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Uedem/Goch/Kevelaer
Als Arzt den Menschen in Benin helfen

Uedem/Goch/Kevelaer. Dr. Wolfgang Paul hat viel Afrika-Erfahrung. Der Narkosespezialist arbeitete in Kamerun und in Benin. Bald ist er für die "Stiftung Aktion pro Humanität" erneut in Gohomey in Benin und ist dankbar für die Unterstützung.

Es war ein bewegender Moment, den Dr. Wolfgang Paul vermutlich nie vergessen wird. Dabei hatte der Anästhesist aus dem St.-Clemens-Hospital Geldern schon Afrika-Erfahrung, er hatte einige Male in Kamerun gearbeitet. Aber der 19. März 2015,an dem er einen gerade operierten kleinen Jungen aus dem OP-Container in den neu eingerichteten Aufwachraum trug, dieser Tag macht auch heute noch, ein Jahr danach, Gänsehaut.

Es war der erste Eingriff in einem kurz zuvor installierten Operationscontainer in Gohomey, mitten im westafrikanischen Benin. Die Kevelaerer Hilfsorganisation "Stiftung Aktion pro Humanität" um die Ärztin Dr. Elke Kleuren-Schryvers hatte im Februar 2015 den Container mit Spendengeldern finanziert und nach Benin transportiert. "Technik, Strom, Wasser und Licht - das Material sichten, den Sterilisator ans Laufen bringen - dann war die erste Woche vorbei", berichtet Dr. Paul. In der zweiten Woche wurde nahezu rund um die Uhr operiert. "Operieren zu können, mitten im Busch, in einer Region, in der die Menschen ohne Strom und fließendes Wasser leben, ist ein kleines Wunder", so der Narkosespezialist.

Im November war der Mediziner erneut in Benin, wieder mit dem Team um den Chirurgen Dr. Johannes Kohler, dem inzwischen pensionierten Chefarzt des Xantener Krankenhauses. Dieses Mal ging es vor allem um orthopädische und unfallchirurgische Eingriffe. "Es gibt hier viele Kinder mit Fehlstellungen im Gelenk, Sichelfüßen, deformierten Füßen und Händen, alten Knochenbrüchen". Beeindruckend fand der Niederrheiner die Zusammenarbeit mit dem beninischen Orthopädiemechaniker Emile Dohou, der ein Behindertenzentrum im nahe liegenden Lokossa betreut. "Dr. Kohler und Emile Dohou haben eng zusammengearbeitet, von der Planung an über die Operation bis zur Nachbehandlung. Es war großartig", so Dr. Paul. Auch sein Fachgebiet, die Anästhesie, war von Beginn an mit einbezogen. Annemarie Pieper, Intensivschwester und Ehefrau des mitreisenden Kinderarztes, betreute die chirurgische Sprechstunde und bereitete die Anästhesie-Untersuchung der Patienten vor.

Anästhesisten sind in Afrika rar - wie alle Ärzte. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht einen Narkosearzt pro 10.000 Einwohner als "normal" an, in Westafrika gibt es ungefähr einen pro eine Million Einwohner. Speziell ausgebildete Pflegekräfte übernehmen einen Großteil der Narkosen.

Durch Schwester Francoise Gbeha, eine Ordensfrau und Anästhesieschwester, ist Gohomey gut versorgt. "Schwester Francoise hat im benachbarten Togo gelernt, sie ist absolut fit in ihrem Beruf", sagt Dr. Paul. Vom fachlichen Austausch haben beide profitiert: Für die beninische Schwester waren einige Medikamente, technische Geräte und generell Leitungsanästhesien, also die örtlichen Betäubungen an Arm oder Bein, Neuland. Als Übersetzerin war sie unabkömmlich: Viele Patienten sprachen ausschließlich ihre afrikanische Muttersprache und nicht die gemeinsame Landessprache Französisch. Da wäre der Doktor vom Niederrhein, trotz einiger Studienjahre in Frankreich, unverstanden geblieben.

Auch wenn der Operationscontainer voll klimatisiert ist und das Team vom Niederrhein erfahren - "die Arbeit ist eine echte Herausforderung. Der Container ist eng, Einrichtung und Umfeld sind ungewohnt, die Kommunikation mehrsprachig. Die Abläufe sind anders. Und das feuchtwarme Klima ist für uns ein Hammer", berichtet der Anästhesist.

Was den Mann vom Niederrhein nach Westafrika treibt? "Neugierde. Die Freude, in einem tollen Team zu arbeiten. Und zu diesem Team gehören die beninischen Mitarbeiter vor Ort, die ich immer besser kennenlerne. Es ist richtig, Armen zu helfen. Wichtiger ist die Hilfe aus eigener Kraft. Vor Ort haben sich jetzt zwei beninische Chirurgen gefunden, die den OP-Container an mehreren Wochentagen nutzen."

In diesen Tagen fliegt das Ärzte-Team vom Niederrhein wieder nach Benin - auf eigene Kosten und ehrenamtlich. Dr. Wolfgang Paul füllt so langsam seine Materialkisten. "Spenden muss man gezielt einsetzen. Einige Materialien und Medikamente sind in Benin viel preiswerter als bei uns. Deshalb besorge ich nur Dinge, die in Benin teurer sind - oder aber gar nicht erhältlich." Und dann schickt er noch schnell einen Dank hinterher: "Danke an alle, die uns mit ihren Spenden unterstützen und dieses Buschkrankenhaus und den Operationscontainer erst möglich machen." Mehr Informationen unter www.pro-humanitaet.de.

Quelle: RP
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