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Christian Olding
Wenn Gott im Alltag mitmischt

Christian Olding: Wenn Gott im Alltag mitmischt
Christian Olding an einem typischen Ort des Alltags. Sein Alltagsbegleiter soll Mut machen, Gott im persönlichen Leben zu entdecken. FOTO: Thomas Binn
Geldern. Der Gelderner Kaplan hat einen Alltagsbegleiter zum Thema Glauben konzipiert. Die erste Ausgabe ist vergriffen, die nächste folgt in Kürze. Ziel ist es, die Menschen für die Bibel zu begeistern. Das könne lebensverändernd sein, meint Olding.

Was hat Gott mit meinem Alltag zu tun?

Christian Olding (lacht) Alles.

Warum?

Olding Ich bin der festen Überzeugung, dass der Mensch kein Zufallsprodukt ist, sondern Gott ihn in dieser Welt haben will. Das bedeutet auch, dass Gott vom Gang zur Toilette bis zum Gang zur Supermarktkasse dabei ist.

Woran merkt man das?

Olding Bei der Sockenfrage am Morgen muss ich nicht Gott zu Rate ziehen, aber es macht einen Unterschied, ob ich das, was ich tue, alles nur von mir und meiner begrenzten Kraft abhängig mache. Gott verspricht, er gibt Kraft und Durchhaltevermögen, wenn ich an meine Grenzen komme.

Was sind das für Grenzen? Betrifft die Zusage nur Arme, Schwache, Depressive? Seine Grenzen gibt ja keiner so gerne zu.

Olding Ich kann von meinen eigenen Grenzen etwas sagen. Als ich als Diakon mit 26 Jahren das erste Mal zu einem Trauergespräch ging, zu einer Dame, die 45 Jahre lang mit ihrem Mann verheiratet war und ihn nun verloren hatte, das war so eine Grenze. Ich dachte: "Wer bin ich, dass ich der was zu sagen habe?"

Wie ist die Geschichte mit der Dame weitergegangen?

Olding Ich weiß, dass ich nachher noch öfters bei ihr zum Kaffee eingeladen wurde.

Was ist die Essenz? Wie hat Gott da konkret geholfen?

Olding Bevor ich an die Tür gegangen bin und bei der Frau geklingelt habe, habe ich Gott gebeten: "Hilf' mir, dass ich den Leuten eine Hilfe sein kann." Das gibt eine ganz andere Perspektive. Es bewahrt vor dummen und belanglosen Floskeln, wenn ich nicht aus meiner Kraft heraus handeln muss.

Ein Heft voller Ideen bietet das von Ihnen konzipierte "Eine Frage des Stils - Experience Life (Experiment Leben"). Das soll im Alltag unterstützen. Warum braucht man das Heft denn?

Olding Weil ich glaube, dass wir in einer Zeit leben, in der eher ein Ken- Follett-Roman in die Hand genommen wird als die Bibel. Dabei ist die gewichtiger und inhaltsschwerer als ein Ken-Follett-Roman.

Worum geht es beim Alltagsbegleiter?

Olding Der Alltagsbegleiter soll eine Hilfe sein, ein Brückenschlag zur Bibel, um zu entdecken, welches Potenzial in der Bibel steckt. Ohne Bibel droht die Gefahr, dass zwischen Gott und der Wunschfee keine großen Unterschiede mehr bestehen.

Wie hilft der Alltagbegleiter?

Olding Er macht klar, was mir die Bibel zuspricht. Das große Ziel ist natürlich, Gott zu glauben, dass er mich will und mich auch in seinem Dienst haben will, seine gute Botschaft zu verbreiten.

Das klingt nach Arbeit?

Olding Nee, wenn ich das erst einmal verstanden habe, dass Gott mich persönlich meint, dann geht der Rest von selbst. Gott ruft mich und sagt mir, was ich bin und was ich kann. Die Reaktion darauf ist, es weiterzuerzählen. Wenn's ihnen keiner sagt, woher sollen die Leute es wissen? Was wäre das für eine geile Welt, in der das umgesetzt würde.

Von Gott zu reden ist also nicht nur Aufgabe der Priester?

Olding Nein, definitiv nicht. Das darf es nicht und kann es nicht sein. Mit der Taufe sind alle Gläubigen Priester, das ist ein Ruf, der an alle geht.

Der Begleiter ist wie aufgebaut?

Olding Es ist keine theologische Abhandlung, es stehen Bibelstellen drin, die in einen konkreten Alltagsbezug gebracht werden, und es wird jeweils eine Aufgabe gestellt, mal ernst, mal mit einem Augenzwinkern.

Zum Beispiel?

Olding Zum Beispiel, dass der Leser sich die Bibelstelle 2. Timotheus 3, 16 und 17, in das Smartphone einspeichert, als Post an den Kühlschrank pappt oder abschreibt und über das Bett hängt und immer wieder zur Erinnerung darauf schaut.

Was steht denn da?

Olding (grinst) Da muss man die Bibel schon mal selber aufschlagen.

Wenn alle 40 Seiten gelesen sind, was soll dann passieren?

Olding Ich hoffe, dass die Leser danach eine Reise durch die Bibel machen. Man muss sich nicht wundern, wenn man die Bibel nur mal eben mittendrin aufschlägt und nix kapiert. Das funktioniert bei keinem Buch. Es wäre ein guter Anfang, wenn man ein Evangelium von vorne bis hinten liest.

Und dann?

Olding Wer in der Bibel liest, der kann Gott noch besser kennen lernen und im Alltag feststellen, wo Gott ist, und eine Ahnung von dem bekommen, was wir meinen, wenn wir Gott sagen.

DIE FRAGEN STELLTE BIANCA MOKWA..

Quelle: RP
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