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Goch-Asperden
Beeindruckende Lesung in Graefenthals Kreuzgang

Goch-Asperden. Es war eine außergewöhnliche Veranstaltung, zu der sich trotz großer Hitze 85 Besucher im Kreuzgang des ehemaligen Klosters Graefenthal einfanden. Der Förderverein präsentierte in Kooperation mit der KulTOURbühne Goch, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, dem Volkshochschule-Zweckverband und dem Pagina-Verlag als Herausgeber des Buches "Von der Geschichte befreit - Von einem Krieg, der endete, aber nicht verging", die Autorin Monika Benndorf. Sie las Abschnitte aus ihrem Buch vor, unterbrochen durch ihre Tochter Esther Linssen, die als Opernsängerin, begleitet von Konzertpianist Jorrit van den Ham am Flügel, Lieder von Schubert und Schumann, aber auch nach Texten ihrer Mutter vortrug. Von Werner Stalder

Die Empfindungen der Zuhörer nach eineinhalb Stunden fasste der 2. Vorsitzende des Fördervereins Kloster Graefenthal, Michael Urban, so zusammen: "Ich bin ergriffen, beeindruckt, sprachlos und dankbar." Drs. Ron Manheim, Vorsitzender des Vereins "Haus der Begegnung", schreibt zum Buch: "Die Suche von Monika Benndorf nach ihrem Vater ist die Geschichte der unterschiedlichen Weisen, in der die persönlichen Erlebnisse der Kriegsjahre sich auf die Seelen und Biografien der einzelnen Menschen auswirkten. Liebe, Scham, Hass, Sehnsucht, Hoffnung, Verbitterung begegneten und vermischten sich, rangen mit- und gegeneinander. Eine Liebe in Kriegszeiten, echt, aufrichtig, aber unter dem unglücklichsten aller Sterne, hat die Geburt eines Kindes zur Folge, das von beiden Eltern akzeptiert, dann aber umstandsbedingt dem Vater entzogen wurde, was gleichzeitig bedeutete, dass dem Kind der Vater weggenommen wurde." Vor den Gästen im Kreuzgang erzählte Monika Benndorf von ihrem Kampf, sich selbst als Kind von einem deutschen Soldaten zu akzeptieren und von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Bis 1954 war sie staatenlos. Ihr Vater wurde nicht anerkannt. Deswegen bekam sie nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Die niederländische Staatsangehörigkeit bekam sie aber auch nicht.

"Die meisten Kinder der deutschen Soldaten hielten ihre Herkunft ängstlich geheim, zu sehr fürchteten sie sich vor den Nachkriegs-Ressentiments", schreibt Drs.Wiel Lenders vom Befreiungsmuseum Groesbeek in einem Prolog zum Buch von Monika Benndorf. Und so las die Autorin vor: "Es wurde Frühling. Der Soldat führte seine Verlobte in das verbotene Sperrgebiet, und zwischen blühendem Wiesenschaumkraut erlebten meine Eltern an der Waal ihre Liebe in Kriegszeiten. Meine Mutter, 20 Jahre jung, war an einem Herbstnachmittag im Oktober 1942 in den kleinen Tabakladen gekommen. Der junge Mann bat die zierliche Frau, sie wegen der einbrechenden Dämmerung nach Hause begleiten zu dürfen. Ja, sie stimmte zu. Gegen alle wohlmeinenden Warnungen öffnete sie ihr Herz dem gut aussehenden dunkelhaarigen Mann mit den hellblauen Augen. Er trug die graugrüne Uniform der deutschen Wehrmacht. Das Leben ihrer Familie würde nie mehr sein wie zuvor..."

Quelle: RP
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