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Goch
Altenheim fast eine Woche ohne Fernsehanschluss

Goch. Für die meisten Deutschen wäre die Vorstellung, einen Abend lang nicht fernsehen zu können, zumindest belastend. Eine Woche lang kein Spielfilm, kein Krimi, keine Doku-Soap - richtig hart und allenfalls auf Reisen zu akzeptieren. In Goch allerdings mussten diesen Zustand jetzt zahlreiche Bürger hinnehmen, die mehr als andere auf diese Art der Unterhaltung und Information angewiesen sind, nämlich die 87 Bewohner des Altenheims Zu unserer Lieben Frau sowie die Bewohner der dazugehörigen Wohnungen. Seit Donnerstag Mittag konnten sie keinerlei TV-Programm mehr empfangen, erst gestern Nachmittag war der Fehler behoben und die Fernsehgeräte funktionierten wieder.

Der Anbieter Unitymedia hatte sechs Tage lang keine Lösung für das Problem gefunden. Eine Bewohnerin, die der RP von der Sache berichtete, wies darauf hin, dass sie selbst gar nicht so sehr unter der Situation leide, da sie noch beweglich sei und unter Menschen komme. "Aber viele im Heim haben kaum andere Unterhaltung als den Fernseher. Für sie ist dieser Zustand kaum zu ertragen."

Heimleiter Norbert Lamers ist richtig erbost. "Seit Donnerstag haben wir zigmal bei Unitimedia angerufen und auch darauf hingewiesen, dass es sich hier um die Bewohner eines Altenheims und von Seniorenwohnungen handelt, die seit fast einer Woche nicht mehr fernsehen können. Ohne nennenswerte Reaktion." Der Internetanbieter habe das Thema an die Störungsstelle weitergegeben - das sei alles, was man von den Mitarbeitern des Call-Centers zu hören bekomme.

In der Folge sei nicht nur das Frauenhaussträßchen, das dem Klosterplatz gegenüberliegt, ohne Empfang gewesen, sondern auch der Stadtgraben und einige Häuser am Markt. Nicht einmal Radio hören sei für seine Schutzbefohlenen möglich - Antenne oder Schüsseln auf dem Dach des Altenheims gibt es nicht. Heimleiter Lamers, hörbar verärgert über das Unternehmen, das sich augenscheinlich kaum um das drängende Problem kümmert, ist nur froh darüber, dass sein Sozialer Dienst sich noch mehr Mühe als sonst gibt, den alten Menschen alternative Beschäftigungsangebote zu machen. "Einige der bettlägerigen Bewohner haben wir mit DVD-Playern versorgt, damit sie wenigstens Filme schauen können", erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion.

(nik)
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