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Geldern
Zehn Jahre Hilfe für junge Seelen

Geldern: Zehn Jahre Hilfe für junge Seelen
Mit Klinik-Atmosphäre hat die Gelderner Einrichtung der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Geesthof tatsächlich nicht viel zu tun. Die Psychologin Sophie Mujkanovic, die Einrichtungsleiterin Daniela Herold und Chefärztin Ursula Kirsch (v.l.) vor einem Spielzeug-Zoo im "Flur". FOTO: Markus van Offern
Geldern. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Geldern gibt es nun seit einer Dekade. Das Haus hat sein Angebot fortlaufend erweitert und tut dies weiterhin - nicht zuletzt, weil die Probleme junger Menschen vielfältiger werden. Von Sina Zehrfeld

Die Einrichtung am Geesthof ist ausgelastet. Immer. Die Wartelisten werden länger statt kürzer. Vielleicht, weil Kinder und Jugendliche heute tatsächlich stärker belastet sind als in früheren Generationen. "Leistung, Leistung, Leistung, du musst eben immer gut drauf sein", sagt Dr. Ursula Kirsch, Leiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Mutterhaus, der LVR-Klinik in Bedburg-Hau. Auf jeden Fall auch, weil Familien für Hilfen heute aufgeschlossener sind, erklärt sie weiter: "Die Schwelle, zum Kinderpsychologen zu gehen, ist viel niedriger geworden." Und nicht zuletzt werden Schwierigkeiten heute besser erkannt: "Früher gab es einfach mehr Unbehandeltes."

Auf jeden Fall aber wandeln sich die psychischen Belastungen junger Patienten. "Wir sind ein Spiegel der Gesellschaft", stellt Daniela Herold fest, Leiterin der Gelderner Einrichtung. Überbehütende Elternhäuser, in denen Kindern jedes Hindernis aus dem Weg geräumt wird, sind heute ein Problem. Ebenso wie viel zu viele Erwartungen und zu hoher Druck, beispielsweise zu schulischem Erfolg.

"Wir merken, wie der Druck immer mit dem Schuljahreswechsel zunimmt", führt die Psychologin Sophie Mujkanovic aus. "Das ist eine Wellenbewegung bei uns" - immer nach den Sommerferien. "14 Tage Schule, dann steppt bei uns der Bär", ergänzt Chefärztin Ursula Kirsch.

Sie erinnert an die Anfänge der Einrichtung am Geesthof, die seit ihrer Entstehung vor nun zehn Jahren stetig gewachsen ist. Zum Start im Jahr 2006 gab es eine Tagesklinik nur für Kinder im Grundschulalter, und in der Ambulanz arbeiteten gerade mal zwei Psychologinnen, nicht einmal in vollen Stellen. Heute gibt es zwölf Plätze in der Tagesklinik, sowohl für Kinder als auch für ältere Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr. Heute gehören zum Team mehrere Ärztinnen und Psychologinnen, aber auch eine Ergotherapeutin und eine Heilpädagogin.

Zur gegenwärtigen Entwicklung gehört eine immer stärkere Einbindung der Eltern und des Umfeldes der jungen Patienten in die Therapie. Außerdem baut das Haus die Behandlung von Kleinkindern aus. Dabei geht es vor allem darum, eine gesunde Bindung zwischen Eltern und Kind herzustellen.

"Es ist häufig so, dass Dinge schon im Kindergarten auffallen", erklärt Daniela Herold: Probleme mit dem Sozialverhalten oder in der Beziehung zu den Erwachsenen zum Beispiel. Immer wieder werden auch Kinderärzte oder Hebammen auf Probleme aufmerksam. "Je früher man anfängt zu therapieren, desto weniger tief sind die Narben", betont Ursula Kirsch.

Ansonsten treten Fehlentwicklungen später ohnehin in Erscheinung. "Im Jugendalter wird deutlich, wie die Bindung zwischen Kind und Eltern ist", so Sophie Mujkanovic. "Und da ist die Frage: Wie kann man früher ansetzen?"

Am kommenden Mittwoch begeht die Gelderner Einrichtung ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür. Dabei soll es vor allem um intensiven Austausch zwischen Mitarbeitern und Interessierten gehen. "Alle Kollegen, die hier arbeiten, stehen zur Verfügung", kündigt Mujkanovic an.

Quelle: RP
 
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