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Goch
Brückenstraße braucht neue Perspektive

Goch: Brückenstraße braucht neue Perspektive
Rechts zugeklebte Schaufenster, links Umzugs-Plakate - die Brückenstraße in Goch könnte Belebung gebrauchen. FOTO: GOTTFRIED EVERS
Goch. Seit sie nicht einmal mehr Dauer-Parkplatz ist, wirkt die Brückenstraße umso verlassener. Ladenlokale stehen leer, viele Altbauten sind in einem schlechten Zustand. Ehemals markante Gebäude werden vermutlich bald abgerissen. Von Anja Settnik

Es ist nur ein Umzug, das steht deutlich auf den Schildern im Schaufenster: Moden Peters, eine alteingesessene Adresse für schicke Damenkleidung, wird künftig nicht mehr an der Brückenstraße/Einmündung Wiesenstraße zu finden sein. Inhaberin Christel Hetzel-Scholten hat für ihr Geschäft einen besseren Standort gefunden: am Ende der Straße, gleich am Markt. "Dort kommt mehr Laufkundschaft hin, so hoffe ich, neben den Stammkundinnen auch weitere Frauen, vielleicht auch jüngere, anzusprechen." Wenn die Einzelhändlerin aus ihrer Ladentür blickt, sieht sie Leerstände und einigen "Rummel", wie sie sagt: Immerhin: Gleich gegenüber tut sich was, da wurde renoviert. "Was da rein kommt, weiß ich allerdings nicht."

Auf der Brückenstraße gibt es aber nach wie vor einige heimische Fachgeschäfte wie Betten Peters, das Einrichtungshaus Kracht-Hübbers oder Waffen Schmitt. Viel Zulauf hat auch die Bäckerei Heicks. Ansonsten sind vor allem Dienstleistungen aller Art anzutreffen: Ärzte, Friseure, Versicherungen, Lotto und die Sparkasse, nicht zu vergessen. Das Geld, das der Gocher dort vielleicht gerade abgeholt hat, gleich in der Nachbarschaft auszugeben, ist jedoch nicht einfach. Zumal nur der mittlere Teil der Brückenstraße noch vergleichsweise gut funktioniert. Weiter Richtung Markt gibt es noch die Park Apotheke und sonst nicht mehr viel.

Seit die Parkgebühren eingeführt wurden, kommen deutlich weniger Kunden, stellt Apotheker-Assistent Reinhard Fothen fest. "Die kostenlose Fünf-Minuten-Taste reicht nicht aus, bezahlen wollen viele Leute nicht. Zum Glück haben wir zwei eigene Parkplätze neben dem Haus." Auf der anderen Straßenseite fallen sowohl prachtvoll renovierte Villen als auch - gleich nebenan - vernachlässigte, weitgehend leerstehende alte Häuser ins Auge. Gleich drei Gebäude vor dem Weg zur Susbrücke scheinen aufgegeben; die Ladenlokale stehen leer, die Wohnungen darüber scheinen unbewohnt. Die Substanz der ehemals großzügigen Stadthäuser ist bröckelig und schmuddelig. Es heißt, sie sollen bald abgerissen werden.

Stadtsprecher Torsten Matenaers weiß, dass es einen Investor für eine Nachfolgelösung gibt: "Da wird irgendwann etwas passieren, was konkret, kann ich im Moment nicht sagen." Auch Stadtbaurat Klaus Krantz blickt aus seinem Büro hoch oben im Rathaus gerne Richtung Niers und deutet Pläne für die bislang wenig attraktive Hinterhofsituation im Bereich zwischen Brückenstraße und Susbrücke an. Dort kann und muss sich städtebaulich etwas tun, findet er. Gut vorstellbar, dass ein Abriss alter Häuser die Möglichkeiten schaffen würde.

Karin Arntz vom Vorstand des Gocher Werberings gibt zu, dass die Brückenstraße sich im Vergleich mit der Voßstraße weniger gut entwickelt hat. Das bekannte Problem vieler Kleinstädte, auf das ein Beratungsbüro schon vor vielen Jahren hingewiesen habe: Für die (relativ geringe) Größe der Stadt gibt es zu viele Geschäftsstraßen. "Die Vossstraße ist ja auch länger geworden durch C&A und die Anbindung an die Straße Auf dem Wall", sagt sie. Wer zu Fuß durch die Gocher City will und an der Post auf der Brückenstraße beginnt, hat ein ordentliches Stück zu laufen. Karin Arntz ist froh darüber, dass es auf der Vossstraße als Hauptgeschäftsstraße viele gute, auch inhabergeführte Läden gibt. Sie spricht von einem "florierenden Einzelhandelsmix", der auch viele auswärtige Kunden herbei locke. "Gerade erst hatten wir ja wieder die Reisemobilisten hier, Sie würden staunen, wie toll die hier alles finden."

Viel Lob hat die Geschäftsfrau auch für die neue Pflasterung in der Fußgängerzone übrig. "Mit Kinderwagen, Rollator oder außerhalb der Geschäftszeiten mit dem Fahrrad ist es kein Problem mehr, sich zu bewegen. Und es sieht sehr freundlich aus."

Die Werbering-Chefin, die die Einführung der Parkgebühren mitgetragen hat, wünscht sich bei diesem Thema nun doch Änderungen: "Die Regelungen sind für Anwohner und Mitarbeiter nicht gut, ich hoffe, da wird noch mal was geändert", sagt sie. Dass Auswärtige nun leichter einen Parkplatz finden, sei zweifellos der Fall. Viele Gocher lehnten die Parkgebühren allerdings ab.

Quelle: RP
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