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Uedem
Als aus Hirten und Bauern Uedem wurde

Uedem: Als aus Hirten und Bauern Uedem wurde
Die pure Idylle. Auch wenn die Hohe Mühle heute anders aussieht als im 14. Jahrhundert: Ein markanter Punkt der Landschaft war sie schon immer. FOTO: Evers
Uedem. Im kommenden Jahr feiert Uedem den 1150. Geburtstag. In der frühen Geschichte der Gemeinde gab es Brände, Seuchen und Kriege. Doch schon vor der ersten Erwähnung 866 haben Menschen auf dem Gemeindegebiet gesiedelt. Von Ludwig Krause

Der 18. April 1685 war nicht unbedingt das, was man einen guten Tag für Uedem nennen könnte. Ein riesiges Feuer erfasste die Stadt, brannte alle Häuser außer zweien an der Stadtmauer nieder. Der verheerendste Brand, der in der Stadtgeschichte verzeichnet ist - bei weitem aber nicht der einzige. Auch 1618 und 1796 ging Uedem in Flammen auf. Kurz nachdem ein spanischer Feldherr im Krieg gegen die Niederländer 1635 sein Lager bei Uedem aufgeschlagen hatte, brach auch noch die Pest im Ort aus. Vor allem in der frühen Neuzeit waren Uedemer Kummer also durchaus gewohnt.

1150 Jahre wird Uedem im kommenden Jahr alt. Wie genau man das feiern möchte, ist noch Gegenstand politischer Diskussionen. Doch wie auch immer sich Arbeitsgruppe und Rat entscheiden mögen: Einen Anlass, die frühe Geschichte des Ortes Revue passieren zu lassen, bietet der runde Geburtstag allemal. Dabei könnte der Ort gleich mehrere Gründungsdaten feiern. Zur Gemeinde heutiger Ausdehnung wurde Uedem erst im Rahmen der Kommunalreform von 1969. Die Älteren werden sich erinnern: Die bis dahin selbstständigen Gemeinden Uedem, Uedemerfeld, Uedemerbruch und Keppeln wurden zur Gemeinde Uedem vereint. 1971 erhielten die Uedemer dann ihr Wappen, das bis ins 14. Jahrhundert zurückgehen soll.

Das Jubiläum, auf das sich die Gemeinde im kommenden Jahr beruft, geht aber sogar noch weiter zurück. Der Name "Uedem" wird zum ersten Mal am 5. Oktober 866 in einer Urkunde erwähnt. Für jene, die es besonders genau wissen wollen: Gaugraf Ansfried übertrug damals sein Eigentum, nämlich die in der Uedemer Mark gelegene Siedlung Villa Geizefurt, dem Kloster Lorsch.

Auch wenn Uedem damals zum ersten Mal erwähnt wird: Bereits in der Alt- und Mittelsteinzeit kamen Jäger und Sammler auf dem heutigen Gemeindegebiet vorbei. Funde zeigen, dass hier vor mehr als 6000 Jahren wohl schon Hirten und Bauern auf ihren Höfen gelebt haben. Manches hat sich also bis heute nicht geändert - auch wenn die Dichte der Bevölkerung seitdem stark zugenommen und die der Bauern stark abgenommen haben dürfte.

Von Uedems heutigem Wahrzeichen, der Hohen Mühle, war damals natürlich noch keine Rede. Erstmals wird sie 1319 erwähnt, damit zählt sie zu einer der ältesten aus Stein gebauten Windmühlen am Niederrhein. Schon damals muss sie einen prächtigen Blick über die Landschaft geboten haben - und war von weitem über Wald und Felder gut zu sehen.

Ihren Titel als Schustergemeinde bekam Uedem übrigens erst deutlich später. Erst nach Anrollen der Industriellen Revolution in den 1830er Jahren siedelten sich Schuster in Uedem an und sorgten bis heute für den Beinamen. Das wird zu gegebenem Zeitpunkt sicher auch gefeiert. Im kommenden Jahr ist erstmal Gaugraf Arnsfried dran.

Quelle: RP
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