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Geldern
"Wunderland" hat Jobs auch für Senioren

Geldern: "Wunderland" hat Jobs auch für Senioren
Am Kinderkarussell (von links): Harald Franken und Michael Bautz mit Mika (drei Jahre alt). FOTO: Gottfried Evers
Geldern. Als Aushilfe im Kalkarer Freizeitpark zu arbeiten bringt nicht nur Studenten willkommene 450 Euro. Sehr viele Rentner betreuen die Karussells und genießen zweimal in der Woche die Abwechslung. Von Anja Settnik

Eigentlich könnte Michael Bautz längst seinen Ruhestand genießen. Der ehemalige EDV-Techniker ist schließlich 67 Jahre alt, hat also längst "die Rente durch". Aber der Vorruhestand war nichts für ihn. "Mir ist da die Decke auf den Kopf gefallen. Auch meine Frau fand es besser, wenn ich mir eine Beschäftigung suche - das hab' ich dann gemacht." Bautz, der in Wissel lebt, musste nicht lange suchen, schließlich liegt das "Wunderland" ganz in der Nähe. Für den Freizeitpark werden immer wieder Mitarbeiter und Aushilfen gesucht. Bautz ist dort keinesfalls der einzige Mitarbeiter im Rentenalter.

10 kühle Freizeittipps für die Region FOTO: dpa, kjh sab

"Wir haben unter den Festangestellten eine Reihe Älterer und noch viel mehr unter den Aushilfen", erzählt Geschäftsführer Han Groot-Obbink. Neben den Studenten seien es vorwiegend Senioren, die zum Stundenlohn von 8,69 Euro dafür sorgen, dass Achterbahn, Riesenrad und all' die anderen Karussells ordnungsgemäß in Betrieb sind. Insgesamt etwa 30 Ältere stehen auf der Honorarliste. "Sie arbeiten meist an zwei Tagen in der Woche und verdienen bis zu 450 Euro", erklärt Marcus Woll, der Leiter des Familienparks. 450 Euro - das ist die Minijob-Grenze, bis zu der jeder hinzuverdienen darf. Fast alle kämen aber weniger wegen des Geldes, als vielmehr wegen der Abwechslung vom Alltag.

"Das stimmt", bestätigt Henny Rupp, die fünf Jahre Altersteilzeit hinter sich hat. Die ehemalige Sparkassen-Angestellte trägt heute Polo-Shirt und Wunderland-Regenjacke mit ebensoviel Stil wie einst ihr Bank-Outfit. Und hat mindestens ebenso viel Spaß dabei. "Es ist toll hier, ich kriege viel frische Luft, bin mit netten Gästen und lieben Kollegen zusammen, der Alltag hat eine Struktur, ich langweile mich nicht." Besonders gerne arbeite sie an den Fahrgeschäften, die für die Kleinsten gedacht sind. Aber auch diejenigen, die mit über 1,20 Meter Größe auf die rasanteren Karussells dürfen (was streng kontrolliert wird), sind ihr lieb.

Das ist das Kernwasser-Wunderland in Kalkar FOTO: Stade, Klaus Dieter

Viele Aushilfen haben ihre neue Stelle beim jährlichen "Jobber-Day" kennengelernt. Nicht nur für den Freizeitpark, auch für die Kneipenmeile, die Hotels, die Systemgastronomie oder für die Messen wird Personal benötigt.

Einige der auf diese Weise gefundenen Mitarbeiter sind sogar mehrfach einsetzbar. Etwa Harald Franken, 65 Jahre alt, der früher als Fleischer gearbeitet hat. "Von März bis Oktober arbeite ich im Freizeitpark, in den Wintermonaten helfe ich in der Gastronomie", sagt er. Was ihm besonders gut gefällt, ist die "Austragsliste", in der jeder Mitarbeiter einträgt, wann er nicht eingesetzt werden möchte. In den allermeisten Fällen klappe das. Wenn also ein Familiengeburtstag oder ein Ausflug mit dem Kegelclub ansteht - kein Problem.

Henny Rupp aus Kleve und einige andere Senioren geben im Winter das Geld, das sie im restlichen Jahr verdienen, gleich wieder aus: "Ich mache sechs Wochen Langzeiturlaub in der Türkei. Andere Kollegen überwintern seit Jahren auf Gran Canaria." Wenn sie in die Sonne lächelt, denkt sie vermutlich an die vielen fröhlichen Momente, die sie an ihrem Ruheständler-Arbeitsplatz erfahren hat.

Was "Chef" Marcus Woll an den älteren Mitarbeitern besonders gefällt: "Sie können sehr gut mit Menschen umgehen und nehmen ihre Verantwortung ernst. Sie wissen, dass die Sicherheit der Gäste von ihnen abhängt."

Neue Mitarbeiter laufen in den ersten Tagen mit einer der erfahrenen Kräfte mit und lernen dabei viel. "Für die Älteren ist es eine Selbstverständlichkeit, immer freundlich zu bleiben, sie sind sich aber auch nicht zu schade, mal einen Mülleimer zu leeren oder ein Gerät abzuwischen." Manchmal lädt Woll seine Leute zum Feierabendbier auf die Terrasse ein und freut sich, wenn sie der Einladung folgen - sie haben ja Zeit.

Quelle: RP
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