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Goch-Asperden
Beim Segelflug mal in der ersten Reihe

Goch-Asperden: Beim Segelflug mal in der ersten Reihe
Bei diesem Anblick wurde manchem der Kinder etwas mulmig -aber Mut und Abenteuerlust überwogen schließlich. Das Erlebnis war für alle einfach berauschend. FOTO: evers
Goch-Asperden. Brüder und Schwestern von schwerkranken Kindern, um die sich der gesamte Familienalltag dreht, stehen oft am Rande. Der Asperdener Luftsportverein hatte sie jetzt einmal mehr zu einem tollen Tag eingeladen. Von Monika Hartjes

Die Freude steht der siebenjährigen Josie ins Gesicht geschrieben: Sie darf im Segelflugzeug mitfliegen. "Ich bin schon mal geflogen, das war aber eine große Maschine. Da sind wir in Urlaub geflogen." Aber im Segelflieger, da sitzt sie alleine mit dem Piloten. "Ich bin ganz gespannt", sagt das Mädchen.

Der Luftsportverein Goch hatte wieder Rundflüge für Kinder angeboten, deren Geschwister schwer erkrankt und im Düsseldorfer Kinderhospiz "Regenbogenland" sind. "Diese Geschwisterkinder stehen meist im Hintergrund, hier stehen sie mal im Mittelpunkt", sagte Stephan Becks, der diese Aktion vor fünf Jahren initiierte.

"Ich hatte zu meinem 50. Geburtstag Geld geschenkt bekommen und wollte das spenden", erzählt der leidenschaftliche Flieger, der seit 2005 dem Verein in Asperden angehört. Im Internet fand er dann das Kinderhospiz "Regenbogenland". Nach einer Besichtigung, in der er auch vom monatlichen Geschwistertag hörte, kam ihm die Idee, mehr zu tun als nur zu spenden. Man könne die Jungen und Mädchen, die zwangsläufig immer in der zweiten Reihe stünden, auf den Flugplatz einladen für Rundflüge, so sein Gedanke. Damit stieß er beim Vorstand und den anderen Mitgliedern auf offene Ohren.

Bei der fünften Auflage gab es eine Rekordbeteiligung: 24 Kinder nahmen teil. Der Privatflieger Norbert Fleuren stiftete zwei Hubschrauberrundflüge mit seinem Eurocopter EC 120 für je vier Kinder. Alle Kinder durften einen Motorflug genießen - vom Verein gesponsert, ein Flug kostet rund 80 Euro - und außerdem wurde für neun Kinder, die bisher noch nie im Segelflugzeug saßen, ein solches Abenteuer geboten.

Der Segelflugzeug-Pilot Ralf de Saint Aulaire erzählte den wartenden Kindern etwas über das Ultraleicht-Flugzeug, in dem neben dem Piloten jeweils ein Passagier mitfliegen kann. "Dieses hat eine Reichweite von fünf Stunden ohne zu tanken, fliegt 200 Kilometer schnell und kann so bis München fliegen", erklärte er. Außerdem sei das Flugzeug mit Heizung und Lüftung ausgestattet. "Der einzige Nachteil ist, dass wir keine Stewardess haben, die unterwegs Getränke austeilt", schmunzelte er. Luisa freute sich auf den Blick von oben. "Da sehe ich dann ganz viele kleine Häuser", meinte die Siebenjährige. Pascal hat schon mal einen Flugtag miterlebt und sowohl im Hubschrauber als auch im Motorsegler und Segelflugzeug gesessen. "Das Segelflugzeug ist am schönsten, weil es so leise ist", sagte der zwölfjährige Junge.

An den monatlichen Geschwistertagen werden meistens Ausflüge gemacht, an denen im Durchschnitt 15 Kinder teilnehmen. "Dass die Rundflüge ein Highlight sind, zeigt schon die hohe Teilnehmerzahl", erzählte Vanessa Mertens, Mitarbeiterin im Kinderhospiz "Regenbogenland", die den Ausflug nach Goch betreute. Für die Kinder von kranken Geschwistern bedeute so eine Aktion einen Ausstieg aus dem Alltag, der durch die Familiensituation belastet sei. "Sie können sich mit anderen Kindern austauschen und erfahren, dass sie in ihrer Situation nicht alleine sind", so Mertens.

Fünf Piloten machten die Rundflüge, der Luftsportverein spendierte Kaffee und Kuchen, Süßes und Getränke, Maria Fleuren organisierte das "Bullenreiten" als besondere Aktivität. Rund 20 Mitglieder sorgten ehrenamtlich dafür, dass sich die Kinder wohlfühlten. "Wenn man das Leuchten in den Augen der Kinder sieht, wenn sie abends nach Hause fahren, dann ist das Belohnung genug", sagte Stephan Becks.

Quelle: RP
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