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Straelen
Zwischen Science-Fiction und Helden

Straelen: Zwischen Science-Fiction und Helden
Ob Wissenschaft oder Frauenbewegung, Cornelia Holfelder-von der Tann hat schon so ziemlich alles aus dem Englischen oder Amerikanischen übersetzt. Texte mit ethnischem Hintergrund gehören ebenfalls zu ihrem Spezialgebiet. FOTO: Seybert
Straelen. Cornelia Holfelder-von der Tann ist ganz nah an Zukunftsvisionen dran. Sie ist Übersetzerin, wohnt in Freiburg und Mutter von Judith Holofernes von "Wir sind Helden". Ein Kurzbesuch im EÜK in Straelen. Von Bianca Mokwa

Aus Freiburg hat es Cornelia Holfelder-von der Tann nach Straelen verschlagen. Sie ist Übersetzerin und aktuelle Translator in Residence im Europäischem Übersetzerkollegium. Eigentlich gebe es verschiedene Typen von Menschen ihrer Zunft. Zu denen, die übersetzen, weil sie in zwei Kulturen zu Hause sind, gehöre sie aber nicht.

"Ich habe es sehr stark mit der deutschen Sprache", sagt die Freiburgerin. Und das ist gut so. Diese Liebe hat sie an ihre Tochter weitergegeben, Judith Holofernes von der deutschen Band "Wir sind Helden". "Meine Tochter war immer so liebenswürdig, in jedem zweiten Interview zu erwähnen, dass bei uns zu Hause überall Bücher herumlagen." Damit hat es sich aber schon mit Sachen Vererbung. "Mit der Musik, keine Ahnung, wo das herkommt", sagt die Übersetzerin. "Ich darf aber stolz sagen, die ersten drei Akkorde auf der Gitarre habe ich ihr beigebracht. Aber das war's dann auch." Sie mag die Musik ihrer Tochter. "Total gerne", sagt sie - und das schon lange bevor ihre Tochter die Bühnen und Charts mit "Wir sind Helden" erstürmte. "Meine Tochter ist kein Popstar, sondern Künstlerin", stellt die Übersetzerin klar. "Und ich bin dem Himmel dafür sehr dankbar."

Ihre eigene Passion sind die Bücher und die Sprache. "Ich liebe den Beruf immer noch, auch nach 40 Jahren", sagt Cornelia Holfelder-von der Tann. Geändert haben sich ihre Spezialgebiete. Das waren in der Vergangenheit zum Beispiel Krimis, für die sie sich Wissen über Waffentechnik angeeignet hat. In den Anfängen war das die amerikanische Frauenbewegung. "Ich habe an der FU in Berlin studiert, wie sollte ich davon keine Ahnung haben", sagt sie.

Aktuell ist sie in der Zukunft unterwegs. Genauer gesagt nennt sich das Genre "Near Future", eine Mischung aus dem Jetzt und Science- Fiction. Oft gehe es dabei um elektronische Entwicklungen. Beim Übersetzen stelle sich die Frage, wie viel plausiblerweise noch eingedeutscht werden müsse. Ein Beispiel: Die Freiburgerin schlägt ein Kapitel des von ihr übersetzten Buchs "Peripherie" von William Gibson auf. "Emulationsapp" steht dort. Der Begriff sei dem technikaffinen Leser bereits geläufig. Um auf dem Laufenden zu bleiben, liest Cornelia Holfelder-von der Tann Technik- und Wissenschaftsberichte.

Geändert haben sich im Laufe ihrer 40-jährigen Übersetzertätigkeit nicht nur die Themen, sondern auch das Tempo. "Not Final" steht auf einigen Manuskripten mittlerweile, die sie zur Bearbeitung bekommt. Das bedeutet, es ist eine Rohfassung, nicht das fertige Buch. "Der Autor überarbeitet den Text noch, mit vielen Sachen muss ich gleichzeitig fertig werden." Die Tendenz gehe dahin, weil sich sonst viele Leser das Buch schon in der englischen oder amerikanischen Fassung zu Gemüte führen würden.

Im Laufe ihres Lebens hatte Cornelia Holfelder-von der Tann nicht nur mit Technik-, sondern auch Frauenliteratur zu tun. "Ein bisschen unterhaltsam darf es schon sein", lautet ihre Devise. Allerdings Herz-Schmerz und ein Ende, dass nach den ersten drei Seiten bereits ersichtlich ist, das ist ihr zu langweilig. "Bitteschön anspruchsvoll oder mit einer gewissen Art von Humor", lautet ihr Wunsch. "Wenn Sie mal ein richtig gutes Buch lesen wollen, dann Maria Semples ,Wo steckst du Bernadette?'", lautet ihr Rat. Sie hat es übersetzt. In ihren Anfängen hatte sie sich noch gewünscht, Comics oder Bob Dylans Werke ins Deutsche zu bringen. "Comics habe ich nie erwischt, das machen schon so viele, gute Leute. Und Bob Dylan ist inzwischen auch nicht schlecht gemacht worden." Sie lese viele und auch gerne Übersetzungen von Kollegen. Und Bob Dylan, den hört sie immer noch. Und die Musik von ihrer Tochter natürlich auch.

Quelle: RP
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