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Geldern
Zeitzeugin Eva Weyl am Friedrich-Spee-Gymnasium Geldern

Geldern. Es ist still, als Eva Weyl beginnt von ihrer Kindheit zu erzählen. Sie ist eine der wenigen Überlebenden des Holocaust zur Zeit des Nationalsozialismus in Europa und tritt nun vor Schülern auf, um von ihren schrecklichen Erlebnissen zu berichten. So hört der Abiturjahrgang des Friedrich-Spee-Gymnasiums die Geschichte eines jüdischen Mädchens, das im Alter von sieben Jahren mit ihrer Familie in das Konzentrationslager Westerbork deportiert wurde. Von Sina Zehrfeld

Mit Hilfe von Bildern, eigenen Erinnerungen und Geschichten aus ihrem Leben nach dem Krieg kreiert Weyl eine bedrückend kalte Stimmung im Forum der Schule. Die Familie Weyl beschloss schon Anfang der 1930er Jahre aus Deutschland zu flüchten und im vermeintlich sicheren Arnheim ein neues Leben zu beginnen. Ihr Geschäft, ein Kaufhaus in Kleve wurde ihnen schon früh enteignet, so auch ihr Haus.

Die Bevölkerung sah weg, als Mitglieder der Schutzstaffel (SS) anfingen, antisemitisch und systematisch gegen die jüdische Bevölkerung vorging. Voller Angst um ihre Zukunft versuchte Evas Mutter, ihr letztes Hab und Gut, fünf Diamanten, in den Knöpfen ihrer unwissenden Tochter zu vernähen. Stolz zeigt Weyl nun diese Steine in einem Ring verarbeitet.

Detaillierte Schilderungen des Konzentrationslagers Westerbork versetzen die Schüler in eine andere Zeit. Das Lager Westerbork hatte eine Fläche von fünf Fußballfeldern. Die Inhaftierten wurden in großen und kleinen Baracken untergebracht. Einen Appellplatz, sowie eine Schule, ein Krankenhaus und eine Waschküche waren auch gegeben. "Alles trügerischer Schein", sagt Eva Weyl immer wieder, denn das Leben im KZ Westerbork war im Vergleich zu anderen Konzentrationslagern gesitteter. Es wurden keine Menschen ermordet, doch jeden Dienstag wurde ein Deportationszug nach Osten geschickt. Eva Weyl schaut jedem in die Augen, als sie davon erzählt wie ihr Leben durch pures Glück dreimal gerettet wurde.

Immer wieder leitet sie die Schüler an, wichtige Ereignisse der NS-Zeit zu googeln und sich zu informieren. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, dass die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Heute lebt Eva Weyl in Amsterdam, hat Kinder und Enkel. Sie gibt Führungen durch das KZ Westerbork, das nun zu einem Museum umgebaut wird.

Immer wieder wird sich im Unterricht mit dem Thema Holocaust und Nationalsozialismus auseinandergesetzt. Doch für die Schüler sei es schwer sich in die Situation zurückzuversetzen, berichten diese selbst. "Durch unsere Großeltern hören wir teilweise Geschichten von dem, was passiert ist. Für uns ist es unvorstellbar, dass so etwas tatsächlich geschehen ist, weshalb es noch wichtiger ist, von Zeitzeugen zu hören und daran erinnert zu werde, was nie wieder passieren darf."

Quelle: RP
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