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Geldern
Zoff um Bomben im Markt-Kunstwerk

Geldern: Zoff um Bomben im Markt-Kunstwerk
Das ist der heute vorliegende Entwurf für das Kunstwerk. Die Relief-Platte zeigt das "Alte Geldern", dreidimensional in Bronze nachgebildet. Seitlich liegen in Nischen im Sockel zwei Weltkriegs-Blindgänger. FOTO: Seybert
Geldern. Zwei Fliegerbomben in einer Skulptur, die das historische Bild des Gelderner Marktes zeigt - ist das informativ oder die "Ästhetisierung" von Mordmitteln? Politiker sind gegen die Pläne. Unterdessen fließen die Spenden für das Projekt. Von Sina Zehrfeld

Wenn es nach der Gelderner SPD geht, dann wird die Skulptur vom "Alten Geldern" in der Stadtmitte nach dem vorliegenden Design nicht verwirklicht. "Als ich den Entwurf beim Frühstück in der Zeitung sah, ist mir fast die Kaffeetasse aus der Hand gefallen", sagte Gabriele Fritz (SPD) als Vorsitzende in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses. Die Politik sei ja generell für die Aufstellung eines Kunstwerks, aber: "Ich habe für die Anschauung der historischen Innenstadt gestimmt, nicht für ein Bombenmahnmal."

Der Verein "Pro Markt" will wie berichtet ein dreidimensionales Bronze-Abbild vom Gelderner Markt vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg anfertigen lassen. In den Sockel unter der Relief-Platte sollen in Nischen zwei Blindgänger aus dem Krieg platziert werden.

Gabriele Fritz nannte den Entwurf ein "Bombenmahnmal". FOTO: SPD

Die Mordwerkzeuge seien dann eingebettet wie Reliquien in einen Altar, meint SPD-Fraktionschef Hejo Eicker. Eine "Mystifizierung und Ästhetisierung" finde statt: "Eine seltsame Faszination, die von solchen Bomben ausgeht, wird da zelebriert." Und nicht zuletzt werde die Geschichte verzerrt dargestellt. "In der Wahrnehmung kriegt das eine falsche Richtung: Die Amis und die Engländer haben unsere Stadt kaputt gemacht."

Eigentlich habe man die Erinnerung an die Bombardierung bei dem Projekt nicht im Mittelpunkt gesehen, ergänzte Parteifreundin Doris Keuck im Kulturausschuss. Ebenso Bernd Bernd Bianchi (Grüne): "Die mittelalterlichen Funde am Markt waren doch Teil dessen, was gezeigt werden soll. Zu Bomben hatten wir da keinen Bezug."

Hejo Eicker fürchtet ein verzerrtes Geschichtsbild. FOTO: spd/seyb

Heinz Bosch vom Verein "Pro Markt" will die Kritik nicht so einfach im Raum stehen lassen. Es gehe doch nicht um die Frage der Verantwortung für den Krieg, wenn man die Bomben zeige. "Es ist nur eine Feststellung, ein nüchterner Hinweis ohne jede Schuldzuweisung", sagt er. "Geldern ist nun mal von englischen und amerikanischen Bombern zerstört worden." Und auch Weltkriegsblindgänger seien historische Relikte.

Die Politik hat das Recht zu entscheiden, ob sie ein Kunstwerk in der Stadt will oder nicht. Sie kann die Gestaltung also mitbestimmen. Bosch stellt klar: "Wenn die Politik sagt, wir wollen das ohne Bomben, dann machen wir es ohne Bomben - auch, wenn wir es für falsch halten."

Findet die Kritik nicht begründet: Heinz Bosch von "Pro Markt". FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)

Die Finanzierung des Projektes scheint unterdessen gesichert: Jede Menge Spenden sind seit Bekanntwerden des Vorhabens eingegangen. Der Verein hatte bereits selbst 10.000 Euro zusammengebracht und muss noch mal etwa genau so viel an Spenden zusammenbekommen, um - so die Hoffnung - den Rest mit Mitteln aus dem Integrierten Handlungskonzept aufstocken zu können. "Man kann sagen, dass wir die Summe zusammenbekommen werden", stellt Heinz Bosch nun in Aussicht. Mehr noch: "Wir werden den benötigten Betrag sicherlich noch übertreffen."

Dass Spender sich beschweren könnten, wenn der einmal bekanntgemachte Entwurf für die Skulptur noch maßgeblich verändert werden sollte, hält er für reichlich spekulativ. "Die Hauptsache ist für uns ja das Relief", sagt er. Und das werde ja auf jeden Fall aufgestellt, ob mit oder ohne Bomben im Sockel.

Das letzte Wort in der Sache ist überdies noch nicht gesprochen. Der Verein "Pro Markt", Politik und Stadtverwaltung kamen überein, miteinander im Gespräch zu bleiben. Und aus den Reihen der CDU gab es schon verständnisvollere Töne. So gab Dr. Ralf G. Jahn zu bedenken, dass die Bombardierung für Zeitzeugen durchaus ein wichtiger Aspekt sein könne. "Wir haben das Ansinnen des Vereins bislang unterstützt und bleiben auch dabei", versprach er.

Bürgermeister Sven Kaiser betonte, es sei "eine gute Sache", dass Menschen sich für das Relief einsetzten. "Mir wäre allerdings lieber, die Bomben wären bei dieser Inszenierung weniger dominant."

Quelle: RP
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