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Goch
25 Jahre im Dialog mit Kunstfreunden

Goch: 25 Jahre im Dialog mit Kunstfreunden
Kaffeepause: Museumsleiter Stephan Mann, Aufsichtskraft Elke Fischer, Stellvertreter Steffen Fischer und Museumspädagogin Jasmin Schöne (von rechts). FOTO: Gottfried Evers
Goch. Längst ist das Museum Goch kein "Heimatmuseum" mehr, sondern ein Haus für die Gegenwartskunst und für die Begegnung. Das Museum wird weit über die Region hinaus wahrgenommen und bleibt doch bodenständig. Von Anja Settnik

Dass der Förderverein schon im vergangenen Jahr sein 25-jähriges Bestehen feierte, widerspricht nicht dem Umstand, dass das Gocher Museum erst 2016 auf 25 Jahre zurückblickt - der Förderverein war einfach früher da. "Die Initiative zur Gründung eines Museums ging von Dr. Horst Werner und Franz Engelen aus, die den Langenberg-Nachlass sichern wollten. Gedacht war damals an ein stadthistorisches Museum, das es jedoch nur kurze Zeit war. Seit dem Jahr 2000 geht es hier ganz vorrangig um zeitgemäße Kunst", sagt Dr. Stephan Mann, der das Haus seit 1998 leitet.

Das Gocher Museum feiert "Silberjubiläum". FOTO: Evers

"Als ich hierher kam, stand in der oberen Etage ein Webstuhl, überall gab es Trennwände, die Fenster waren zur Schonung der Bilder mit Tüchern verhängt", erinnert sich Mann. Neben Kevelaer, das in diesem Bereich viel besser aufgestellt sei, ein zweites kunsthistorisches Haus anzubieten, mache keinen Sinn, findet Mann. Seinem Vorgänger Jörg Becker attestiert er, in Goch eine "professionelle Museumsstruktur" geschaffen zu haben, an der er anschließen konnte. Mann und sein Stellvertreter Steffen Fischer haben - mit Hilfe des Freundekreises - das Haus in ein Kunstmuseum verwandelt, das laut Kunststiftung NRW zu den landesweit 25 renommiertesten Museen für Gegenwartskunst zählt.

Vor einigen Wochen veröffentlichte Stephan Mann die Neuigkeit, dass die Kunststiftung des Museums Goch die Sammlung Hiltrud Neumann überlassen bekam. Die zeitlebens Kunst sammelnde Dame aus Mönchengladbach lebt mit ihren rund 3500 Kunstwerken in einer großen Wohnung und möchte diese private Sammlung in besten Händen wissen. Dass sie sich für Goch entschied, bedeutet in den Augen von Dr. Mann eine große Chance, aber auch eine erhebliche Verantwortung. "Wir werden unter den Neuzugängen noch viele Entdeckungen machen und sicher manche Ausstellung daraus entwickeln", sagt Mann. Im Kabinett unterm Dach will er einige Stücke aus der Sammlung Neumann zeigen.

Die Leidenschaft fürs Sammeln, die die Mönchengladbacherin trieb, war schon immer die Grundlage für Museen, betont Mann und verweist auf die Familie van der Grinten in Moyland. Dass Rat und Verwaltung hinter dem Museum stehen, ihm den notwendigen Etat (wenn auch nicht mehr für Anschaffungen) immer wieder bewilligen und eine auskömmliche personelle Besetzung finanzieren - dafür ist der Museumschef dankbar. "Es war ausdrücklich politischer Wunsch, Kinder mit der Kunst vertraut zu machen, wobei uns unsere Museumspädagogin Jasmin Schöne sehr hilft. Und Rolf Heek als Haustechniker ermöglicht uns, immer wieder neue Ausstellungskonzepte umzusetzen." Ein Museum mache Arbeit, könne nicht bloß verwaltet werden. Steffen Fischer und er selbst sind viel unterwegs, pflegen Kontakte zu Künstlern, Galerien und anderen Museen - und zu den Medien, von denen auch einige überregionale schon über Kunst in Goch berichtet haben.

Seit "Tütenkünstler" Thitz im Jahr 2000 das Museum enterte, indem er seine farbenfrohen Arbeiten zwischen den bestehenden Werken arrangierte, ist die Richtung klar: moderne, heutige Kunst, über die man ins Gespräch kommt. "Gerade hier auf dem Land brauchen wir Impulse von außen. Wir wollen den Gochern nahe legen, sich für die Welt zu interessieren - deshalb holen wir sie zu uns", erklärt Mann. "Draußen", etwa in Köln und Düsseldorf, aber auch in Israel, der Schweiz oder in Südafrika sei Goch in Kunstkreisen ein Begriff, versichert Mann.

Weil ein Museum für sie kein "Kunst-Verwahranstalt", sondern ein Kommunikationsort ist, möchten Mann und Kollegen mit Menschen ins Gespräch kommen. Mit erwachsenen Bürgern, mit Kindern, auch mit Migranten. Wer möchte, kann im Gocher Museum nicht nur mit Kultur in Berührung kommen, sondern auch lernen, über seine kleine Welt hinaus zu blicken.

Quelle: RP
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