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Razzia in Goch
Besitzerin von Sauna-Club wehrt sich gegen Vorwürfe

Razzia in Goch: Besitzerin von Sauna-Club wehrt sich gegen Vorwürfe
„FKK van Goch“-Geschäftsführerin Ulla Oberender mit ihren Hunden „Gismo“ und Püppi“. FOTO: Evers, Gottfried
Goch. Nach der Razzia im "FKK van Goch" erklärt die Betreiberin des Bordells, dass alle gegen sie erhobenen Vorwürfe haltlos seien. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft hat aber belastendes Material gefunden.

"Am Tag der Razzia hatten wir geschlossen. Heute läuft der Betrieb wieder", sagte Ulla Oberender, die seit gut neun Jahren den Bordellbetrieb "FKK van Goch" führt, gestern. Die 55-Jährige ist keine Unbekannte in dem Gewerbe. Immerhin war sie in etlichen Sendungen für den Fernsehsender RTL II als Rotlicht-Expertin unterwegs. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Oberender: "Wir haben nichts Unrechtes getan. Die Vorwürfe sind falsch. Ich werde gegen das Vorgehen der Behörden klagen, denn die Aktion war eindeutig ruf- und geschäftsschädigend."

Vorwurf der Steuerhinterziehung

Nach Aussage der Klever Staatsanwaltschaft stehen die Betreiber im Verdacht, Frauen zur Prostitution nach Deutschland gebracht zu haben. Neben dem Vorwurf der banden- und gewerbsmäßigen Schleusung wird ihnen auch Steuerhinterziehung vorgeworfen. "Wir haben keine Frauen eingeschleust. Alle, die hier arbeiten, sind freiwillig zu uns gekommen. Uns wird vorgeworfen, dass wir von den Frauen Geld kassieren. Das stimmt nicht, jede Prostituierte behält ihren Verdienst. Aber das kann sich der Staatsanwalt auf den Videos selbst anschauen. Er hat ja alle Rechner mitgenommen", betont Oberender.

Sie selbst verdiene nur durch den Eintritt und habe nicht einen Euro Steuerschulden, betont die Blondine. Im vergangenen Jahr seien 80.000 Euro Steuern ans Finanzamt überwiesen worden, so die Betreiberin, die erklärt: "Ich sammle die Gelder nur ein und leite diese ans Finanzamt weiter."

Der entstandene Schaden durch hinterzogene Steuern und nicht geleistete Sozialabgaben wird von der Staatsanwaltschaft auf 2,7 Millionen Euro geschätzt. Bei der Razzia hatten die Ermittler 28.000 Euro Bargeld sichergestellt. Diese, sowie weitere Vermögenswerte, wurden nach Angaben der Bundespolizei zur Sicherung des entstandenen Steuerschadens gesichert.

Was die Herkunft der Frauen betrifft, so könne es durchaus sein, dass sie aus anderen Ländern stammen, als sie es selbst angeben. Oberender erklärt dies so: "Das wird oft aus verkaufstaktischen Gründen gemacht." Auch was das Thema Waffen-Funde betreffe, sei die Darstellung der Bundespolizei nicht richtig, so die 55-Jährige. "Es ist nur eine Schreckschusspistole gefunden worden. Die habe ich völlig legal gekauft und einen kleinen Waffenschein dafür beantragt. Ich brauche sie nur, wenn ich die Tageskasse zur Bank bringe."

Keine Untersuchungshaft

Trotz der im Raum stehenden hohen Schadenssumme muss Ulla Oberender nicht in Untersuchungshaft. Der Sprecher der Klever Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Günter Neifer, erklärt dazu, dass in derartigen Fällen man grundsätzlich sowohl Flucht- als auch Verdunkelungsgefahr annehme. "Die Beschuldigte hat jedoch in der Vergangenheit außerordentlich gut mit den Behörden zusammengearbeitet und auch in anderen Strafverfahren Aufklärungshilfe geleistet", sagt Neifer.

Zudem sei sie bei den Maßnahmen am Mittwoch ebenfalls sehr kooperativ gewesen. "Daher geht die Staatsanwaltschaft in diesem Fall ausnahmsweise davon aus, dass sich die Beschuldigte dem Strafverfahren stellen wird", betont Neifer.

Hinsichtlich des Verdachts der Beitragsvorenthaltung und Steuerhinterziehung haben die Ermittler durch die Razzia wertvolle Beweismittel gesichert. Für die Ermittler ist es wichtig, Belege zu finden, die darauf hinweisen, dass die Prostituierten in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis arbeiteten. Und diese wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch gefunden.

Prostituierte bestätigten in den Vernehmungen, dass Strafgelder für das Nichtbeachten von Regeln verhängt wurden. Aufstellungen, in denen Umfang und Preise der einzelnen sexuellen Leistungen detailliert aufgelistet waren, seien ebenfalls sichergestellt worden, so Neifer.

Abgeschlossen sind die Ermittlungen nicht. Es folgen noch eine Reihe von Vernehmungen. Auch müssten die aufgefundenen Beweismittel noch ausgewertet werden.

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