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Straelen
Wie Straelener Sozialdemokraten leiden mussten

Straelen. Der verstorbene Bundespräsident Roman Herzog rief den 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus aus. Die Straelener Sozialdemokraten haben den Tag zum Anlass genommen, um an die Ereignisse in Straelen und im Landkreis Geldern zu erinnern.

In Straelen wurden schon im Jahr 1933 - kurz nach der Machtergreifung -, wie auch in anderen Städten des Gelderlandes Sozialdemokraten festgenommen und in die Justizvollzugsanstalt Kleve gebracht. Dort wurden sie in der Regel eingeschüchtert und nur mit Auflagen entlassen. Der Kassierer des 1929 gegründeten SPD-Ortsvereins Straelen, Johann Lampey, musste sich nach der Haft zweimal täglich bei der Polizeidienststelle im Rathaus melden. Seine Schutzhaft wurde begründet mit "führende Tätigkeit im Sinne des Marxismus". Noch im gleichen Jahr wurde die SPD im Deutschen Reich verboten.

Das katholische Zentrum, die führende Partei im Gelderland, kam einem Verbot dadurch zuvor, dass es sich unter dem Druck der Verhältnisse selbst auflöste. Die Straelener Zentrums-Vertreter, die die Mehrheit im Stadtrat stellten, waren in einer Sitzung vor die Alternative gestellt worden, entweder die "neue Bewegung" zu akzeptieren oder sich vor dem Richter wiederzufinden.

Am härtesten traf es das erste Straelener SPD-Stadtratsmitglied Paul Holla. Er wurde 1900 in Straelen geboren. 1929 zog er als erstes SPD-Mitglied in den Stadtrat ein. Er wurde mehrfach verhaftet. Zuletzt verbrachte er fast anderthalb Jahre im Konzentrationslager Esterwegen im Emsland. Von den Folgen schwer gezeichnet, kam er nach Straelen zurück und starb schon 1940 in einer Düsseldorfer Klinik. Paul Holla hat sein Eintreten für Freiheit und Demokratie teuer bezahlt. Seine Frau hielt die Familie über Wasser, nicht zuletzt dadurch, das Bürgermeister Bongartz sie in der Stadtverwaltung weiter beschäftigte.

Acht Namen aus den Mitgliedern der SPD nennt das Verzeichnis der "Schutzhäftlinge" im Kreisarchiv in Geldern für Straelen. Mit ihrem Gedenken will die SPD die Personen aus dem Vergessen holen: den Vorsitzenden des Ortsvereins Wilhelm Brink, Stadtratsmitglied Paul Holla sowie die Vorstandsmitglieder Heinrich Kessels, Paul Kuhn, Reinhard Kühntopf, Johann Lampey, Johann Nilkens und Johann Verbeek.

Quelle: RP
 
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