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Gelderland
Wenn das Evangelium den Beruf prägt

Gelderland: Wenn das Evangelium den Beruf prägt
Um mehr als Schuhe geht es Monika van de Loo beim Gespräch mit Kunden. FOTO: Gerhard Seybert
Gelderland. Gibt es einen Unterschied, wenn der Glaube im Alltag gelebt wird? Was verändert sich? Drei Christen erzählen über ihre Arbeit als Maler- und Lackierermeister, als Leiterin eines Schuhgeschäfts und als Grundschullehrerin. Von Bianca Mokwa

Wenn Wolfgang Koebcke mit seinem Firmenauto angebraust kommt, ist eines schon einmal anders als bei Kollegen. Statt der Adresse steht auf seiner Autotür ein Bibelvers. "Euer Herz erschrecke nicht, glaubt an Gott und glaubt an mich" ist dort zu lesen.

Der Vers stammt aus dem Johannesevangelium, Kapitel 14 Vers 1. "Manche halten das für einen Werbespruch", sagt der Maler- und Lackierermeister und lächelt. Es ist aber kein Werbespruch, sondern seine Lebenseinstellung. Das wirkt sich auch konkret aus. Die Mehrwertsteuer wird auf der Rechnung ausgewiesen, zwischen privatem und geschäftlichem Auto wird bei der Steuererklärung strikt getrennt. Er habe einmal zu einem Kunden gesagt, er sei "ziemlich ehrlich". Dabei habe er gemerkt, dass "ziemlich ehrlich ziemlich blöd ist". Dann lieber ganz ehrlich. "Betuppen geht nicht mehr", sagt Koebcke.

Maler- und Lackierermeister Wolfgang Koebcke freut sich auf die Wohnung Jesu. FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)

"Seitdem ich mich vor zwölf Jahren bewusst für Christus entschieden habe, zählt nur noch das, was wirklich ist", lautet seine Devise. Eines stellt er aber auch gleich klar. "Ich bin nicht besser als Nicht-Gläubige. Christen sind nicht besser als Nicht-Christen." Aber irgendwie ist deren Leben doch anders. Zum Beispiel die Gespräche, die er mit den Kunden führt. Dabei geht es nicht immer nur um den richtigen Farbton. Der Sinn des Lebens, das sei schon ein ganz großes Thema. "Es ist halt unser Auftrag das Evangelium zu verkünden", sagt Koebcke, der dann von seiner Sicht der Dinge erzählt. Der Umgang mit den Kunden habe sich geändert, seitdem er vor zwölf Jahren Christ geworden ist. "Vielen Dank für Ihr Vertrauen" , sagt er nach einem Auftrag und schüttelt dabei dem Kunden die Hand. "Früher war das eine Floskel, heute meine ich das ernst", sagt Koebcke.

Helga Hess aus Kevelaer unterrichtet an der katholischen Bekenntnisschule in Uedem. FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)

Auch als christlicher Maler ist aber nicht alles rosarot. "Es gibt Existenzängste", sagt der 47-jährige Familienvater. Normal für einen Selbstständigen. Aber seit er Christ ist, habe sich das "echt gelegt". Die Prioritäten seien anders. Ruhezeiten könne er akzeptieren. Außerdem habe er die Erfahrung gemacht, dass Gott für ihn sorgt. Statt nach Reichtum strebt er nach dem ewigen Leben. Wieder zitiert er aus dem Johannesevangelium, ebenfalls Kapitel 14, diesmal Vers 2. Dort steht etwas darüber, dass Jesus für seine Leute eine Wohnung bauen wird. "Die Wohnung ist besser gestaltet als diejenige, die ich jetzt habe", ist Koebcke überzeugt. "Die hat garantiert einen Farbton, den ich nie mischen könnte", sagt er lachend.

Auch Helga Hess hält mit ihrem Christsein "nicht hinter dem Berg". So drückt es die 59-jährige Grundschullehrerin aus. Sie arbeitet an der katholischen Bekenntnisschule in Uedem. "Unsere Schule hat sich bewusst für christliche Werte entschieden", sagt die Lehrerin. Es sind die Kleinigkeiten, die den Alltag ausmachen. "Meine Triebfeder ist, dass Gott mich liebt", lautet das Motto der Kevelaererin. Etwas von dieser Liebe will sie nach außen tragen.

Das bedeutet für sie zum Beispiel, ihrem Gegenüber gerne einmal ein Kompliment zu machen, Konflikte nicht hinter dem Rücken auszutragen, sondern Probleme direkt anzusprechen. Im Religionsunterricht erzählt sie den Kindern, dass Gott sie liebt. Nächstenliebe wird ganz praktisch, weil die Schule ein Kinderheim in Afrika unterstützt. "Von dem, was wir haben, etwas abgeben und dankbar sein für die Dinge, die wir haben", nennt sie den Lerneffekt. Sie glaubt, dass Christsein im Alltag einen Unterschied macht: "Wie willst du die Welt verändern, wenn du nicht anders bist?"

Die Auswirkung hat Monika van de Loo schon erlebt. Die Filialleiterin von Schuh Okay in Geldern betet jeden Morgen für ihre Mitarbeiter. "Ich habe gemerkt: Beten hilft!", sagt die Kevelaererin. Der Bezirksleiter hat ihr mal gesagt: "Wenn man reinkommt, ist die Atmosphäre eine andere." Gemeint war das positiv.

Bei Monika van de Loo ist der Kunde nicht nur zum Schuhekaufen da. "Ich höre den Menschen zu", sagt sie. Welche Auswirkungen das hat, weiß sie nicht, aber viele geben ihr nach dem Gespräch die Hand, bedanken sich, kommen wieder. "Ich finde, dass wir uns als Christen outen sollten", sagt sie. "Wir versuchen, es oft allen Leuten recht zu machen, unser Christsein nicht so laut zu verkünden", stellt sie fest. "Man geniert sich manchmal, das ist blöd." Licht und Salz, das sollen Christen sein, fügt Helga Hess an.

Quelle: RP
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