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Goch
BFG im Rausch - CDU muss aufräumen

Goch: BFG im Rausch - CDU muss aufräumen
Heinz van Baal und Ulrich Knickrehm (von links) am Wahlabend. Der 61-jährige Polizist zeigte sich als fairer Verlierer und gratulierte dem 59-jährigen Richter zum Wahlsieg. FOTO: Gottfried Evers
Goch. Die Ergebnisse der Kommunalwahl 2014 haben es angedeutet, bei der Stichwahl wurde es offensichtlich: Die CDU in in Goch ist zwar die stärkste Fraktion im Rat, um den Rückhalt in der Bevölkerung muss sie aber ganz neu kämpfen. Von Ludwig Krause

Acht Jahre Haft. Noch am vergangenen Dienstag hat Ulrich Knickrehm das vorerst letzte Urteil als Vorsitzender Richter am Landgericht in Kleve gefällt. Eine 30-jährige Frau sprach er schuldig, einen 42-jährigen Mann an Tulpensonntag erstochen zu haben. Totschlag. Zukünftig wird es Knickrehm mit ganz anderen Problemfällen zu tun bekommen.

Ab dem 21. Oktober sitzt Ulrich Knickrehm als erster Bürgermeister, der nicht aus den Reihen der Christdemokraten kommt, an der Spitze der Verwaltung in Goch. Im Wahlkampf hat sich der Richter als knallharter Sparpolitiker profiliert, am Haushalt wird er sich messen lassen müssen. "Ich werde in Kürze meine Arbeit aufnehmen und erste Gespräche mit Mitarbeitern aus der Verwaltung führen", sagte Knickrehm im Pressegespräch am Sonntagabend. Da war die Wahlparty im Gocher Kastell längst zum Krönungsball der BFG geworden. Erst ließ sich der 59-Jährige ausführlich von jedem Mitglied gratulieren, dann sprach er zu den Seinen, schließlich antwortete er knapp auf die Fragen der Journalisten. Knickrehm weiß, was er will, wann und wie er es will.

Jetzt macht er aber erst einmal Urlaub, mit seiner Frau auf einer Nordseeinsel. "Da werde ich nicht erreichbar sein."

Knickrehm hat dafür gesorgt, dass sich das BFG mehr denn je wie in einem Rausch fühlen kann. Bereits bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr deutete sich Wechselstimmung in der Weberstadt an. Mit 23,67 Prozent wurde das Bürgerforum zweitstärkste Kraft. Nun der Erdrutschsieg von Knickrehm gegen den CDU-Kandidaten Heinz van Baal (61), der vielen im Wahlkampf zu blass geblieben war. Die Christdemokraten dürften unterdessen heilfroh sein, dass so schnell keine Wahl mehr in Goch ansteht. Die Spitzen der CDU stellten sich zwar demonstrativ hinter van Baal. "Ein anderer Kandidat wäre angesichts dieser Wechselstimmung wohl auch erfolglos geblieben", sagte der Vorsitzende Josef van de Kamp.

Allerdings gibt es für die Christdemokraten einige Fragen, auf die sie Antworten finden müssen. Wenn man von den Stimmen aus dem Lager Bettina Trenckmanns einmal absieht, bleibt die Frage, warum man nicht einmal seine eigenen Wähler hat mobilisieren können. Die schlechte Wahlbeteiligung liegt sicher nicht nur, aber eben auch an CDU-Wählern, die zu Hause geblieben sind. Für viele Wähler scheint es ebenfalls kein Widerspruch zu sein, einen CDU-Landrat Wolfgang Spreen und einen BFG-Bürgermeister Ulrich Knickrehm zu wählen. "Was für ein Wählerpotenzial wir haben, zeigt sich am Ergebnis des Landrats. Wir müssen die richtigen Schlüsse daraus ziehen, warum wir dieses Potenzial auf kommunaler Ebene nicht abrufen konnten", sagte van de Kamp.

Eine spannende Frage wird auch sein, wie sich die CDU personell in den kommenden Jahren aufstellt. Man müsse für die Partei neue Wege und Strukturen schaffen, die richtigen Konsequenzen ziehen, sagte Josef van de Kamp. Das klingt zumindest nach einer Verjüngung an der Parteispitze. Bis dahin muss man aber erst einmal mit der neuen Situation zurechtkommen. "Wir stehen einer Zusammenarbeit mit dem neuen Bürgermeister offen gegenüber ", sagte van de Kamp. Ein einfaches Abwinken, wie es bisher bei BFG-Anträgen im Rat zuweilen geschehen ist, könnte in Zukunft deutlich seltener werden.

Quelle: RP
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