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Weeze
Airport: Mit der Sonne Geld verdienen

Weeze: Airport: Mit der Sonne Geld verdienen
Die Solardächer machen auch optisch einiges her. Bei der derzeitigen Sonneneinstrahlung dürfte reichlich Strom produziert werden. FOTO: Gottfried Evers
Weeze. 1350 mit Solardächern überdachte Pkw-Abstellplätze bieten den Kunden des Weezer Flughafens komfortableres Parken. Die erhöhten Parkgebühren auf dem P 2 und die Einnahmen aus der Energie-Einsparvergütung nutzen dem Airport. Von Anja Settnik

Diesmal ist der Airport selbst der Betreiber der Anlage. Anders als bei dem riesigen Solarfeld auf dem Außengelände des Flughafens geht die (inzwischen deutlich reduzierte) Einspeisevergütung für den auf dem P2 gewonnenen Solarstrom an die Weezer Flughafengesellschaft. Genau genommen an eine neu gegründete "Weeze Renewable Energy GmbH", deren Geschäftsführer ebenfalls Flughafen-Chef Ludger van Bebber ist. Seit der vergangenen Woche stehen den Airport-Gästen 1350 überdachte und mit Solarmodulen versehene Pkw-Abstellplätze zur Verfügung. Die Nachfrage ist sichtlich groß - vom Tor aus ist kaum ein freier Platz zu erkennen.

Fünfeinhalb Millionen Euro investiert der Flughafen in die Verbesserung der Parksituation. Bisher gab es nur die teureren Plätze auf dem P 1 am Terminal und die günstigeren Plätze auf dem P 2", erklärt van Bebber. Nun ist eine dritte Kategorie geschaffen worden, die preislich zwischen den beiden bisherigen Modellen liegt. 15 Euro pro Tag, 55 für eine Woche und 80 Euro für zwei Wochen werden fällig, wenn jemand den überdachten Parkplatz wählt. "Für viele Kunden ist auch die zusätzliche Sicherheit wichtig, denn der P II ist eingezäunt und nur im beschrankten Eingangsbereich offen, was Vandalismus erschwert", sagt der Airport-Geschäftsführer. Außerdem werden Regen, Schnee und Eis von den Fahrzeugen ferngehalten, derzeit dienen die Dächer als Hitzeschutz. "Wichtig ist auch, dass die Fluggäste Parkplätze nicht mehr nur online reservieren, sondern komplett buchen und bezahlen können", ergänzt Marketingchef Holger Terhorst. Ein Barcode auf dem Handy genügt, um die Schranke zu passieren. Nicht zuletzt Geschäftskunden wüssten diesen schnellen Service zu schätzen.

Die Betreibergesellschaft wiederum geht davon aus, dass sich die Solaranlage innerhalb von 15 Jahren amortisiert. Die Einspeisevergütung genügt der finanzierenden Bank als Sicherheit. Denn natürlich hat der Flughafen kein frei verfügbares Geld in solcher Höhe, sondern bedient sich am Kapitalmarkt. "In diesem Jahr investieren wir soviel wie nie zuvor", erklärt van Bebber. Zusätzlich zu den Solardächern werden rund sechs Millionen Euro für die auf dem Gelände entstehende Zentrale Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge benötigt, zuletzt hatte der Airport eine erhebliche Summe in ein neues Energiekonzept samt Drehtüren fürs Terminal und für ein Glasfaser-Netzwerk investiert. Eine zwölf Kilometer lange Gigabit-Leitung (entspricht 1000 Megabyte) sorgt dafür, dass überall auf dem 16 Hektar großen Gelände schnelles Internet der Telekom zur Verfügung steht - und nicht zuletzt junge Reisende ihr privates Datenvolumen schonen können. Sicherlich noch wichtiger: Die angesiedelten und für die Zukunft erhofften weiteren Unternehmen sind auf professionellen Datentransport angewiesen. "Oder denken Sie nur an die Großveranstaltungen wie Parookaville, Mud Masters oder Q-Base - deren zehntausende Besucher erwarten leistungsfähiges Internet", so van Bebber.

Zurück zu den Solardächern: Airport-Chef Ludger van Bebber hält es für möglich, dass der Airport den gewonnen Ökostrom eines Tages selbst nutzt. Vier Megawatt leistet die Anlage, damit könnten (in der sonnenreichen Jahreszeit) 1000 Haushalte versorgt werden - oder eben der Airport.

Während der ganz überwiegend private Flughafen sein Geld für die heutigen Geschäfte bei den Banken aufnimmt, muss noch in diesem Jahr vom Kreistag entschieden werden, wie in Zukunft mit den alten Krediten umgegangen wird. Darlehen verlängern, stille Beteiligung, ein Mix aus verschiedenen Möglichkeiten? Derzeit wird all das juristisch und beihilferechtlich geprüft und sehr bald zur Diskussion in die Gremien gegeben.

Quelle: RP
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