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Jacke An Und Raus
Anzelten im April

Jacke An Und Raus: Anzelten im April
Adriana, Greta und Hannah liegen um 22.30 Uhr dick eingepackt in ihren Schlafsäcken. Geschlafen wird zu dieser Zeit noch lange nicht FOTO: Thomas Binn (binn)
Goch. Die Anlage Anna Fleuth lädt zum frühen Zelten ein. Die Rheinische Post testet mit drei Mädchen, 13 bis 15 Jahre alt, wie sich eine Nacht um den Gefrierpunkt draußen verbringen lässt. Von Thomas Binn (Text & Foto)

WINNKENDONK Adriana, Hannah und Greta sind schwer bepackt. Die drei Mädchen sind auf dem Weg zum Zeltplatz Anna Fleuth. An diesem Abend sind wir die einzigen Gäste. Der Zeltplatz hat seine Pforten zwar schon seit Ostern geöffnet, aber um diese Zeit ist noch nicht so viel los. Das verwundert nicht, denn in den Wochen zwischen Ostern und Pfingsten fallen die Temperaturen nachts häufig bis auf den Gefrierpunkt. Davon lassen sich die drei Freundinnen nicht abschrecken. Es ist zwar das erste Mal, dass sie so früh im Jahr Zelten gehen, aber gegen die Kälte kann man sich schützen, meint Hannah (15): "Wir haben dicke Schlafsäcke dabei und wollen nachher noch ein kleines Feuer machen. Das wird schon." Hannah kennt sich mit Zelten aus. Sie war schon häufig mit Freunden draußen unterwegs. Allerdings immer bei milden Temperaturen.

18 Uhr: Es ist noch sonnig. Die Mädchen bauen ihr Zelt auf und verstauen ihr Gepäck. Maria Wouters kommt dazu. Sie ist die Eigentümerin des kleinen Naturzeltplatzes in Winnekendonk. "In der Zeit nach Pfingsten sind hier häufig 60 Zelte aufgebaut", erzählt sie. "Jetzt ist es zwar nachts etwas kälter, aber dafür ist man alleine in der Natur. Das ist wunderschön." Angst vor der Jahreszeit sollte man nicht haben. Man muss nachts etwas enger zusammenrücken, aber die Erfahrungen auch bei kalten Temperaturen draußen zu sein, sollten alle Kinder mal gemacht haben, ergänzt sie.

21 Uhr: Die Mädchen spielen Fußball mit Taschenlampen. Auch ich habe mittlerweile mein kleines Zelt in einer anderen Ecke des Zeltplatzes aufgebaut und kümmere mich jetzt um das Feuer. Eine Feuerschale, Brennholz und Stockbrotteig hat uns Maria Wouters da gelassen. Als die ersten Flammen zündeln, kommen auch die Mädchen. Wir rücken zusammen. Es wird viel gelacht und die Handys, die um diese Tageszeit häufig auf Hochtouren laufen, bleiben aus. Nach dem dritten gerösteten Brot entschließen wir uns, die Runde aufzulösen und in die Schlafsäcke zu kriechen.

22:30 Uhr: Es ist kalt. Etwa zwei Grad. Für mich ist es die erste Nacht meines Lebens, in der ich zum Schlafen eine Fleece-Mütze trage. Die Stimmung im Mädchenzelt ist super. Ich wundere mich, was es alles zu erzählen gibt.

3 Uhr: Es ist endlich Ruhe.

Damit eine Nacht draußen bei niedrigen Temperaturen gelingen kann, ist es wichtig, gutes Equipment dabei zu haben. Es gibt Schlafsäcke für unterschiedliche Temperaturbereiche. Luftmatratzen oder selbstaufblasende Isomatten, die vor Bodenkälte schützen, sind unerlässlich. Wer nachts anfängt zu frieren, hat keine Freude mehr. Da lohnt es sich, auch eine zusätzliche Decke einzupacken.

8 Uhr: Als ich morgens den Reißverschluss des Mädchenzeltes aufmache, schauen mich sechs verschlafene Augen an. Adriana liegt mit ihrer Winterjacke im Schlafsack. "Es wurde diese Nacht doch etwas kühl", erzählt die 14-Jährige. Auch die 13 Jahre alte Greta hat sich in der Nacht noch etwas Dickes angezogen. Auf meine Nachfrage, wie es den Dreien gefallen hat, kommt ein einstimmiges: "Cool!" Damit waren aber nicht die Temperaturen gemeint.

Unser kleines Experiment ist also geglückt und wir können allen Eltern und Kindern empfehlen: Schlaft mal eine Nacht draußen!

Quelle: RP
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