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Straelen
Weniger Aprilscherze an Schulen

Straelen: Weniger Aprilscherze an Schulen
Thomas Auler, Schulleiter der Katharinengrundschule in Straelen, ist für (fast) jeden Scherz zu haben. Den mit dem "Furzkissen" kennt er allerdings schon. FOTO: Seyb
Straelen. Vom Furzkissen bis zum Eimer Masen: Straelener Schulleiter erinnern sich an Streiche von früher nach Art des Films "Die Feuerzangenbowle". Im wirklichen Leben gibt es solche Schülergags kaum noch. Eine Suche nach Ursachen. Von Bianca Mokwa

Spannung liegt in der Luft, gleich wird es soweit sein. Aber Thomas Auler kommt dem Begehren der Schülerschar nicht nach, sondern bleibt erst einmal stehen. Die Kinder halten den Atem an. Dann tut er es doch: Der Lehrer setzt sich genüsslich hin, und ein langgezogener Ton, der üblicherweise aus einem hinteren Körperorgan entweicht, ist zu hören. Die Klasse lacht: Der Streich mit dem Pupskissen hat funktioniert.

Auler, damals noch Lehrer an einer anderen Schule, mittlerweile Schulleiter der Katharinengrundschule in Straelen, hatte den Plan der Schüler durchschaut und dennoch mitgemacht. Allerdings werden Aprilscherze in Schulen immer weniger, stellt der Pädagoge fest. Noch in seiner Jugend war die Suche nach ausgefuchsten Streichen ein echter Sport. Er erinnert sich an seine Schulzeit. "Jeder aus der Klasse hat 50 Pfennig gegeben", erzählt er. Am Ende kamen zehn D-Mark zusammen, mit denen ein Eimer Maden gekauft wurde. Sie wurden fleißig mit Brotresten gefüttert, bis sie sich verpuppten. "Wir hatten eine Lehrerin, die war sehr ökologisch eingestellt", sagt Auler. Jede Fliege, jedes Insekt, das sich im Klassenraum verirrte, wurde nicht totgeschlagen, sondern das Fenster wurde geöffnet und dem Tier die Freiheit geschenkt. Der Eimer kam nach erfolgreicher Züchtung der Fliegen zum Einsatz. Der Deckel wurde geöffnet, und nach und nach kämpften sich die rund 2500 Fliegen ans Licht. Das Fenster wurde oft geöffnet, die Schulstunde war dahin. "Noch wochenlang sind Schmeißfliegen durch die Flure geflogen", sagt der Schulleiter lachend und wird nachdenklich. Heute würden solche Streiche vielleicht auch nicht mehr gemacht, weil man rechtlich belangt werden könne. Damals mussten die Schüler zur Strafe einfach Flure schrubben.

#AprilApril: So scherzt das Netz am 1. April

Heike Hoßbach, Schulleiterin des Städtischen Gymnasiums Straelen hat mehrere Erklärungsansätze, warum der Aprilscherz und Streiche wie im Film "Die Feuerzangenbowle" heute kaum mehr zu finden sind. Vielleicht liege es am veränderten Verhältnis Schüler zu Lehrer. Das sei heute eher freundschaftlich bestimmt und nicht so hierarchisch wie früher. Auf der anderen Seite wollen es sich die Schüler vielleicht auch nicht mit ihren Lehrern verderben und lassen es lieber mit dem Scherzen, sinniert die Schulleiterin.

Obwohl - ein Aprilscherz, den ihr eine Klasse (keine Straelener!) gespielt hat, ist ihr bestens in Erinnerung geblieben. Die Schüler hatten sich im Klassenraum eingeschlossen und verhielten sich mucksmäuschenstill, so dass Heike Hoßbach ins Zweifeln geriet, ob sie richtig sei. Sie ging zurück zum Stundenplan und als sie wieder zurückkehrte, saßen die Schüler auf ihren Plätzen und erwarteten die Pädagogin schon. Das Gelächter war groß, und Hoßbach lobt Diszipliniertheit und Zusammenhalt der Klasse. Ein Gespräch mit den Kollegen ergab aber auch beim Gymnasium: "Richtige Streiche zum 1. April gibt es wirklich wenige", sagt die Schulleiterin. Nicht nur in der Schule.

Einen Klassiker hat Michael Schwär, Leiter der Sekundarschule Straelen-Wachtendonk, parat. Passiert ist die Geschichte nicht in Straelen, hätte sie aber. Ein Schüler wurde mit der Bitte zum Hausmeister geschickt, eine Fußleistenleiter zu holen. Als der Hausmeister verneinte, wurde der Schüler zum nächsten Hausmeister geschickt, der ihn bat, genau darüber nachzudenken, was er da holen sollte.

In diesem Jahr müssen aber weder Schüler noch Lehrer fürchten, in den April geschickt zu werden. Denn es sind Osterferien.

Quelle: RP
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