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Tina Teubner
"Witze über die Kirche mache ich nicht"

Geldern. Die Kabarettistin will in ihrem Programm die Menschen durchschütteln, auch vor lachen. Montag ist sie in Kevelaer.

KEVELAER "Bei einer Frau kein Wunder", geht unwillkürlich durch den Kopf, als Tina Teubner auch nach mehrmaligen Versuchen zum verabredeten Interview-Termin nicht ans Telefon geht. Kurze Zeit später ruft die Kabarettistin selbst zurück, die am Montag, 20. November, um 20 Uhr in der Begegnungsstätte Kevelaer auftritt. Die Verspätung ist ihr spürbar peinlich.

Typisch, könnte ich jetzt sagen. Frauen verspäten sich doch immer.

Tina Teubner Das ist mir wirklich unangenehm. Ich bin eigentlich überpünktlich, aber jetzt wurde ich tatsächlich aufgehalten. Tut mir leid.

Aber so ein Mann-Frau-Verspätungs-Ding wäre doch was für Ihr Programm?

Teubner Nein, auf keinen Fall. Das sind Dinge, die wären mir viel zu platt und profan. Am Ende geht es um die Liebe. Und die Frage, wie man es miteinander hinkriegt. Ich habe die Hoffnung, dass es auch Männer anspricht, denn ich mache mich nicht nur über Männer lustig, sondern vor allem über diese Ratgeberkultur. Wenn da ein Kind seinen Kopf auf den Tisch schlägt und die Mutter schnell in einem Buch nachschlägt, um nachzusehen, was sie jetzt machen soll.

Ihr Programm heißt aber "Männer brauchen Grenzen", auch das klingt nach Geschlechterkabarett.

Teubner Klar bediene ich so was. Etwa nach dem Motto: Die Frau spricht ein Problem an und denkt: Jetzt ist es aus der Welt. Der Mann dagegen denkt: Jetzt ist es in der Welt. Aber das ist nur der Einstieg, dann geht es um die wirklich wichtigen Themen.

Nämlich?

Teubner Es geht mir vor allem um die Frage, warum man in diesen Trott verfällt. Nichts ist schlimmer als diese Erstarrung. Ich gehe der Frage nach, warum es so schwer ist, den Zauber des Anfangs zu erhalten. Es geht da nicht nur um die Liebe. Auch um die erste Wohnung, um den Beruf. Die Ansprüche wachsen im Laufe der Zeit.

Das klingt sehr ernst.

Teubner Es ist eben die Kunst, das so zu verbinden, dass es heiter wird.

Kevelaer ist eine Stadt, die sehr von der Kirche geprägt ist. Werden Sie darauf in Ihrem Programm Rücksicht nehmen?

Teubner Generell ist es bei mir so, dass ich versuche, das Programm so gut zu schreiben, dass ich improvisieren und auf besondere Umstände eingehen kann. Wichtig ist dann immer, wie die Besucher sich an dem Abend verhalten. Und tatsächlich kenne ich Kevelaer gut und habe selbst auch eine christliche Prägung. Das gewisse christliche Gedankengut hilft mir manchmal im Alltag. Witze über die Kirche mache ich nicht, weil ich gewissermaßen auch Teil des Systems bin. Schließlich profitiere ich auch von Einrichtungen kirchlicher Träger. Dass an der Spitze dann eben teilweise Stinkstiefel stehen, spielt für mich keine Rolle. Ich kenne an der Basis ganz tolle Menschen.

Welche Schlagzeile würden Sie nach Ihrem Auftritt denn am liebsten lesen?

Teubner Oh, das ist nicht einfach. Vielleicht: Leute durchgeschüttelt vor Lachen - und bewegt.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE SEBASTIAN LATZEL.

Quelle: RP
 
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