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Geldern
Weniger Flüchtlinge - Hilfe geht weiter

Geldern: Weniger Flüchtlinge - Hilfe geht weiter
Vor der Notunterkunft im alten Finanzamt stecken die Gelderner Flüchtlingskoordinatorin Melanie Lattek sowie Peter Schönrock und Einrichtungsleiter Christoph Beunen von der Integra die Köpfe zusammen. FOTO: Seybert
Geldern. Seit Anfang des Jahres kommen viel weniger Asylsuchende nach Geldern. Das könnte sich aber wieder ändern. Von den Ehrenamtlern, die zur Hilfe kamen, als große Not am Mann war, sind nur wenige wieder abgesprungen. Von Sina Zehrfeld

Erst hieß es in der Notunterkunft im alten Finanzamt: Es kommen jetzt wieder 200 Flüchtlinge. Am Ankunftstag stellte sich heraus: Es waren nur 72. Die waren irgendwie über Dortmund aus Bayern hergebracht worden. "Und 50 Prozent davon waren Tschetschenen, also aus der russischen Föderation. Die waren vorher noch gar nicht hier aufgetaucht", konstatiert Peter Schönrock von der Integra, die die Notunterkunft betreut. Im vergangenen Jahr, fügt Agnes Paassen-Hoenzelaers, Beigeordnete der Stadt Geldern, erklärend hinzu, "hatten wir 85 Prozent Syrer".

Kurz gesagt: Wie viele Schutzsuchende wann und woher derzeit in Geldern ankommen, das ist nach wie vor täglich aufs Neue unwägbar. Klar ist nur: Im Vergleich zu den Hoch-Zeiten der Flüchtlingskrise in 2015 sind es viel weniger.

Die Notunterkunft im alten Finanzamt, in der die Menschen immer nur für ein paar Wochen bleiben, war seit Anfang des Jahres nicht mehr richtig voll. Ebenso ist es bei den Asylsuchenden, die Geldern "zugewiesen" werden, um auf Dauer in der Stadt zu bleiben.

In vielen Kommunen werden Projekte für Flüchtlinge auf Eis gelegt, Bauvorhaben erstmal gestoppt. Und für die Ehrenamtler, von denen einst noch jede Hand dringend gebraucht war, gibt es jetzt weniger zu tun. Man müsse aber nicht befürchten, dass deshalb die Hilfsbereitschaft einbricht, versichern die "Hauptamtlichen" in der Flüchtlingsarbeit: Die Motivation zu helfen sei immer noch da.

"Natürlich machen die Ehrenamtler weniger", sagt Peter Schönrock von der Notunterkunft. "Aber sie kommen trotzdem noch, machen weiter Kinderbetreuung oder Sprachförderung oder arbeiten in der Kleiderkammer - jetzt eben nicht mehr jeden Tag, sondern zwei Mal in der Woche eine Stunde oder so." Etwa zwei Dutzend Ehrenamtler gehören derzeit zum Team der regelmäßig Engagierten.

"Im Großen und Ganzen ist die Bereitschaft zum Engagement sehr hoch", bestätigt auch Valentina Janzen. "Ein ganz großer Teil engagiert sich immer noch." Janzen ist Ehrenamtskoordinatorein bei der Caritas und kümmert sich stadtweit um die Helfer. Es gebe nur Einzelne, die sich zurückgezogen hätten, weil sie sich weniger gebraucht fühlen. Natürlich gebe es auch weniger neue Ehrenamtliche - der große Ansturm ist erst mal vorbei. Aber es gebe alle Voraussetzungen, um das wieder zu ändern, wenn es nötig wird. "Wenn jetzt wieder viele Flüchtlinge kommen, gibt es die Strukturen schon, die wir letztes Jahr etabliert haben", erklärt sie. Die Zusammenarbeit mit Behörden, privaten Helfern, anderen Stellen zum Beispiel. Ehrenamtler würden auch nach wie vor laufend weitergebildet.

Zudem hätten viele nun "Bildungspatenschaften übernommen", andere wurden sogenannte "Integrationslotsen" oder bleiben einfach im Kontakt mit Flüchtlingen und helfen, wenn nötig. Das bestätigt auch die Flüchtlingskoordinatorin der Stadt, Melanie Latteck.

Die meisten Zuweisungen Asylsuchender, die länger in Geldern bleiben sollten, gab es im Spätsommer und Herbst 2015. Im September waren es beispielsweise noch 53. Dann wurde die Notunterkunft im alten Finanzamt eröffnet, und die Zahlen gingen promt herunter, denn die Ankommenden wurden und werden auf das Gelderner Kontingent angerechnet. Im Januar erhielt Geldern noch acht Zuweisungen, im Februar zwölf, im März fünf.

Das alte Finanzamt ist erstmal bis zum 30. September durch das Land "gebucht". Wie es danach weitergeht: Keiner weiß es. Es gebe keine "Signale" in irgendeine Richtung, erklärt die Stadt.

Quelle: RP
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