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Wachtendonk
Zwei Chöre lassen Telemann erklingen

Wachtendonk. Auf eine Reise durch die menschliche Gefühlswelt mit Werken von Georg Philipp Telemann begaben sich in Begleitung eines Kammerorchesters und Solisten unter der Leitung ihres Dirigenten Godehard Pöllen die Kirchenchöre aus Nieukerk und Wachtendonk in der Pfarrkirche St. Michael. "Jauchzen, Frohlocken - Weinen und Klagen" waren die Themen des Chorkonzertes, in das Valerie Pöllen als Verantwortliche für das künstlerische Konzept die Besucher einführte.

Telemann, ein deutscher Komponist des Barock, prägte durch seinen empfindsamen Stil und akribisch ausgearbeitete Tonmalereien maßgeblich die Musikwelt der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Er war weitgehend Autodidakt und stieg zum Musikdirektor der Leipziger Universitätskirche auf. "Weniger die Texte," wusste Pöllen, "die heutzutage unverständlich klingen", als die malenden Figuren, Koloraturen, Deklamationen und musikalischen Wortausdeutungen seien in den geistlichen und theatralischen Vokalwerken des Komponisten, insbesondere in den Rezitativen, von großer Bedeutung.

Drei Kantaten standen auf dem Programm. Zu Beginn der Musik las Christian Behrens, Autor und Kleinkünstler, zeitgemäß passende Texte zum Inhalt der Werke. "Beginn - Allem Anfang wohnt ein Zauber inne", unter diesem Motto eröffneten die Musiker die Kantate "Hosianna dem Sohne David" aus Telemanns Kantatenjahrgang "Musicalisches Lob Gottes in der Gemeine des Herrn".

Godehard Pöllen bot ein weites Spektrum an Klangfarben auf, machte die barocke Musik dadurch zu einem lebendigen musikalischen Erlebnis. Seine Interpretation wirkte bunt und gleichermaßen schwungvoll. Anne-Sarah Gibson, eine Sopranistin mit einer beispielhaft klaren und vibratoarmen Stimme, traf den Affekt der ihr zugedachten Arien und Rezitativen. Auch die Altistin Katharina Beckmann erfreute durch textdeutliche Gestaltung und verfügte über gleichrangig attraktives Stimmmaterial und war gleichermaßen stilsicher.

Die beiden Chöre sangen kraftvoll, homogen und flexibel. Auch bei den Kantaten "Wende dich zu mir" und "Jauchzet, ihr Himmel" wurde der musikalische Leiter mit seinen sensiblen und hoch differenzierten Präsentationen den geistvollen und intelligenten Kantaten von Telemann absolut gerecht. Das Kammerensemble musizierte drei Sätze der "Orchestersuite a-Moll" emotional involviert, doch mit einer passenden Untertreibung, die die flötistische Sololeistung von Valerie Pöllen an oberste Stelle stellte. Die natürliche, flüssige Phrasierung fiel dabei besonders positiv auf.

Es gab viel Applaus für eine gediegene, faszinierende Gesamtleistung.

(usp)
 
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