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Goch
Ärzte: Ohne Impfung nicht in die Kita

Goch: Ärzte: Ohne Impfung nicht in die Kita
Die Kinder wissen, dass eine solche Riesenspritze wie auf dem Foto für den kleinen Pieks nicht nötig ist, der sie gesund hält. In der evangelischen Kita wie in den anderen Kindergärten wird das Thema Impfen derzeit intensiv diskutiert. FOTO: gottfried Evers
Goch. Das Gesundheitsministerium bereitet ein Präventionsgesetz vor. Danach sollen nicht geimpfte Kinder vom Besuch des Kindergartens oder der Schule ausgeschlossen werden. Erzieherinnen zurückhaltend, Ärzte fänden es richtig. Von Anja Settnik

Vor der Aufnahme in den Kindergarten werden Eltern in der Regel aufgefordert, die Impfbücher ihrer Kleinkinder mitzubringen. Wenn daraus allerdings Defizite abzulesen sind, passiert nicht viel. "Wir lassen uns die Hefte zeigen, werfen auch einen Blick auf die Untersuchungen. Allerdings ist es letztlich Sache der Eltern, ob sie ihr Kind impfen lassen", sagt Esther Müller, Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte in Goch. Rein rechtlich ist das so, allerdings ist ein Präventionsgesetz in Planung, das eine Änderung bringen könnte: Wenn der Bundestag entsprechend entscheidet, könnte künftig Kindern ohne Impfschutz zeitweise der Besuch von Kita oder Schule untersagt werden.

Ginge es nach Dr. Karl-Heinz Krause, praktischer Arzt in Goch, müssten alle Kinder "durchgeimpft" sein, um Kindergruppen besuchen zu dürfen. "Es geht ja nicht nur um den individuellen Schutz vor gefährlichen Krankheiten, sondern auch darum, dass nicht geimpfte Kinder potenzielle Krankheitsträger sind." Je mehr Menschen in der Gesellschaft keinen Impfschutz haben, desto leichter treten Krankheiten epidemieartig auf. Und sind dann schwerer in den Griff zu bekommen.

Hintergrund: Fünf Fragen zu Masern FOTO: cdc

In der Gocher Praxis wird derzeit wieder für die Schutzimpfung gegen Masern geworben - auch Erwachsene sollten kontrollieren, ob ihr Impfschutz noch ausreichend ist. Masern sind gefährlich, als Spätfolgen treten gelegentlich sogar Lungen- und tödliche Hirnentzündungen auf. Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Masern, Mumps, Röteln: Die meisten Bürger werden schon im Säuglingsalter dagegen immunisiert; einige der Impfungen müssen später aufgefrischt werden (Empfehlungen der Ständigen Impfkommission STIKO sind unter www.rki.de nachzulesen).

"Bei einem Großteil der Flüchtlinge, die zu uns kommen, müssen wir davon ausgehen, dass sie nicht geimpft sind. Mein Team hat in den vergangenen Monaten in den Aufnahmeeinrichtungen in Stenden, Herongen und Duisburg tausende Asylbewerber geimpft", berichtet Dr. Krause. Je nachdem, auf welchem Weg die Flüchtlinge hierher kommen, kann es durchaus sein, dass sie ohne hinreichenden Impfschutz bleiben. Und damit sich und andere gefährden. "Das ist auch für die Arbeit von Flüchtlingsinitiativen ein Problem", sagt Esther Thomas. Sie weiß von Eltern, die ihre Kinder nicht mehr in Spielgruppen lassen, wenn diese von ausländischen Kindern mit mutmaßlich nicht genügendem Schutz besucht werden.

Alle Vorsorgen für Kinder im Überblick FOTO: Techniker Krankenkasse

Aber es gibt auch deutsche Eltern, die nicht wollen, dass ihren Kindern Fremdstoffe injiziert werden. Einige aus grundsätzlichen Erwägungen, manche fürchten Nebenwirkungen. "So lange es keinen Zwang gibt, dürfen unsere Eltern selbst entscheiden", sagt Angelika Pastoors, Leiterin des Initiativkindergartens "Pusteblume" in Goch. Es werde ja auch niemand gezwungen, Antibiotika einzunehmen, sondern kuriere Infektionen lieber zuhause aus.

Kinderarzt Rainer Friedrichs hingegen plädiert für konsequentes Impfen. "In Amerika heißt es ,no shots, no school', und damit sind viele Krankheiten ausgemerzt worden." Er verweist darauf, dass in Osteuropa auch sehr gut vorgesorgt werde; wann immer bei Migrantenkindern nicht zu klären sei, ob der Schutz ausreiche, impfe er nach. "Das Sozialamt schickt die Kinder zu uns, und wenn sich mal jemand weigert, sein Kind impfen zu lassen, dann muss er das unterschreiben." Das komme aber kaum mal vor.

Quelle: RP
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