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Issum
Zu Gast in der wunderbaren Welt des Tons

Issum: Zu Gast in der wunderbaren Welt des Tons
Ruth Bialucha, Verena Leber, Doris Friedrich, Margrit Reiner und Kirsten Höcker (v.l.) zeigen Keramik. Josef Odinius stellt auch Fotos aus. FOTO: Ostermann, Olaf (oo)
Issum. Die neue Ausstellung im Issumer His-Törchen beschäftigt sich mit bildender Kunst und Fotografie. Sie bietet viel Abwechslung. Von Bianca Mokwa

Eine Besucherin bleibt fasziniert vor einer der Vitrinen im His-Törchen stehen. "Das sieht so richtig alt aus, ganz toll", lautet ihre Einschätzung zu einem Krug, der dort steht. Was aussieht wie das Original aus einem Katalog für Ausgrabungsgegenstände aus der Zeit 3000 vor Christus hat Verena Leber mit erschaffen. "Ich schlage einen Bildband mit archäologischen Dingen auf und nehme das als Vorbild", erklärt sie. Gemeinsam mit sieben anderen Künstlern zeigt sie ihre Werke in Issums kleinem Museum.

Bei Verena Leber entstehen Werke, die niemals eins zu eins der alten Zeit entsprechen, die aber in ihrer harmonischen Form sehr ansprechend sind. Sie arbeitet nie allein vor sich hin, sondern ist von der Leidenschaft für den Werkstoff Ton von Margrit Reiner angesteckt worden. Während ihre Ehemänner Karl-Heinz Höpfner und Harald Rosner mit Sängerin Cara Coenen als Band "Autumn Indigo" im Keller proben, arbeiten die Frauen kreativ mit ihren Händen. Die Band spielte auch zur Ausstellungseröffnung am Sonntag mit jazzigen Tönen auf.

"Das Modellieren mit Ton ist das Herzensanliegen von uns allen, was uns zusammengeführt hat", betont Margrit Reiner. Aber auch, wenn es der gleiche Werkstoff ist, die Herangehensweise und die Produkte sind total unterschiedlich. Margrit Reiner stellt Gefäße, die auf den Bildern des italienischen Malers Giorgio Morandi zu sehen sind, als dreidimensionale Objekte her. Sie mag die meditative Art, die Einfachheit, mit der er die Gefäße in Beziehungen zueinander stellt. Ob ein Gefäß allein steht oder in einer Gruppe, andere überragt oder klein wirkt, da schwinge etwas mit, was alle angehe, weil sich die Ordnung der Objekte zueinander auf menschliche Beziehungen übertragen lasse. Ihr besonderer Blick auf die Menschen wird auch bei ihrem Werk "Haltestelle" deutlich. Aufgefallen sei ihr die leicht gebeugte Haltung, die Jugendliche annehmen, wenn sie, auf den Bus wartend, auf ihre Smartphones schauen.

Nicht ganz so naturgetreu sind die Werke von Kirsten Höcker. Die Giraffe hat einen etwas zu runden Bauch, die Ohren des Elefanten sind absichtlich etwas zu klein geraten, und der Torso einer fülligen Frau steht dem einer schmalen gegenüber. Sympathisch und auf eine Art fröhlich wirken ihre Werke aus Ton und stehen im Gegensatz zu ihren zart weißen, zerbrechlich anmutenden Porzellanarbeiten. Warum sie ausgerechnet Ton so fasziniert, da muss die Künstlerin und Goldschmiedin nicht lange überlegen. "Ton ist zwar weich, hat aber einen inneren Widerstand", beschreibt sie den Arbeitsprozess. Durch Bildtafeln, die erklären, wie Ton gebrannt wird und wie Werkzeuge zur Bearbeitung aussehen, wird der Besucher in den Schaffensprozess hineingenommen. Vielleicht kommt er damit auch hinter das Rätsel, warum die Schalen und anderen Kunstwerke von Ruth Bialucha einen mattschwarz schimmernden Glanz haben. Das Geheimnis liegt in speziellen Bränden.

Sehr naturalistisch wirkt die von Doris Friedrich aus Ton gefertigte Peperoni, auch wenn sie um einiges größer ist als die echte. Größer als in der Natur ist auch die Haselnuss, die Josef Odinius formte. Außerdem sind seine Fotografien zu sehen, die einen anderen Blick auf den Alltag werfen, etwa wenn eine Blüte an ein Gesicht erinnert. Tierische Motive wählte Petra Horst mit ihrer Ziegengruppe. Sie hat sich mit Tiergefäßen, die für kultische Zwecke genutzt wurden, auseinandergesetzt. Von der Galerie aus schauen dem Besucher zwei tönerne Nashörner von Petra Frieg beim Rundgang zu. Die Künstler lobten das His-Törchen und seine Mitarbeiter als "Kleinod der Großzügigkeit". Margrit Reiner sprach von einem "Schmuckstück, auch im übertragenen Sinn". Und so viel Gutes und die liebevolle Gestaltung kam auch bei den Besuchern an.

Quelle: RP
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