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Goch
77-Jährige leiht Polizist Rad für Verfolgungsjagd

Goch: 77-Jährige leiht Polizist Rad für Verfolgungsjagd
Als Hartmut Heinen (r.) das Fahrrad zum zweiten Mal an Hildegard Schmitz zurückgab, hatten er und sein Kollege Reinhard Deppe Blumen dabei. FOTO: EVERS
Goch. Weil Hildegard Schmitz zwei Bezirksbeamten ihren Drahtesel lieh, konnten diese einen per Haftbefehl gesuchten Täter stellen. Nun bedankte sich die Polizei bei der Frau für die Unterstützung. Von Beate Wyglenda

Ein bisschen wie im Film war die Verfolgungsjagd, die sich am 1. Juni zwei Polizeibeamte mit einem flüchtigen Täter in Goch lieferten: Eigentlich per Zufall, zur Überprüfung eines anderen Delikts, waren die Bezirksbeamten Hartmut Heinen und Reinhard Deppe auf der Roggenstraße unterwegs. Plötzlich kam ihnen ein mit Haftbefehl gesuchter Mann entgegen.

"Er kannte uns und wir kannten ihn - leider muss man in diesem Zusammenhang sagen", erzählt Polizeihauptkommissar Heinen. Denn der 43-Jährige hatte schon mehrfach mit der Polizei zu tun. Erst seit kurzem war er wieder auf freiem Fuß, da flatterte den Beamten einen Tag zuvor erneut ein Haftbefehl gegen ihn wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz auf den Schreibtisch. "Als er uns sah, hat er lange Beine bekommen", sagt Polizeioberkommissar Deppe.

Und zur Überraschung der Beamten war der Flüchtende sogar richtig schnell. Einige Jahre jünger, körperlich fit und sportlich leicht gekleidet, sprintete er in Richtung der Straße "Hinter der Mauer" davon. "Wir nahmen sofort die Verfolgung auf", sagt Deppe. Vorbei an Passenten, über die Straßen, am Spielplatz entlang Richtung ehemaliges Rewe-Gelände. "Ich dachte nur, irgendwann muss er doch schlapp machen", so Deppe. "Da sah ich aus dem Augenwinkel, wie Hartmut mit einem Fahrrad vorbeifuhr."

Bei der nächsten Gelegenheit schnitt der Polizist mit dem Rad dem 43-Jährigen den Weg ab und die Kameraden nahmen ihn fest. Deppe lachend: "Meine erste Frage war sofort: Woher hast du das Fahrrad?"

Von Hildegard Schmitz. Denn glücklicherweise haben die Freunde und Helfer in der Bevölkerung ebenfalls Freunde und Helfer. Auch an der 77-jährigen Rentnerin, die gerade einkaufen fahren wollte, rasten Täter und Beamte vorbei. "Ich wusste zwar nicht, worum es ging, aber mir war sofort klar, das ist eine Verfolgungsjagd", erzählt sie. Als der Polizeihauptkommissar sie nach dem Fahrrad fragte, war sie daher sofort bereit, es auszuleihen. "Sie sagte sofort ja und stieg gleich ab", so Heinen erfreut. Vorne im Körbchen lagen sogar noch Einkaufswaren. In diesem Moment war das aber egal: "Ich trat einfach in die Pedale, um dem ,Bösen' zu folgen."

Die Rentnerin wartete derweil - etwas aufgeregt, doch guten Mutes. "Ich habe schon damit gerechnet, mein Fahrrad wiederzusehen, gerade von der Polizei", sagt sie scherzend. Und tatsächlich: Kurz darauf kamen die Beamten wieder. Heinen mit dem Fahrrad neben sich schiebend, Deppe mit dem Täter im Schlepptau. "Ich war froh, dass die Festnahme geglückt ist", so Schmitz. Eben Dank des Einsatzes der Rentnerin, sind sich die beiden Bezirksdienstbeamten sicher. Viel Zeit zum Bedanken gab es jedoch nicht. "Der Mann war zwar gefesselt, man weiß aber nie, wie er noch reagiert oder ob er vielleicht sogar unter Drogeneinfluss steht", erklärt Deppe. Und dann war alles vorbei: Die Polizisten gingen zum Dienstgebäude, Schmitz fuhr zum Einkauf. "Wir wussten nicht einmal den Namen der Dame", sagt Heinen, dem es ein Anliegen war, sich nochmals offiziell zu bedanken. Deshalb wurde die Gocherin via Facebook und Zeitung gesucht. Ihr 22-jähriger Enkel wurde darauf aufmerksam. "Ich habe mich sehr über die Einladung gefreut", sagt Schmitz. Neben einer Fahrt im Polizeiwagen gab es auch Blumen sowie den Dank der Beamten und des Polizei-Abteilungsleiters Günter Lange.

Quelle: RP
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