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Kerken
Zukunft der Via Stenden ungewiss

Kerken: Zukunft der Via Stenden ungewiss
Der Gebäudekomplex der Via Stenden soll den Brandschutzbestimmungen nicht genügen. Die dort untergebrachten Flüchtlinge wurden verlegt. FOTO: Seybert Gerhard
Kerken. Die Nachricht, dass die Unterkunft für Flüchtlinge geräumt wird, kam unerwartet. Die Bewohner wurden kurzfristig auf andere Einrichtungen verteilt. Grund: Brandschutzbestimmungen. Entwicklung kann für Kerken richtig teuer werden. Von Antje Seemann

Der Arzt, der einige der Flüchtlinge aus der Via Stenden ehrenamtlich behandelt hat, ist noch immer sauer. Die Bewohner der Unterkunft wurden kurzfristig verlegt - innerhalb von drei Tagen war das ehemalige Hotel leer. Die Nachricht hat den Mediziner zufällig erreicht, weil Patienten Termine abgesagt haben. Am meisten stört ihn daran der Umgang mit den Menschen: "Dass die Bewohner einfach verlegt werden. Ohne Rücksicht auf private Umstände. Die werden aus ihrem Umfeld gerissen, und wo die sind, weiß man nicht."

Bestehende Kontakte und Freundschaften, die in Stenden entstanden sind, würden so auseinandergerissen. Außerdem bekämen die neuen Ärzte so nicht Bescheid über Gesundheitsstand oder Vorerkrankungen. "So kann man ja keine Pflegeüberleitung machen, wenn man gar nicht weiß, wo die sind."

Vergangene Woche mussten die noch verbliebenen 247 Bewohner die Via Stenden verlassen und wurden auf andere Unterkünfte in der Umgebung aufgeteilt. Von der zuständigen Bezirksregierung in Düsseldorf heißt es, der Grund dafür sind "erforderliche Sanierungsmaßnahmen". Konkret geht es dabei um Brandschutzbestimmungen. Hier soll es deutliche Probleme gegeben haben. Anfang der Woche gab es eine Begehung der Einrichtung mit der Brandschutzdienststelle des Kreises und der Bezirksregierung Düsseldorf. Was genau umgesetzt werden müsste, damit die Via Stenden wieder Flüchtlinge aufnehmen kann, ist noch nicht bekannt. Ob hier überhaupt noch mal Flüchtlinge untergebracht werden, ist außerdem auch nicht sicher.

Weil in den vergangenen Wochen immer weniger Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, wird das Land einige Unterkünfte nicht weiterbetreiben. Es passt die Kapazitäten dem Bedarf an. Dazu sind die verschiedenen Bezirksregierungen mit dem NRW-Innenministerium in Gesprächen. Eine endgültige Entscheidung zu allen Projekten habe das Ministerium hier allerdings noch nicht getroffen. Deshalb gibt es auch zur Unterkunft Via Stenden noch nichts Konkretes.

Für die Gemeinde Kerken ist diese Situation gerade alles andere als optimal. Die Verwaltung ist hier auch eher in der Zuschauerrolle. Dass die Via Stenden geräumt wird, hat sie auch erst kurz vorher erfahren, sagt der Vertreter des Bürgermeisters, Udo Niersmann: "Bei der gesamten Entscheidungsfindung ist die Gemeinde nicht eingebunden." Dabei hätte es für sie Folgen, wenn sich das Land gegen die Unterkunft entscheidet.

Durch die Via Stenden musste Kerken kaum selbst Flüchtlinge unterbringen, weil die in den Unterkünften vom Land NRW auf die Quote der Kommunen angerechnet werden. Sollte das bald wegfallen, erfüllt Kerken seine Aufnahmequote nicht mehr und müsste schnell eigene Unterkünfte schaffen. "Dann hätten wir ein dickes Problem. Wir müssten einen geeigneten Standort suchen, der auch verträglich ist. Und da stellt sich dann auch die Frage, wie wir das machen. Ob wir Container nehmen, oder wie beispielsweise in Issum die Blockhaushütten. Bei den Ausgaben bewegen wir uns dann sicher im Millionenbereich."

Quelle: RP
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