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Issum
Wind sorgt für Strom für ganz Issum

Issum: Wind sorgt für Strom für ganz Issum
Mit dem Notebook vor "ihren" Windrädern: Peter Schwengler (v. l.), Werner Soika und Alfred Soppe vom Vorstand der Bürgerenergie Issum. FOTO: Evers
Issum. Punktlandung für die Genossenschaft Bürgerenergie Issum. Im Vorster Feld zwischen Sevelen und Hartefeld drehen sich die vier Windräder. Eigentümer sind die 435 Mitglieder. Eine Stiftung soll soziale Projekte fördern. Von Dirk Möwius

"Das reicht, um einen Haushalt für ein ganzes Jahr mit Strom zu versorgen." Werner Soika zeigt seinen Vorstandskollegen der Genossenschaft Bürgerenergie Issum Peter Schwengler und Alfred Soppe die Anzeige auf seinem Notebook. Kräftig bläst der Wind übers Vorster Feld zwischen Sevelen und Hartefeld und treibt drei der vier neuen Windräder an.

Die Genossenschaft hat ihr großes Ziel erreicht: Die Anlagen stehen, der Strom fließt in erwarteter Größenordnung über das neu gebaute Umspannwerk ins Netz der RWE-Tochter Westnetz. 32 Millionen Kilowattstunden im Jahr sollen es sein, mehr als die Haushalte in Issum, Rheurdt und Hartfeld verbrauchen.

Am Ende war es eine Punktlandung: Das Ziel der Inbetriebnahme der Anlagen im ersten Quartal 2018 wurde erreicht. Werner Soika: "Unsere vier Anlagen im Vorster Feld erzeugen schadstofffreien wie auch klimaneutralen Strom, der den Verbrauch aller Issumer Haushalte um ein Mehrfaches übertrifft."

Eine wirkliche Pause gibt es für das Vorstandsteam nach der anstrengenden Bauphase aber noch nicht. In den nächsten Monaten sind noch einige Punkte abzuarbeiten. Zuerst werden die Anlagen, eine nach der anderen, einer umfangreichen, jeweils etwa eine Woche andauernden, Wartung unterworfen und dürfen sich dann tagsüber nicht drehen.

Mit dem Abschluss dieser Wartung ist die Inbetriebnahme abgeschlossen und die "sanften Riesen" gehen in die Verantwortung der Genossenschaft über. Peter Schwengler: "Danach erfolgt dann noch die Abnahme durch einen von uns beauftragten Gutachter, der sicherstellen wird, dass der vereinbarte Lieferumfang vorliegt und alle Arbeiten ordnungsgemäß ausgeführt worden sind." Der Verkauf des erzeugten Stroms erfolgt durch einen Direktvermarkter.

Da die erste Anlage schon im Februar ans Netz ging, hat die Genossenschaft auch schon erste Einnahmen erhalten. Alfred Soppe zeigt auf den Bagger. "Mit reichlich Mutterboden wird bis auf einen Zuweg, auf den Rasengittersteine kommen, wieder alles zurückgebaut und kann dann wieder landwirtschaftlich genutzt werden."

Die Mitglieder werden auf der am 14. Juni stattfindenden Generalversammlung über den gesamten Projektablauf umfassend informiert. 435 Mitglieder bilden die Anfang 2014 gegründete Genossenschaft. Das ist das Besondere an diesem Windpark: "Die Wertschöpfung kommt den Issumern zugute. Die Windräder gehören niemandem sonst: Wir bauen die selber, wir betreiben die selber, und keine andere Firma wird sich irgendwas von den Gewinnen abknapsen."

Mitglieder der Genossenschaft sind ausschließlich Privatleute aus der Nachbarschaft, keine Unternehmen. "80 Prozent unseres Genossenschaftskapitals kommt aus Issum", erläutert Werner Soika. Die übrigen Beteiligten sind Bürger der direkt angrenzenden Gemeinden. Die Gemeinde Issum wird von der Gewerbesteuer profitieren. Und 1,5 Prozent der Einnahmen sollen später für gute Zwecke ausgegeben werden. "Da wird eine unabhängige Stiftung gegründet, die soziale Projekte in großem Umfang fördern wird", so Soika.

Die vier Anlagen vom Typ Enercon E115 TES haben einen Rotordurchmesser von 115 Metern und eine Nabenhöhe von 135 Metern. Dafür, dass die Windräder relativ leise sind und das typische Windradgeräusch fehlt, sorgt eine besondere Technik. An den Flügeln wurde die erst seit kurzem verfügbare Technologie der "Serrations" eingesetzt. Das sind kleine, kammförmig am Blattende angeordnete Spitzen, die für eine bessere Verwirbelung und damit einen wesentlich leiseren Lauf der Anlagen sorgen.

Ob es noch weitere Windräder der Genossenschaft geben wird, ist noch unklar. Planungen für die Windvorrangzone "Issum/Kapellen" am Schnittpunkt der Gemeindegrenzen von Geldern, Sonsbeck und Issum würden vorangetrieben. Wenn es dort Planungsrecht gibt, wäre das Interesse der Genossenschaft vorhanden. Wobei dann die geänderten wirtschaftlichen Bedingungen zu berücksichtigen wären.

Quelle: RP
 
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