevenbroich-Neurath einen riesigen Gewächshauspark namens „Gardenlands“ errichten, der mit Abwärme aus einem RWE-Braunkohlekraftwerk versorgt werden soll. Mit einer eigenen Tochter-Firma will LandGard deutschlandweit auf die Suche geeigneten Standorten für weitere mit Abwärme beheizte Gewächshausparks gehen.

Platz 25

Laut der „Lebensmittel-Zeitung“ steht die LandGard eG heute schon auf Platz 25 der größten der Belieferer des deutschen Lebensmitteleinzelhandels. Wie bei Blumen und Pflanzen strebe er nun auch bei Obst und Gemüse ein flächendeckendes Netz in Deutschland an, verkündete Fitzen der Financial Times Deutschland. „Flächendeckend“ ist im doppelten Sinne zutreffend, da der LandGard-Boss findet, dass in Deutschland noch viel zu wenig unter Glas angebaut wird. „Wir“ müssten weg vom kostengünstigen Tunnel- und Freiland-Anbau hin zur aufwändigeren Unterglasproduktion, ließ Fitzen jüngst ein Fachblatt wissen.

Im Schatten solch umfassender Strategien fällt die lokale Bindung schon mal hinten runter. Für eine Medieninformation zum Beginn der Spargelzeit bat das Straelener Unternehmen Ende März statt eines Niederrheiners einen Bauern aus Bergheim aufs Foto.

Quelle: RP
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