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Goch
10.000 Tamilen kommen zur Wallfahrt

Goch: 10.000 Tamilen kommen zur Wallfahrt
Traditionell ziehen auch die Erstkommunionkinder bei der Wallfahrt nach Kevelaer mit ein. Auch sie tragen Kerzen, die für die Tamilen eine besondere Bedeutung haben. FOTO: Gerhard Seybert
Goch. Kevelaer rüstet sich für einen Höhepunkt des Pilgerjahres. Am Samstag werden zahlreiche Gläubige erwartet, die aus Sri Lanka stammen und zur Trösterin der Betrübten kommen. Ein Ausdruck tiefer Marienfrömmigkeit. Von Sebastian Latzel

Dass die Sache eine solche Eigendynamik entwickeln würde, ahnte niemand, als 1987 zum ersten Mal eine Wallfahrt der Tamilen nach Kevelaer stattfand. Damals waren gerade viele aus ihrem Heimatland Sri Lanka geflohen und suchten nach einer Möglichkeit, um ihrer tiefen Marienverehrung Ausdruck verleihen zu können.

In Sri Lanka pilgern jedes Jahr mehr als 100 000 Menschen zum Marienheiligtum nach Madhu, das gerade auch vom Papst besucht wurde. In ihrer neuen Heimat Deutschland fanden die Tamilen mit Kevelaer einen Ort, der die Tradition der Marienwallfahrten außerhalb von Sri Lanka begründete. Seit 1987 pilgern die Tamilen aus ganz Europa an den Niederrhein. Auch für Kevelaer hat die Wallfahrt inzwischen einen großen Stellenwert. "Es ist sicher die größte Pilgergruppe, die in die Stadt kommt", berichtet Dr. Rainer Killich, Leiter des Wallfahrtsbüros.

Rund 10 000 Tamilen werden am Samstag erwartet, das ist auch für das Wallfahrtsbüro ein aufwändiger logistischer Kraftakt. Stadt, Polizei und Ordnungsamt sind eingebunden, um einen reibungslosen Ablauf der Großveranstaltung zu gewährleisten. Alle Hauptamtlichen der Kirchengemeinde sind im Einsatz, viele Ehrenamtliche unterstützen sie, vor allem bei der Ausgabe der Kerzen. Denn das Anzünden der Kerze hat für die Tamilen eine tiefe religiöse Bedeutung. Jeder Gläubige wird auch am Wochenende wieder zahlreiche Lichter entzünden, was den Kapellenplatz dann in ein ganz besonderes Licht rückt.

Auch diese ganz besondere Stimmung ist mit ein Grund dafür, dass in den vergangenen Jahren auch immer hiesige Gläubige an dem Tag nach Kevelaer kommen. "Diese Entwicklung nimmt tatsächlich zu. Ich denke, dass das auch daran liegt, dass viele hiesige Gläubige die tiefe Marienfrömmigkeit anspricht", sagt Albert Koolen. Der Priester begleitet die tamilischen Gemeinden und ist auch in die Wallfahrt mit eingebunden. Er berichtet, dass längst nicht alle Tamilen, die zur Wallfahrt kommen, auch Katholiken sind. Auch viele Hindus nehmen daran teil. Für Koolen liegt das daran, dass es viele Verbindungen in Sri Lanka zwischen den beiden großen Religionen gebe. Die Mutterfigur der Maria habe auch bei den Hindus einen hohen Stellenwert, und die Jesuiten, die zur Mission nach Sri Lanka gekommen waren, hatten viele Elemente der dortigen Religion mit aufgenommen. Etwa die vielen Kerzen, die an den Heiligtümern der Hindus brennen.

So ist die Verbindung zwischen Hindus und Katholiken immer eng gewesen. Die Wallfahrt in Kevelaer ist für die Tamilen auch ein großes Familientreffen. Zwischen Basilikastraße und Friedensstraße wird ein großer Markt aufgebaut mit tamilischer Küche, bei der sich die Pilger verpflegen können. "Wer über diesen Markt geht und selbst schon einmal in Sri Lanka war, kann wirklich den Eindruck gewinnen, er befände sich auf einem Basar der asiatischen Insel", berichtet Koolen.

Quelle: RP
 
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