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Geldern
Wo Kunst dem Himmel entgegen strebt

Geldern: Wo Kunst dem Himmel entgegen strebt
Die Lichtinstallation "Phönix" war eines der Kunstwerke im Petrusheim. FOTO: Markus van Offern
Geldern. Drei beeindruckende Installationen im Petrusheim Weeze. Dazu gab es noch ein weiteres Programm rund um die anrührenden Kunstwerke. Die zum Nachdenken einladenden Arbeiten behandelten verschiedene Themen. Von Christoph Kellerbach

Niemand ist unsterblich. Deshalb ist es nur zu verständlich darüber nachzudenken, was vielleicht auf der anderen Seite der Existenz wartet. Doch nicht nur das, auch während des Lebens gibt es immer wieder Situationen, in denen man über die eigene Existenz reflektiert. Entweder, um gewahr zu werden, was man verloren, oder um zu verstehen, was man alles hat.

Eine sinnliche Bestandsaufnahme des Seins präsentierte die Ausstellung "Dem Himmel entgegen", die im Petrusheim eröffnet wurde, passend zu Allerheiligen. "Diesem Thema haben sich unter der künstlerischen Anleitung unserer Mitarbeiterin Minoka von Bernuth Männer und Frauen in unseren Einrichtungen Spectrum in Aachen und Petrusheim in Weeze angenommen. Sie haben darüber nachgedacht, wie, wann und wo man diesen Traum 'dem Himmel entgegen' darstellen kann", führte Gerold König aus, Vorsitzender des das Petrusheim leitenden Rheinischen Vereins. Nach seiner Ansprache hielt Professor Thomas Schädel von der Universität Duisburg noch einen Vortrag, der sich mit der existenziellen Sinnsuche innerhalb der Kunst beschäftigte.

Das Packendste war dann jedoch die Realität: Rund 15 Leute arbeiteten gemeinsam an der Erschaffung von drei Installationen. Die erste auf dem Friedhof des Petrusheims beschäftigte sich mit der Erinnerung an die verstorbenen Menschen. Blaue Leuchtdioden steckten überall im Boden und offenbarten während des Nachmittags und besonders bei Einbruch der Nacht in Kombination mit den roten Grableuchten ein warmes, beruhigendes Farbenmeer. Dabei waren die Namen von 375 Personen aus dem Sterbebuch des Petrusheims zu hören. In Kombination mit diesen wirkten die Lichtpunkte auf dem Friedhof wie die künstlerische Interpretation der Seele. Ein kleines, aber stetiges Leuchten, das kraftvoll die Nacht durchbricht und auch am Tage danach nicht verloschen ist.

In Richtung des Heims auf einer großen Rasenfläche standen derweil 375 weiße, rote und grüne Marienstatuen in stiller Eintracht. Sie wirkten so, als würden sie "eine Landebahnbefeuerung" darstellen: "Dem Himmel entgegen'", so König. Er erklärte weiter, dass die bei beiden Installationen verwendete Zahl "direkten Bezug auf die Nähe zum benachbarten Wallfahrtsort Kevelaer nimmt. Dort wird im kommenden Jahr das 375. Jubiläumsfest der Erscheinung Mariens gefeiert".

Am meisten zum Nachdenken regte das letzte Kunstwerk an. Dieses stand während des Präsentationszeitraums am Dienstag und Mittwoch in der Kirche des Petrusheims. Es war ein Phönix, der rot schimmernd angeleuchtet seine Flügel zum Himmel streckt. Ein Phönix, der fast zur Gänze aus in Streifen geschnittenen Tabletten-Blistern zusammengesetzt war. "Sie symbolisieren, wie wir am Leben hängen, wie sehr wir uns nach dem Himmel sehnen und dennoch krampfhaft festhalten wollen am Leben. Wir legen unser Leben in die Hände von Technik und Pharmazie und streben dennoch dem Himmel entgehen", meinte Gerold König. Doch das faszinierende Kunstwerk ließ in seiner packenden Intensität auch andere Interpretationen zu. Denn nach dem Erinnern an die Toten und den Signalen an den Himmel selbst war nun dieser Phönix, dieses aus seiner Asche aufsteigende Fabeltier, der menschlichste und berührendste Teil der Ausstellung.

Quelle: RP
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