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Goch/Kevelaer
150 Jahre Glaskunst in Kevelaer

Goch/Kevelaer: 150 Jahre Glaskunst in Kevelaer
Die Leiter der Werkstätten Peter Derix, Sohn Jörg Derix und Michael Heymann (v.l.) vor einem Kirchenfenster im Präsentationsraum. FOTO: Arnulf Stoffel
Goch/Kevelaer. Mit einer Ausstellung wird das Jubiläum der Glasmalerei Derix begangen. Das Unternehmen fertigte sogar Fenster für die Sixtinische Kapelle. Längst geht die kreative Arbeit über das Fertigen von Kirchenfenster hinaus. Ein kleiner Einblick. Von Bianca Mokwa

150 Jahre, die schafft man nicht einfach so. "Aber eiserne Willenskraft mit persönlicher Tüchtigkeit und nie rastender Arbeitskraft überwanden die schwere Zeit" schrieb Heinrich Derix über seinen Vater Wilhelm, den Gründer der "Kunstglaserei und Glasmalerei Wilh. Derix." Nachzulesen ist das in der Festschrift zum 100-Jährigen. In diesem Jahr sind es 150 Jahre Firmengeschichte.

In einem der Räume an der Gelderner Straße 29 bis 33 in Kevelaer hängt das Porträt des Gründers. Unter seinem strengen Blick haben die heutigen Geschäftsführer Platz genommen: Peter Derix mit Sohn Jörg und Michael Heymann. Das Jubiläum gebe aber nicht nur Anlass zurück zu schauen, sondern auch in die Zukunft, betonen die drei. Wenn der Besucher über die Schwelle der Werkstätten tritt, liest er aus Mosaik gelegt: "Grüss Gott die Kunst." Das ist aktueller denn je.

Ein kleiner Rundgang durch die Werkstätten macht deutlich, dass die Werkstätten für Glasmalerei, Mosaik und Restaurierungen ganz nah am Puls der Zeit und Kunstszene sind. Peter Derix geht vor in eine der Werkstätten. Ehemals unterrichtete der berühmte Kirchenmaler Friedrich Stummel dort seine Schüler. Das war um 1890. Heute wird dort zeitgenössische Kunst gefertigt.

Peter Derix zeigt einige Fotos. "Das Lembach-Haus München", erklärt er die Räumlichkeiten, die darauf zu sehen sind. Immer noch fasziniert erzählt er von der Lichtskulptur "Wirbelwerk" von Olafur Eliasson. Acht Meter hoch ist das Werk aus Stahl und Glasplatten. Die stammen aus Kevelaer. Zwischen 4000 bis 5000 Farbtöne haben die Künstler zur Auswahl. "Gearbeitet wird mit mundgeblasenem Antikglas", erklärt Jörg Derix. Die Künstler kommen mit ihren Ideen nach Kevelaer. "Wir tragen durch unser handwerkliches Können und unsere künstlerische Ader zum Gelingen bei", erklärt Derix die enge Zusammenarbeit. 15 bis 20 Künstler werden für die Jubiläumsausstellung im September Vorlagen für Fenster oder Glasobjekte gestalten. Umgesetzt werden sie in den Werkstätten von Derix. 30 Mitarbeiter arbeiten dort. "Wir haben in den vergangenen Jahren auch gute Erfahrungen mit Quereinsteigern gemacht", sagt Heymann. Gemeint sind zum Beispiel ehemalige Grafik- und Designstudenten. "Das belebt auch unser Geschäft. Wir brauchen immer wieder neue Impulse", nennt er den Weg, auch nach 150 Jahren aktuell zu bleiben.

Als eines der einschneidendsten Erlebnisse in der Geschichte des Unternehmens nennt Peter Derix den Auftrag, der an seine Vorfahren erging, Fenster für die Sixtinische Kapelle in Rom zu fertigen. Kurz darauf wurden die Werkstätten zur päpstlichen Hofglasmalerei erhoben. Die Wappen am Haus erinnern noch heute daran. Machte früher die Kirche 95 Prozent der Aufträge aus, so sind es heute 60 bis 70 Prozent, nennen die Leiter der Werkstätten eine wesentliche Veränderung. Aktuell wird am Fußboden-Mosaik für Kevelaers Gnadenkapelle gearbeitet, aber auch an neuen Fenstern für die evangelische Kirche in Duisburg-Mittelmeiderich. Die Kevelaerer Werkstätten sind international tätig. Eine der größeren Geschichten waren riesige Glaswände für den Neubau des Louis Vuitton Museum in Paris. Künstler war wieder kein geringerer als Olafur Eliasson. "Es ist wie bei einem Orchester. Der Künstler ist der Dirigent und wir sind diejenigen, die dort mit den Instrumenten sitzen und die Ideen umsetzen", erklärt Peter Derix wie die Zusammenarbeit mit den Künstlern funktioniert.

Vom Zuschneideraum führt eine Holztreppe in die oberen Räume der Werkstatt. "Hier wird also verbleit", erklärt Peter Derix. Aus vielen kleinen Stücken wird, ähnlich wie bei einem Puzzle, ein ganzes Kirchenfenster. Nebenan stehen Fenster, die restauriert werden. "Es ist alles Handarbeit, wir haben keine Maschinen", betont Derix. Das ist etwas, das sich seit 150 Jahren nicht geändert hat. Und das ist gut so.

Nach Wünschen für die Zukunft gefragt, überlegen Derix und Heymann kurz. "Interessante Aufträge", sagen sie. "Und das müssen nicht immer die großen Aufgaben sein."

Quelle: RP
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