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Geldern
"Wissenschaft ist nur international denkbar"

Geldern: "Wissenschaft ist nur international denkbar"
Der Campus Kleve der Hochschule Rhein-Waal - internationales Zentrum unmittelbar neben der City der Kreisstadt. FOTO: Peter Graupner
Geldern. Die Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal, Heide Naderer, nimmt Stellung zur geplanten Einführung von Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer, die Hochschulen mit vielen Internationalen treffen würde. Von Matthias Grass

Die Hochschule Rhein-Waal (HSRW) ist wie kaum eine andere Hochschule in NRW international ausgerichtet. 75 Prozent ihrer Studiengänge werden in Englisch angeboten, 41 Prozent der über 6000 Studierenden in Kleve und Kamp-Lintfort kommen aus dem Nicht-EU-Ausland, vor allem in den Ingenieur- und Technik-Studiengängen. Das wurde bei Gründung der Schule 2009 landauf landab als gutes, zukunftsweisendes Konzept hoch gelobt. Doch jetzt plant die künftige CDU-FDP-Koalition in NRW Studiengebühren für Nicht-EU-Studierende, die bis zu 1500 Euro pro Student und Semester betragen sollen - ähnlich verfährt das grün-schwarz regierte Baden-Württemberg. Das könnte die HSRW ziemlich treffen.

"Die geplante Einführung von Studiengebühren für internationale Studierende aus Nicht-EU-Ländern wird sicherlich Auswirkungen auf die Hochschule Rhein-Waal haben - ob dies eher positiv oder negativ sein wird, hängt von vielen noch zu klärenden Faktoren in der Umsetzung dieses Vorhabens durch die neue Landesregierung ab", konstatierte gestern Dr. Heide Naderer, Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal.

Ungeklärt sei, so Naderer, ob die neue Regierung plane, wie in Baden-Württemberg Haushaltskürzungen im Wissenschaftsbereich mit der geplanten Einführung der Studiengebühren aufzufangen. "Falls in NRW keine Kürzungen im Wissenschaftsetat beabsichtigt sind, die alle Hochschulen treffen würden, dann muss es selbstverständlich sein, dass die Einnahmen der Studiengebühren der internationalen Studierenden auch den Hochschulen direkt zukommen, die durch eine bessere Betreuung und die Lehre in Englisch quantitativ und qualitativ anders belastet sind als eine Hochschule ohne internationale Ausrichtung und mit nur einer geringen Zahl von nicht-EU-Studierenden", fordert Naderer und verweist nochmals auf die hohe Anzahl ausländischer Studierender an den beiden Standorten der HSRW. Vor allem aber auf die Mehrarbeit, die mit dem innovativen Konzept der international aufgestellten Hochschule verbunden ist.

"Wenn die deutschen Hochschulen sich weiter internationalisieren wollen - und Wissenschaft ist und bleibt nur international denkbar und erfolgreich - dann müssen die Hochschulen auch weltweit alle Talente einladen können, in Deutschland zu studieren. Unabhängig von den Einkommen der Eltern", konstatiert die HSRW-Präsidentin. Es müsse selbstverständlich sein, dass bedürftige, aber begabte Studierende auch weiterhin für ein Studium an der HSRW oder anderen Hochschulen in NRW kommen können. Ähnlich war es auch bei den Koalitionsverhandlungen formuliert worden.

Doch dann käme auf die Hochschulen, die sich um diese Studierenden kümmern, nochmals zusätzliche Arbeit zu. Es fehle derzeit jedoch in NRW an einem funktionierenden Stipendiensystem, das soziale Kriterien vorrangig berücksichtigt, so Naderer. Auch fehlt eine systematische Möglichkeit in Deutschland, die soziale Bedürftigkeit der Studierenden aus dem Nicht-EU-Ausland belastbar und schnell zu prüfen, erklärt Naderer. Ob die generelle Kategorie "Herkunft aus einem Entwicklungsland" ausreiche, hier entsprechend zu differenzieren, sei nicht zu erwarten, sagt sie.

"Mit dem Aufwand der Information, Prüfung, Auswahl und Begleitung dieser noch zu etablierenden neuen Verfahren dürfen nicht die Hochschulen belastet werden, die sich um Weltoffenheit und eine internationale Wissenschaft bemühen und nunmehr durch einen neuen, enormen Verwaltungsaufwand in ihrem Handeln beschränkt werden", sagt Naderer. Und fügt ein Beispiel an: Die Hochschule Rhein-Waal hatte zum Wintersemester 2016/17 mehr als 12.000 Bewerbungen, davon 5700 Bewerbungen aus dem Nicht-EU-Ausland.

"Zudem bleibt Grundlage für ein lebendiges Wissenschaftssystem, dass Austausch und Kooperation über alle Grenzen möglich bleiben, so dass natürlich weder Austausch- noch Kooperationsabkommen mit ausländischen Hochschulen noch Doppel-, duale Abschlüsse betroffen sein können und dürfen", konstatiert Naderer.

Der "Bestandsschutz" für die derzeit eingeschriebenen Nicht-EU-Studierenden muss ebenfalls selbstverständlich sein, unterstreicht Naderer.

Quelle: RP
 
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