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Straelen
Zehn Jahre Kampf gegen Autobahnlärm

Straelen: Zehn Jahre Kampf gegen Autobahnlärm
Bernd Nowack (l.) und Heinz Kroll wünschen sich mehr Unterstützung in ihrem Kampf für Lärmschutz an der A 40. FOTO: Markus van Offern
Straelen. Heinz Kroll und Bernd Nowack bemühen sich weiterhin um Schutz gegen die Belastung durch den Verkehr auf der A 40. Die beiden Heronger wollen noch einmal die Dorfbewohner mobilisieren. Und sie warten auf Hilfe von der Stadt. Von Michael Klatt

Der Schriftverkehr ist immer umfangreicher geworden - und das Haar immer grauer. Seit mittlerweile zehn Jahren kämpfen Heinz Kroll und Bernd Nowack als Bürgerinitiative dafür, die Belastungen durch den Lärm von der Autobahn 40 in Herongen zu reduzieren. Noch einen Anlauf unternehmen die mittlerweile 75- beziehungsweise 65-Jährigen, um die Bemühungen doch noch zum Erfolg zu führen. Möglicherweise den letzten, wie Kroll im Gespräch andeutete.

In dieser Woche möchte er einen Aufruf in Heronger Geschäften auslegen, um die Bewohner noch einmal für das Problem zu sensibilisieren und zum Mitstreiten zu bewegen. "An mindestens zwölf Autobahn-Anliegerbereichen wird eindeutig und nachweisbar der gesetzlich zulässige Geräusch-Grenzwert überschritten", berichtet der 75-Jährige, dessen Haus 45 Meter von der Richtungsfahrbahn Venlo der A 40 entfernt steht. Und damit ist er noch nicht einmal der nächste Anwohner der Hauptverkehrsverbindung zwischen den Niederlanden und dem Ruhrgebiet.

Eine Frau lebt gerade knapp zehn Meter von den vorbeirasenden Autos entfernt, weitere Grundstücke liegen im Bereich bis zu rund 30 Metern. Darunter auch Teile des Campingplatzes "Eichenhain". Dessen Betreiber hatten im Vorfeld der Kommunalwahl 2014 einige Straelener Bürgermeisterkandidaten eingeladen, um auf den Autobahnlärm hinzuweisen. Von Gästen, die wegen der Belastung vorzeitig abreisten, wurde dabei berichtet. Ganz Herongen leide unter dem Lärm, stellte Ortsvorsteherin Annemarie Fleuth bei dem Besichtigungstermin fest.

Trotzdem stehen Kroll und Nowack in ihrem Kampf weitgehend alleine, trotz 200 gesammelter Unterschriften. Diese Zahl möchte Kroll mit seinem neuen Aufruf deutlich erhöhen. Er kann wie Nowack nicht verstehen, dass sogar offensichtlich geschäftsschädigende Einflüsse durch den Lärm andere nicht dazu bringen können, sich zu engagieren.

Bei ihren Kontakten mit Behörden und Politik drehen sich die beiden Männer bisher im Kreis. "Jeder verweist auf den anderen", resümiert Nowack.

Das Landesverkehrsministerium führt in seiner Antwort vom Oktober 2015 Stellungnahmen des Landesbetriebs Straßenbau von 2007, 2008, 2012 und 2015 an. "Wie Ihnen mitgeteilt wurde, besteht die Möglichkeit, einen formlosen Antrag auf die Bezuschussung von passiven Lärmschutzmaßnahmen (zum Beispiel Lärmschutzfenster, Lüftungsanlage) zu stellen." Doch Kroll und Nowack genügt kein passiver Schutz, sie wollen eine Lärmschutzwand an der Autobahn. Bundesministerin Barbara Hendricks, erinnert sich Kroll, habe bei einem Treffen von "Hausaufgaben der Stadt" gesprochen.

Die beiden Heronger hoffen darauf, dass die Verwaltung zumindest die demnächst womöglich gewachsene Zahl von Unterschriften weiterleitet, um der Forderung Nachdruck zu verleihen.

Bisher blieb eine Unterstützung aus dem Rathaus mangels gesetzlicher Grundlage aus. Bei einem Treffen im Dezember ist laut Kroll maximal eine allgemeine schriftliche Stellungnahme zur Lärmproblematik in Aussicht gestellt worden.

"Hanebüchener Quatsch" ist für Kroll die Tatsache, dass für die Bestimmung der Lärmbelastung keine Messwerte, erst recht nicht wie in seinem Fall durch Privatleute, zugelassen sind, sondern Berechnungen per Computer.

Nowack hat sich die Adresse eines Fachanwalts aus Moers geben lassen. "Man muss von einem Prozess ausgehen", sagt der 65-Jährige. Mit allen Kosten, die an den beiden Männern hängenblieben. Die Rechtsschutzversicherung zahle nichts.

Quelle: RP
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