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Goch
BFG führt- CDU will Ruder herumreißen

Goch: BFG führt- CDU will Ruder herumreißen
Momentaufnahmen aus dem Gocher Kastell. Ein stolzer Ulrich Knickrehm feiert mit seiner Familie, Freunden und Anhängern über den Sieg im ersten Wahlgang. Im rechten Bild haben der CDU-Chef Josef van de Kamp und Kandidat Heinz van Baal das Lächeln nach der ersten Enttäuschung bereits wieder gefunden. Sie wollen in den nächsten 14 Tagen wieder angreifen. FOTO: Klaus-Dieter Stade
Goch. Der Wahlkampf geht für Ulrich Knickrehm und Heinz van Baal in die Verlängerung. Beide wollen bis zur Stichwahl noch einmal alles in die Waagschale werfen. Die große Unbekannte sind die mehr als 25 Prozent SPD-Wähler. Von Ludwig Krause

Die größte Überraschung des Abends kam aus den Gocher Ortsteilen. Als einzige Partei überhaupt sind die Christdemokraten im gesamten Gemeindegebiet mit Ortsverbänden vertreten, die Ortschaften gelten traditionell als Hochburgen der CDU. Bis gestern Abend. Überall hat die stärkste Kraft im Gocher Rat bei der Bürgermeisterwahl krachende Verluste im zweistelligen Bereich eingefahren. Viele Wähler sind zum BFG abgewandert, einige auch zu Hause geblieben. Am Beispiel des Stimmbezirks Pfälzerheim zeigt sich: 47,67 Prozent der Wahlberechtigten machten diesmal ihr Kreuz, bei der Bürgermeisterwahl im Jahr 2009 waren es 63,01 Prozent.

Momentaufnahmen aus dem Gocher Kastell. Ein stolzer Ulrich Knickrehm feiert mit seiner Familie, Freunden und Anhängern über den Sieg im ersten Wahlgang. Im rechten Bild haben der CDU-Chef Josef van de Kamp und Kandidat Heinz van Baal das Lächeln nach der ersten Enttäuschung bereits wieder gefunden. Sie wollen in den nächsten 14 Tagen wieder angreifen. FOTO: Klaus-Dieter Stade

Als alle Stimmbezirke ausgezählt waren, ging Ulrich Knickrehm als Sieger des Abends vom Feld - wenn auch ohne absolute Mehrheit. Mit mehr als zehn Prozentpunkten Vorsprung auf CDU-Kandidat Heinz van Baal zieht er in die Stichwahl am 27. September ein. Knickrehm wählten 42,91 Prozent der Wähler, van Baal 31,55 Prozent, Bettina Trenckmann 25,54 Prozent.

Eine Botschaft, die auch im Hauptquartier der Gocher CDU angekommen ist. Deren Vorsitzender, Josef van de Kamp, zeigte sich tags darauf schon wieder kämpferisch. "Wir müssen sofort wieder an die Arbeit gehen, noch mehr Aufwand betreiben", sagte van de Kamp. Man wolle die eigenen Wähler mobilisieren, Unentschlossene überzeugen und auch um jene Stimmen kämpfen, die im ersten Wahlgang auf Bettina Trenckmann entfielen. "Es gibt sicher den einen oder anderen SPD-Wähler, der nicht Ulrich Knickrehm wählen wird", sagt van de Kamp. "Wir müssen jetzt auch den letzten erreichen, der noch nicht verstanden hat, worum es geht. Goch braucht in der jetzigen Situation keinen Sprücheklopfer, sondern einen, der das Amt kompetent ausfüllen kann." Was das Ergebnis auch im Hinblick auf die Unterschiede zur Landratswahl sagt, wolle man später in Ruhe analysieren, sagte van de Kamp. CDU-Landratskandidat Wolfgang Spreen hatte mehr als 55 Prozent der Gocher Stimmen auf sich vereinen können. Spreen zum Landrat und Knickrehm zum Bürgermeister zu wählen, scheint sich in Goch nicht mehr auszuschließen.

Gewinner und Verlierer der Stichwahlen in NRW FOTO: dpa, rwe fpt

Schon gestern Abend saßen die Christdemokraten wieder zusammen, um einen Schlachtplan für die kommenden zwei Wochen zu entwickeln. Man habe mit einer Stichwahl gerechnet, sagte Bürgermeisterkandidat Heinz van Baal. Darum komme die Verlängerung auch nicht überraschend für die Partei. "Wir werden jetzt im Team beraten, wie wir das Ruder in den kommenden zwei Wochen herumreißen können. Ich möchte Wähler aus allen Lagern von mir überzeugen", sagte van Baal.

Wie sich das Viertel der Wähler, das Bettina Trenckmann seine Stimme gegeben hat, bei der Stichwahl entscheidet, bleibt tatsächlich die große Unbekannte. Man wolle jetzt zügig und offen diskutieren, ob man seinen Wählern eine Empfehlung aussprechen möchte, sagte der Gocher SPD-Parteivorsitzende Jürgen Meuser. Das eine aber möchte er seinen Wählern schon jetzt mit auf den Weg gehen: "Ich appelliere an jeden, wählen zu gehen, damit der neue Bürgermeister die größtmögliche Legitimation hat", sagte Jürgen Meuser.

Ulrich Knickrehm kann sich als großer Sieger der ersten Etappe fühlen. Darum wurde am ersten Abend schon kräftig mit Familie, Freunden und Anhängern gefeiert. Aber, mahnte BFG-Vorsitzender Udo Wennekers an: "So stolz wir auf dieses Ergebnis auch sind. Die Messe ist erst gelesen, wenn wir Ulrich Knickrehm am 27. September durchbekommen haben." Das weiß auch der BFG-Kandidat, der sich im Vorfeld zumindest schon so sicher über einen knappen Wahlausgang war, dass er seinen Arbeitgeber, das Landgericht Kleve, auf die Verlängerung vorbereitet hatte. "Alles andere wäre grob fahrlässig gewesen", sagte Knickrehm.

"Wir werden genauso weitermachen wie bisher und in Goch möglichst präsent sein", sagte Knickrehm. Man habe den Nerv der Wähler getroffen, die hätten deutlich gezeigt, dass sie keinen CDU-Bürgermeister mehr an der Stadtspitze haben wollen.

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Ob er seinen Vorsprung über die Ziellinie retten, oder die Christemokraten sich mit einem Kraftakt tatsächlich noch einmal herankämpfen können, wird der 27. September zeigen. Tatsächlich dürften die nächsten Tage den Kandidaten noch einmal alles abverlangen.

Quelle: RP
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