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Issum
Zuhörer in Issum begeistert von Wensierskis "verbotener Reise"

Issum. Der Autor und Journalist las in der evangelischen Gemeindebücherei aus seinem Roman. Abenteuerliche Flucht eines Paares aus der DDR. Trotz gesundheitlicher Probleme durchgehalten. Von Christoph Kellerbach

Einfach mal ausbrechen, einen anderen Weg einschlagen: Mit diesen Gedanken haben sicherlich schon die meisten einmal gespielt. Nicht viele werden es so stark durchgezogen haben wie Jens und Marie, die Mitte der 80er Jahre in der DDR Mittel und Wege gefunden haben, bis in die Mongolei zu reisen. Glücklicherweise hat Autor und Journalist Peter Wensierski ihre Erlebnisse aufgeschrieben und in das Buch "Die verbotene Reise - die Geschichte einer abenteuerlichen Flucht" verwandelt, das im März 2014 erschienen ist. Vermittelt von der Landeszentrale für politische Bildung, gab es nun die Möglichkeit, Geschichte und Autor in der evangelischen Gemeindebücherei hautnah zu erleben.

Jens und Marie lernten sich in der Dunkelkammer kennen und erlebten kurz darauf eine knapp viermonatige Reise, die ausgefüllt war mit Eindrücken, Erlebnissen und Unglaublichkeiten. Wenn etwa Jens sich selbst eine Einladung schickt, um einen Reisepass zu bekommen, oder auch nur erst einmal das Umfeld des damaligen Pärchens mit Punkbands und "offiziellen" Hausbesetzern erforscht wird, entfaltet "die verbotene Reise" bereits ihren sowohl anarchistischen als auch unendlich neugierigen Charme. Wenn Marie zum ersten Mal eine Fledermaus in der Hand hat oder mitten in der Nacht zum ersten Mal einem Uhu gegenüber steht, dann sind das Momente, die für sich genommen gar nicht so groß, aber eben doch so wichtig sind.

Das Erleben, das Über-Sich-Hinauswachsen und auch das Sich-Treiben-Lassen: Wensierskis methodisch aufgenommene Geschichte enthält alle Facetten des Lebens und ist damit beispielhaft, auch noch für heutige Generationen. Als spannenden Bonus hatte Wensierski etliche Fotos und Video-Aufnahmen der beiden von damals und heute dabei. Er konnte so auch Momente illustrieren, die unglaublich wirkten.

Der gesundheitlich und stimmlich angeschlagene Autor hielt tapfer den Abend durch und bat zum Abschluss als Entlastung Ulla Kreienbaum aus dem Publikum, noch eine Stelle zu lesen. Die Besucherin aus Neukirchen-Vluyn hatte "das Buch bereits letztes Jahr schon gelesen" und war an diesem Abend da, weil sie die Geschichte sehr mochte und diese ansah als den "praktischen Beweis dafür, dass auch unter den widrigsten Umständen noch vieles möglich ist". Ebenfalls begeistert war Frank Gottschalk aus Issum, der den Abend "sehr informativ und interessant" fand, "weil es auch mal etwas ungewöhnliche Einblicke in die DDR gibt".

Im Anschluss an den gut anderthalbstündigen Vortrag von Wensierski hatte das engagierte Bücherei-Team noch Getränke und Snacks parat gestellt, damit die Anwesenden noch einige Zeit über das Erlebte diskutieren konnten. Auch der Autor war noch mit dabei und stand trotz leicht absackender Stimme den neugierigen Besuchern zum Schluss Rede und Antwort.

Quelle: RP
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