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Goch
Buch zum Erhalt des Pfälzer Dialekts

Goch. Die Pfälzer am Niederrhein feiern Jubiläum. Am Samstag wird dazu ein Buch vorgestellt.

275 Jahre ist es jetzt her, dass sich 20 Familien aus der Pfalz, dem heutigen Hunsrück, auf den Weg ins "gelobte Land" nach Amerika machten. Dorthin kamen sie aber wegen eines Seekrieges zwischen England und Spanien und der damit verbundenen fehlenden Schiffe nicht. Sie "strandeten" auf der Gocher Heide und gründeten dort 1741 das Dorf Pfalzdorf. 1820 folgte die Gründung von Louisendorf und 1832 die Gründung von Neulouisendorf. Heute sind sie die Pfälzerdörfer am Niederrhein und deren Bewohner sprechen und pflegen noch immer die Sprache, die sie aus ihrer Heimat mitbrachten.

Höchste Zeit diese Mundart, die, wie der Sprachforscher Rene Schiering bereits 2007 feststellte, die einzig in Deutschland erhaltene Binnensprachinsel ist, schriftlich festzuhalten. Die Idee zu dem Buch hatten die beiden Vorstandsmitglieder des Pfälzerbundes am Niederrhein, Jürgen Graven und Jörg Blume. Das Jubiläum 275 Jahre Pfälzer am Niederrhein war ein guter Anlass, ein solches Werk in Angriff zu nehmen.

Bereits im Jahr 2010 befasste sich die Westmünsterländerin Rahel Beyer mit der Sprache der Pfälzer am Niederrhein. In ihrer Doktorarbeit hatte sie sich unter dem spezifischen Aspekt der Generation der Frage gewidmet, inwiefern sich in der pfälzischen Sprachinsel Niederrhein unter den Vorzeichen ihrer Auflösung und allgemein stattfindendem Dialektumbau systematische Variation zwischen zwei Sprechergruppen auffinden lassen. Die durch ihre Forschungsarbeiten geknüpften Kontakte mit den Pfälzern am Niederrhein bestehen bis heute, so dass die heute in Mannheim arbeitende und lebende Wissenschaftlerin sehr schnell bereit war, die Arbeit an einem Wörterbuch wissenschaftlich zu unterstützen und somit den Hauptteil der Arbeit zu übernehmen.

In mehr als zweijähriger Arbeit ist nun ein Wörterbuch entstanden, das mehr als 2000 Begriffe enthält, die sowohl in "Pälzer Sprooch", in internationalem phonetischen Alphabet (Lautschrift) und in deutscher Erklärung der Begriffe, die teilweise bebildert sind, dargestellt und erklärt sind. Weiter enthält das Buch knapp 200 Redensarten sowie Formentabellen von ausgesuchten Verben. Und weil der Herausgeber der Pfälzerbund am Niederrhein ist, darf natürlich ein kurzer Abriss ihrer Geschichte nicht fehlen.

Im evangelischen Landesarchiv in Düsseldorf wurde die bisher nicht veröffentlichte Gründungsgeschichte des Louisendorfer Pfarrers Oppel aus dem Jahre 1923 gefunden und als Abschrift in das Buch aufgenommen.

"Wir wollen mit dem Buch den Erhalt des Pfälzer Dialektes am Niederrhein fördern", freut sich der Louisendorfer Ortsvorsteher Jürgen Graven über die Herausgabe dieses Buches. Und der Pfälzerbund am Niederrhein sieht sich in der Tradition des Pfälzer Heimatdichters Jakob Imig, der einst in einem Gedicht forderte: "In Frääd un Lääd zusamme stehn, uns Sprooch nett losse unnergehn".

Das Buch wird im Rahmen der Feierlichkeiten zum Jubiläum an diesem Wochenende, genauer gesagt am morgigen Samstag, 8. Oktober, im Festzelt am Pfälzerheim in Pfalzdorf der Öffentlichkeit vorgestellt. Georg Cornelissen vom Landschaftsverband Rheinland wird diese Aufgabe übernehmen. Der Festakt beginnt um 13 Uhr und wird ein vielfältiges Programm für die Besucher bereithalten.

Käuflich zu erwerben ist das Buch im Festzelt und später im Jakob-Imig-Archiv zu den Öffnungszeiten an jedem ersten Sonntag im Monat zu einem Preis von 15 Euro. Bestellungen an j.graven@gmx.de.

Quelle: RP
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