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Gelderland
Zigarette im Freien ist längst der Alltag

Gelderland: Zigarette im Freien ist längst der Alltag
Bei geschlossenen Gesellschaften dürfen die Gäste drinnen rauchen. Aus Gewohnheit gehen sie oft trotzdem raus. Wie hier bei der Gaststätte "Zur Brille" in Geldern. Für viele Wirte ist das Nichtraucherschutzgesetz ein finanzieller Verlust. Umsätze und Kundschaft seien zurückgegangen. FOTO: Seybert
Gelderland. Heute ist Weltnichtrauchertag: Anlass bei Gaststätten nachzufragen, wie sich das Glimmstängelverbot auf den Betrieb ausgewirkt hat. Einige Kneipen haben geschlossen. Doch viele Gäste haben sich mit der Regelung arrangiert. Von Sina Zehrfeld, Michael Klatt und Sebastian Latzel

Das Zeter und Mordio war groß im Mai vor drei Jahren. Da trat das von der rot-grünen Landesregierung beschlossene Nichtraucherschutzgesetz in Kraft. Der Dehoga sagte ein massenhaftes Kneipensterben voraus. Wie sieht's jetzt aus? Das wollte die RP anlässlich des heutigen Weltnichtrauchertages von Gastwirten in der Region wissen.

"Unsere Kunden waren zuerst traurig, dass sie nicht mehr drinnen rauchen durften", erinnert sich eine Bedienung vom "Markt 3" in Straelen. Doch einen Rückgang habe es nicht gegeben, auch die Beschwerden darüber, dass die Geselligkeit leide, wenn vor der Tür geraucht wird, haben aufgehört. Der jungen Frau hinter der Theke geht es mit Rauchverbot "so gut wie vorher". Der Qualm habe sie nicht gestört. Wenn die Gaststätte voll sei, beim Stadtfest beispielsweise, sei die Luft im Gedränge so oder so schlecht.

Bernd Düngelhoef, Inhaber der Gaststätte "Zur Brille" in Geldern, ist mit dem Rauchverbot persönlich zufrieden, obwohl es ihm auf Dauer einen finanziellen Verlust beschert. Umsätze und Kundschaft seien zurückgegangen: "Nicht deutlich, aber man merkt es", beschreibt er. "Vorteil ist: Man braucht nicht mehr alle drei Jahre zu renovieren. Bei einer Renovierung ist man ja auch 2500 bis 3000 Euro quitt." Er selbst als Nichtraucher finde es auch angenehm, nicht im Rauch zu stehen. "Und bei den Gästen ist das gar kein Thema mehr", versichert er. "Bei geschlossenen Gesellschaften zum Beispiel, da dürften die Leute ja drinnen rauchen, aber die gehen trotzdem raus." Aus Gewohnheit und auch den Nichtrauchern zuliebe, die seien nämlich in der großen Überzahl. Allerdings, gibt Düngelhoef zu bedenken, hat er mit Hotelbetrieb und Kegelbahn auch mehrere Standbeine. In der klassischen Eckkneipe wären 70 bis 80 Euro weniger Umsatz pro Abend schnell fatal: "Wenn ich eine reine Schankwirtschaft hätte, hätte ich vielleicht schon zugemacht."

Kaum eine Änderung habe die Regelung für die Gaststätte "Gelder Dyck" in Kevelaer gebracht, erläutert Wirtin Raphaele Seifert. "Wir sind eher ein Restaurant, und die Gäste sind auch schon vor dem Rauchverbot rausgegangen, wenn sie sich eine Zigarette anzünden wollten", berichtet sie. Damit Raucher geschützt sind, ist im Innenhof ein Teil überdacht, so dass sie trocken stehen. Auch für eine Heizung ist gesorgt. Im Saal sei es ähnlich. "Ich habe den Eindruck, dass sich die Gäste längst damit arrangiert haben", meint Raphaele Seifert.

Ähnlich sieht das Frank Janßen, Angestellter der Gaststätte "Prinzenhof". "Ich habe nicht den Eindruck, dass nach dem Rauchverbot jetzt weniger Gäste zu uns kommen." Diese Befürchtung habe sich seiner Ansicht nach nicht bestätigt. "Die Leute haben sich damit abgefunden, dass sie eben draußen vor der Tür rauchen. Da wir viele junge Gäste haben, ist das für die auch gar kein Problem", sagt Janßen. Für Raucher gibt es vor der Gaststätte eine Markise. Dort stehen die Raucher dann geschützt. Eine Heizung gibt es allerdings nicht.

Dass sich Wirte und Raucher an die neue Situation gewöhnt haben, ist auch der Eindruck von Han Groot Obbink. Er ist Kreis-Vorsitzender des Deutschen Hotel und Gaststättenverbandes (Dehoga). "Sicher hat es seine Auswirkungen gehabt und auch zu einigen Problemen geführt, was man daran ablesen kann, dass es insgesamt weniger Kneipen gibt", sagt er. Aber mittlerweile habe sich die ganze Sache eingespeilt, meint er.

Das sieht Dehoga-Geschäftsführer Thomas Kolaric ähnlich. Am Rauchverbot alleine hat es nicht gelegen, dass eine Reihe von Kneipen dicht gemacht hat. Aber die neue Regelung hat sicher ihre Auswirkungen gehabt." Das Verbot sei in mancher Gastwirtschaft der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Betroffen seien ohnehin eher die klassischen Eckkneipen. Dort wo reiner Thekenbetrieb herrscht und zum Bier eben auch die Zigarette dazugehört. "Der Stachel über die Regelung sitzt bei den Wirten dort immer noch tief. Aber sie machen die Faust in der Tasche und haben sich mit der neuen Situation inzwischen abgefunden", sagt Kolaric. Klar sei aber, dass das Thema nach wie vor sehr emotional verankert sei.

Quelle: RP
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