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Geldern
Zukunft der Deponie sichern

Geldern: Zukunft der Deponie sichern
Die Deponie Pont liegt zum Teil auf Gelderner, zum Teil auf Straelener Gebiet. Deshalb sind beide Stadträte beim Rahmenkonzept gefragt. Auf der rund 24 Hektar großen Fläche sind auch nach der Stilllegung viele Aufgaben zu erfüllen. FOTO: gerhard Seybert
Geldern. Die Kreis Kleve Abfallwirtschaft GmbH hat ein Rahmenkonzept in Auftrag gegeben. Ewigkeitskosten und Bodenaufbereitung. Zwei Stadträte müssen noch entscheiden. Von Michael Klatt

Den Standort Pont als Zentrum für Abfallwirtschaft, Wertstoffnutzung und Energiegewinnung dauerhaft sichern. Für Privatpersonen, Gewerbebetriebe und Kommunen die Wege für den Abfalltransport kurz halten. Infrastrukturen und Personal weiterhin optimal auslasten. Das sind die Hauptziele, die mit dem Rahmenkonzept für die Deponie Pont erreicht werden sollen. Das Entsorgungszentrum muss erweitert werden, eine weitere Ausdehnung des Deponiegeländes hingegen ist aus Sicht der Planer nicht erforderlich und auch nicht genehmigungsfähig. Auftraggeber des Rahmenkonzepts ist die Kreis Kleve Abfallwirtschaft GmbH (KKA). Die Ingenieurgesellschaft Stadtumbau aus Kevelaer hat es ausgearbeitet. Mehrere Themen sind untersucht worden.

Ewigkeitskosten Die Deponie kann voraussichtlich niemals aus der Nachsorge entlassen werden. Die Bezirksregierung geht bei den Ewigkeitskosten nach aktuellen Prognosen von einem Zeitraum von 500 Jahren aus. Maßnahmen hierbei sind unter anderem die permanente Grundwasserreinigung über die Kläranlage sowie die Sicherung des Geländes zum Schutz der Allgemeinheit. Für die Stilllegung und Nachsorge der Anlage werden im Konzept für 100 Jahre Kosten von 160 Millionen Euro vorhergesagt. Ein Rückbau der Deponie würde sich auf geschätzt 1,5 Milliarden Euro belaufen.

Bodenaufbereitung Die Bodenaufbereitung und die Abdichtung des Deponiekörpers werden laut Konzept rund 50 Jahre in Anspruch nehmen. Mindestens 200.000 Kubikmeter Boden werden erforderlich sein, um den rund 24 Hektar großen Deponiekörper abzudichten. Die Bodenaufbereitung benötigt mehr Fläche, und zwar für das Lagern, Umschichten und sukzessive Aufbringen des Bodens. Die Oberflächenwässer der Deponie benötigen zwei Rückhaltebecken. Falls eine Analyse vor Ort ergibt, dass das Wasser nicht in Ordnung ist, muss es in einer Kläranlage gereinigt werden, bevor es eingeleitet wird. Eine mobile Bauschuttbrecheranlage will die KKA an wenigen Tagen im Jahr in Eigenregie betreiben. Dort sollen kleine Mengen an Bauschutt für die Profilierung des Deponiekörpers gewonnen werden, bevor die Oberflächenabdichtung aufgebracht wird. Die Schlitzwand muss teilweise erneuert und von acht auf 13 Meter Tiefe gebracht werden. Wie KKA-Geschäftsführer Hans-Peter Boos im Gelderner Rat erklärte, bedeute allein das einen Millionenaufwand.

Umladestation Eine Grundüberlegung ist, dass die Umladestation für den Südkreis dauerhaft öffentlich betrieben werden soll. Eine Übertragung von Nutzungsrechten an private Betreiber ist zu verhindern. Denn eine "Umwidmung zu anderen Betätigungen als zur öffentlich-rechtlichen Daseinsvorsorge" würde dazu führen, dass die Bezirksregierung die unbefristete Verlängerung der befristeten Betriebsgenehmigung für die Umladeanlage versagt.

Verkehrsführung Der Niersbroeker Weg soll nach Süden verlagert werden, um ein abgeschlossenes Gelände ohne Durchgangsverkehr zu erhalten. Der Verkehr auf dem Deponiegelände soll neu strukturiert werden zur besseren Abwicklung der Transporte sowie zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden. Eine Erweiterung der Abstellflächen für Container ist geplant, um Brandschutzbestimmungen einzuhalten.

Landschaft Als eine Landschaftseinheit wird der gesamte Bereich zwischen Niers und Ringgraben verstanden. Eine neue Sichtschutzpflanzung mit Schwarzpappeln und anderen standortgerechten Gehölzen ist laut KKA bereits angelegt worden, um den Deponiekörper landschaftlich einzubinden. Südlich des Entsorgungszentrums wird zur Abgrenzung gegen die Landschaft eine zehn bis 15 Meter breite Hecke angelegt. Das laut Boos auch als Signal, dass keine Erweiterung der Deponiefläche erfolgt. Die Darstellungen des Landschaftsplans werden an das neue Konzept angepasst: Deponie und Ladestation werden nicht als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, die angrenzenden Flächen sind enthalten beziehungsweise werden neu aufgenommen.

Gewässer Die Niers wird gemäß Niersauenkonzept sowie EU-Wasserrahmenrichtlinie durch den Niersverband naturnah ausgebaut. Naturnaher Gewässerausbau und ökologische Ausgleichsmaßnahmen sollen kombiniert werden. Geplant ist auch, neue Retentionsflächen zu schaffen.

Sowohl im Rat von Geldern als auch in dem von Straelen ist das Konzept vorgestellt worden, denn die Deponie befindet sich auf beiden Territorien. Eine Entscheidung über die grundsätzliche Zustimmung haben beide Stadtparlamente vertagt. Erst soll das Gespräch mit der Bürgerinitiative gesucht werden. Die Bürgerinitiative wehrt sich gegen jede Erweiterung der Deponie Pont und auch dagegen, wie einer ihrer Sprecher vor rund zwei Jahren gegenüber der RP ausführte, "dass immer wieder was Neues erfunden wird, um da weiterzumachen".

Quelle: RP
 
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